Rezension Gambia-Reisebuch: Die Trommeln von Dulaba, von Mark Hudson (1989, engl. Our Grandmothers‘ Drums) – 9 Sterne

Ein Jahr in einem Dorf in Gambia. Überaus stimmungsvoll. Selten hat ein Reiseautor so eine dichte Atmosphäre erzeugt, und das mit sparsamen Worten.

Eins der besten Hot Country-Bücher überhaupt. Das Wetter; die Landschaft; Gefühle: das sitzt einfach. Die Frauen von Dulaba lernen wir sehr gut kennen. Nicht, dass sie übermäßig sympathisch oder interessant wären. Aber die Dorfgemeinschaft, die Organisation von Feldarbeit, Familie und Festen, sind reizvolle Themen.

Was mir gefallen hat:

Interessant die Dialoge und Liedtexte – äußerst schlicht, aber gerade deshalb ausdrucksvoll. Nicht zu vergessen Hudsons Schürzenjagd.

Wir lernen also indirekt auch den Autor Mark Hudson kennen, offenbar ein ruhiger, unvoreingenommener Mensch, der sich nicht für Sensationen und schnelle Gags interessiert. Er freundet sich mit den Frauen an, arbeitet oft auf dem Feld mit, beeinflusst ungewollt die Entwicklung des Dorfs, fragt unentwegt, weiß manchmal selbst nicht weiter und verhält sich teils sehr unvernünftig. Er macht aber nie viel Aufhebens von sich.

Hudson und die Gambier:

Single reimt sich bei Hudson auf mingle. Wieviel er wohl verschweigt? Meine eigenen Eindrücke aus Westafrika packt Hudson in perfekte Worte, und ich habe viel Neues dazu gelernt.

Die vielen Dorfbewohner, die wir namentlich kennen lernen, konnte ich nicht immer auseinander halten. Hudson wohnt in einem moslemischen Mandika-Dorf; ein Kapitel behandelt das Beschneidungsfest in einem Jola-Dorf auf der Südseite des Bintang-Flusses. Das Englisch (ich hatte die englische Ausgabe, Our Grandmothers‘ Drums) fiel mir ausgesprochen leicht im Vergleich zu vielen anderen Büchern.

Andere Autoren und Bücher:

Interessant, dass dieses Buch den Somerset Maugham Award erhielt. Zwar schreiben W. Somerset Maugham wie Hudson über heiße Commonwealth-Länder, doch da enden die Gemeinsamkeiten:

  • Maugham schildert durchreisende Gentlemen in den Tropen, die zum Sonnenuntergang einen Stengah vor ihrem Bungalow süffeln, Einheimische bleiben Statisten;
  • Hudson dagegen taucht tief ein ins Dorfleben, so weit es ihm möglich ist, ein paarmal erreicht er schon die Grenze, bei Hudson spielen Weiße die Nebenrolle. Genau einmal verwendet Hudson den Ausdruck „a trifle“, der bei Maugham so oft und in sonstiger Literatur so selten begegnet.

Ich bespreche hier auch Hudsons Music in my Head, ein Schlüsselroman über Youssou N’Dour. Der spielt in Senegals Dakar und ist viel neurotischer als Our Grandmothers‘ Drums, das als Tatsachenbericht daherkommt.

Schade, dass Hudson danach nur noch ein Buch schrieb (wenn man auch viele Artikel von ihm online findet). Momentweise erinnerte mich Grandmothers‘ Drums auch an die Dorfberichte von Nigel Barley.


Bücher - Weitere Empfehlungen auf HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.