Dorfkomödie Libanon: Wer weiß, wohin? (2011, mit Nadine Labaki) – Trailer & 2 Szenen – 6 Sterne

Eine liebe Dorfgeschichte von 2011, ein Riesenerfolg im Libanon und im Mittleren Osten. Kauzige Figuren, karge Landschaft, ärmliche Interieurs, markante Gesichter, schöne Gesichter. Den Dörflern sieht man gern beim Treiben zu. Wie angenehm wäre der Film, wenn er nicht noch eine Handlung haben müsste. Sie verdirbt die zweite Filmhälfte.

Probleme beim Drehbuch:

Denn spätestens im zweiten Teil weckt das Drehbuch Unzufriedenheit: Dass nur zwei Jugendliche die Isolation des Dorfs durchbrechen können, das aber fast allnächtlich, klingt bereits seltsam. Später gleitet der Plot fast ins Absurde – teils so albern wie ein Bollywoodkracher, und dabei immerhin vergnüglich, mit dem Bäckersong und der Bäckerszene als Highlight.

Anschließend jedoch wird es hochdramatisch tragisch und dabei nicht ernst zu nehmen, sondern eher an Schülertheater erinnernd (viele Darsteller erscheinen tatsächlich zum ersten Mal vor der Kamera, und das ganze erinnert auch an eine andere Dorfkomödie aus dem Mittleren Osten, dem passend betitelten Film Absurdistan).

Die Botschaften sind überaus schlicht:

  • Christen und Moslems sollen sich vertragen.
  • Frauen wuppen den Laden – die stets streitenden Männer stellt man besser mit Haschkeksen und Ukrainerinnen ruhig.

Eigentümlich, dass Regisseurin/Hauptdarstellerin/Mit-Autorin Nadine Labaki weitaus attraktiver gefilmt wird als alle anderen Dörfler in dieser milden Dorfkomödie aus dem Libanon. Die zarte Romanze der christlichen Labaki-Figur mit einem muslimischen Handwerker wird immer wieder neu belebt – und dann vergessen (engl. Titel Where Do We Go Now?, frz. Et maintenant on va où?).

Der Film leidet auch unter der unprofessionellen deutschen Synchronisation. Erbärmlich, dass die Bluray (ja, Bluray) einzig die deutsche Tonspur enthält. Arabisch hört man nur im Originaltrailer und teils im enttäuschenden Making-of (18 Minuten völlig unkommentierte Filmschnipsel von den Dreharbeiten).

Parallelen zu Labakis Beirut-Film Caramel (2007):

  • vordergründig mild exotisch, reizvoll, liebenswert
  • letztlich schlichte, naive Handlung, fast wie eine Seifenoper
  • starke Frauen prägen die Handlung




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