Gemeinsamkeiten:
Mehrere Geschichten liefern Frauen, die sich weit mehr für Bildung und Künste interessieren als ihre provinzielle Umgebung:
- Juliet aus der Juliet-Reihe ist hochgebildet, vor allem in klassischen Sprachen, so wie auch die Hauptfigur Grace in der Geschichte “Passion”
- Robin in der Geschichte „Tricks“ interessiert sich mehr für Shakespeare als ihre kleinstädtische Umwelt
Die Frauen sind sich fast zu ähnlich, vor allem Juliet und Grace.
Chance (2004) – 6/10
Juliet-Reihe Teil 1/3. Junge leicht verhuschte Frau geht auf Zugreise, lernt verheirateten Mann kennen, besucht ihn auf gut Glück sechs Monate später.
Schöne Beobachtungen, interessante Entwicklungen. Der Todesfall und die Menstruationsgeschichte wirken aufdringlich. Wie so oft bei Alice Munro: eine junge, gut gebildete, etwas ziellose Frau driftet durch Kanada; die Geschichte wechselt Munro-typisch mehrfach zwischen zwei erzählten Zeiten.
Assoziation: Mehrere Geschichten liefern eine ältere, leicht kränkliche, momentweise mild verwirrte Frau. Englischer Volltext.
Soon (2004) – 8/10
Juliet-Reihe Teil 2/3. Jung verheiratete Frau besucht ihre Eltern mit ihrem 13 Monate alten Kind. Der Vater arbeitet hart, die Mutter driftet in eine Geisteskrankheit, die neue Haushaltshilfe irritiert. Es gibt Spannungen.
Lässt sich fast ohne Teil 1 lesen, weil es in anderen Milieus und Zeiten spielt; wirkt mit Vorkenntnis von Teil 1 aber tiefer. Interessante Figuren und Konflikte, teils ungewöhnlich, aber nicht an den Haaren herbeigezogen. Dialoge und Szenen wirken äußerst realistisch, geradezu dreidimensional plastisch.
Silence (2004) – 7,5/10
Juliet-Reihe Teil 3/3. Im zweiten Teil war Penelope ein Baby, nun steht sie auf eigenen Beinen, die sie nutzt, um spurlos zu verschwinden. Juliet, ihre Mutter, rätselt, recherchiert, wechselt Berufe und Beziehungen.
Mit Teil 3 ändert Munro Lebensalter und Milieus erneut deutlich – es gibt wenige, aber bedeutungsvolle Bezüge zu den vorhergehenden Geschichten. Auch wenn Munro innerhalb von “Silence” Situationen etwas willkürlich aneinanderreiht, klingen Dialoge und Szenarien lebendig und realistisch. Ich las deshalb Teil 2 und 3 zügiger als andere Munrogeschichten, obwohl es auch um Tod, Krankheit und Trauer geht.
Assoziation: auch in Anne Tylers Roman Im Krieg und in der Liebe, ungefähr zur selben Zeit veröffentlicht, verschwindet eine Tochter und lässt sich von einer vermeintlich spirituellen Gemeinschaft abschirmen.
Passion – 7/10:
Die junge Grace ist langweilig verlobt mit Nachwuchsingenieur Maury und verschwindet dann einen Tag lang unaufspürbar mit Maurys Bruder Neil – und das in den konservativen 1960er Jahren. Alice Munro erzählt das im Rückblick von 40 Jahren.
Assoziation: Die Juliet-Reihe und “Passion“ liefern eine ältere, leicht kränkliche, momentweise mild verwirrte Frau. – Das Sommerhotel am See erinnert an den Spielfilm Dirty Dancing, Kurzgeschichte und Film spielen scheinbar in derselben Epoche. – Die Rückblendtechnik verwendet Alice Munro immer wieder. hier schildert Munro die erzählte Jetztzeit (40 Jahre nach den Hauptereignissen) so knapp, dass man die Jetztzeit fast weglassen könnte; aber dann wäre es kein Munro mehr.
Tricks – 6/10:
Robin will ihre Zufallsbekanntschaft genau in einem Jahr wiedertreffen und hat hohe Erwartungen. Natürlich gibt es Überraschungen.
Die Kurzgeschichte ist etwas anekdotisch, fast ein Witz. Sie spielt auf drei Zeitebenen, zwei davon genau ein Jahr auseinander und recht konstruiert voneinander getrennt. Trotzdem wirkt die Geschichte für Munro-Verhältnisse ungewohnt chronologisch, untypisch ist auch der eher schlichte Inhalt, selbst wenn sie William Shakespeares und Henrik Ibsen referenziert (und mich damit überfordert).
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