Nigeria-Roman: Toads for Supper, von Vincent Chukwuemeka Ike (1965) – 6 Sterne

Netter, harmloser Studenten-Schwank

Adami ist Top-Student in der Stadt und auch sonst kein Kind von Traurigkeit. Da tritt eine gewisse Sweetie aus Lagos auf den Plan, und Adami vergisst glatt, dass er schon im Dorf verlobt ist:

„The sight of a charming girl dressed only in a pair of earrings was a bit too much for him.“

Ganz zu schweigen von Kommilitonin Aduke, der Adami gelegentlich auch nachstellt, sicherlich, weil sie im Buch die unterhaltsamsten Einzeiler aufsagt, und das in altmeisterlich-altklug-blümerantem Englisch. Die Folge: Chaos auf den Fluren im Studentenwohnheim, und die braven Eltern in der Provinz sind zu recht schockiert. Die tugendsame Dörflerin, die offenherzige Städterin oder die intellektuelle Mitstudentin – wie kommt Adami aus dem Kuddelmuddel wieder heraus und wen wird er schließlich an den Traualtar führen?

Unterhaltsame Sprüche:

Toads for Supper spielt in der 60er Jahren in Nigeria, teils an der Uni, teils in einer Igbo-Kleinstadt. Die Kleinstadt-Kapitel zeigen viel kauzig-vergnügliche Igbo-Charaktere samt den typischen, kernig-unterhaltsamen Igbo-Sprichwörtern und -Metaphern. Das erinnert deutlich an die Achebe-Romane Alles zerfällt (Things Fall Apart) oder Der Pfeil Gottes (Arrow of God) oder auch an Ikes eigenes The Potter’s Wheel (über einen Neunjährigen).

Viele Uni-Szenen lassen mich dagegen völlig kalt. Es geht in den ersten zwei Buchdritteln weniger ums Studieren oder Flirten als um Uni-Politik und Studenten-Organisationen. Ike verarbeitet hier vermutlich Selbsterlebtes, das aber Außenstehende nicht sonderlich kitzelt, höchstens verwirrt. Ein spezielles Afrika-Flair fehlt hier zudem, sieht man vom Pidgin-Englisch der Pförtner ab.

Begrenzt lustig:

Angeblich ist Toads for Supper eine Komödie und Ikes erfolgreichstes Buch. Hauptfigur Amadi gerät in Schwierigkeiten, weil er zu mehreren Frauen geichzeitig in Verbindung steht. Der Stress hält sich allerdings über lange Zeit in Grenzen, weil sich die Damen auf verschiedene Orte, Gesellschaftsschichten und Zeiten verteilen. Das liest sich ganz nett, aber besondere Situationskomik entsteht zunächst nicht.

Ike versucht die Dramatik zu steigern, indem er nicht ganz chronologisch schreibt, sondern besonders dramatische Momente oder wichtige Fakten erst in kleinen Rückblenden enthüllt. Die Technik ermüdet spätestens zur Buchmitte. Erst im letzten Buchviertel spitzt sich die Lage zu, kommt mehr Spannung auf, und das überraschend dramatische Ende scheint direkt aus einem Bollywoodfilm zu stammen.

Insgesamt ein liebenswerter Schwank von der Uni, von dem aber keine Suchtgefahr ausgeht. 2007 – also Jahrzehnte nach dem ersten Buch – veröffentlichte Ike die Fortsetzung Toads for Ever. Toads for Supper erinnerte mich auch entfernt an den indischen Studentenschwank Five Point Someone.

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