Diese Bücher wurden falsch oder schlecht ins Deutsche übersetzt

Hier sind einige Übersetzungen aus dem Englischen ins Deutsche mit Problemen in der Eindeutschung. Ich beginne mit klaren Fehlern, dann folgen schwache, wenn auch nicht völlig falsche Übersetzungen.

Übersetzungsfehler in Zeiten des Aufruhrs, von Richard Yates:

Klare Falschübersetzung: Das englische Original in der Ausgabe von Vintage Books (dies die Grundlage der deutschen Übersetzung) lautet sinnvoll (Hervorhebung von mir):

And besides, a motel wasn’t the only possibility.

Auf Seite 280 der deutschen DVA-Taschenbuch-Ausgabe steht inhaltlich unpassend:

Und zudem war ein Motel die einzige Möglichkeit.

Also sagt die deutsche Übersetzung von Hans Wolf inhaltlich das Gegenteil des Originals. Es müsste nicht nur bei einer Wort-für-Wort-Prüfung auffallen, sondern auch bei allgemeiner Betrachtung, denn der deutsche Text passt nicht zur Handlung: ein Motel ist in der Situation offenkundig nicht „die einzige Möglichkeit“.

Im Deutschen gibt es zudem sehr angestrengtes, allzu wörtlich Übersetztes wie „sie verfehlte nie zu bemerken“ oder „außerhalb des Haupterzählflusses seines Lebens“. Das könnte man eingängiger, weniger sperrig übertragen.

Übersetzungsfehler i.d. Simenon-Biografie von Patrick Marnnham:

Im engl. Original schreibt Marnham (S. 89):

(…) for much of the time he had been in a hôtel de passe with a distant cousin.

In der dt. Übersetzung wird daraus (S. 131):

(…) einen großen Teil der Zeit hatte er mit einem entfernten Vetter in einem Stundenhotel verbracht.

Georges Simenon, „Monsieur 10.000 Frauen“, im Stundenhotel mit einem Vetter? Tatsächlich hat der deutsche Übersetzer Helmut Kossodo hier das englische Wort „cousin“ mit „Vetter“ übertragen. Aber das englische „cousin“ kann auch Cousine/Kusine heißen, und das war sicherlich gemeint – und nicht „Vetter“.

Dies oben waren zwei klare Fehler. Im Folgenden noch Problematisches, wenn auch nicht völlig Falsches:

Übersetzungsprobleme bei Der mystische Masseur, von V.S. Naipaul:

Das Pidgin-Englisch der Trinidad-Inder kann man so oder so nicht sinnvoll übersetzen. In Naipauls „Ein Haus für Mr. Biswas“ macht Karin Graf Normaldeutsch daraus. Beim „Mystischen Masseur“ wird das Pidgin dagegen in ein bizarres Kaputt-Deutsch übertragen, das zu lesen mir schwer fiel:

  • Die Eltern von Suruj nennen sich bei Naipaul immer wieder „Suruj Mooma“ und „Suruj Poopa“. Karin Graf macht daraus „Pappa von Suruj“ und „Mamma von Suruj“. Unschön.
  • Die aufstoßende Tante heißt im Englischen meist „The Great Belcher“. Graf macht daraus „Der Große Rülpser“ – mehrfach missverständlich.
  • Die blasiert neureiche Leela redet ein distinguiert-bizarres Spezial-Pidgin. Graf macht daraus z.B.: „Es üst mür zu hoch, warum sie ühm nücht was Dückes an den Kopf werfen tun.“ Unschön.

Übersetzungsprobleme in Szenen einer Ehe, Dialogroman von Ingmar Bergman:

Öfter mal wunderte mich die Übersetzung aus dem Schwedischen von Hans-Joachim Mass:

  • „Berufsfrau“ statt berufstätige Frau
  • „Lutschflecke“ statt Knutschflecke (S. 84)
  • „beschubst“ statt betrogen (S. 144)
  • „Ich finde solche nachträglichen Erklärungsversuche unerhört gleichgültig“ statt unerhört belanglos/unbedeutend/unwichtig/egal oder statt Mich lassen solche… (S. 153)
  • „Groteskerie“ (S. 156)

Übersetzungsprobleme in Das junge Kairo, von Nagib Machfus:

Die Übersetzung hat mich nicht überzeugt, vgl. Ausdrücke wie

unenthüllbares Geheimnis (S. 61)

er teilte ein Blatt Papier… in zwei Kolumnen (S. 119)

Warum nicht in Spalten? Oder über eine „vorbildliche Ehefrau“ ohne Liebe:

Sie war wie ein Angestellter, der seine Stelle liebt, nicht jedoch seine Arbeit, oder der…

Warum nicht „wie eine Angestellte, die ihre…“?

Übersetzungsprobleme in Miramar, von Nagib Machfus:

Übersetzerin Wiebke Walther redet wiederholt sehr unschön von „sequestrieren“ und „Sequestration“, zudem von „Lizentiatin“ (S. 135) und von „Gouvernorat“ – ging das nicht anders?

Es gibt auch offenkundige Fehler, etwa „diese mir völlig überraschende Freundschaft“ (S. 163, korrekt „mich“) oder den Whiskey „Dewarts“ (S. 169, S. 190, korrekt „Dewar’s“).

Auf problematische Übersetzung gehe ich hier auf HansBlog.de auch in vielen weiteren Einzelbuchbesprechungen hier ein.


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