Deutsches Roadmovie: Im Juli (2000, Regie Fatih Akin, mit Moritz Bleibtreu) – mit Trailer – 7 Sterne

Liebe ohne Sex, Klamauk-Action, fremde Länder, billige Special Effects, unglaubliche Zufälle und nicht nachvollziehbare Gefühle – das ist wie Bollywood, einschließlich der Sahnekamera; nur die Tanzdarbietung hält nicht mit. Oder wie Keinohrhasen für Ältere: Ich habe mich gut amüsiert, konnte aber nichts ernst nehmen. Nachdem Im Juli erstmal in Fahrt kam, wollte ich auch das Ende sehen.

Zu aufdringlich:

Fatih Akin enttäuscht wie oft auf hohem Niveau: sein Film muss schreien SUBKULTUR-SUBKULTUR-SUBKULTUR, und ZIGARETTEN-ZIGARETTEN-ZIGARETTEN, und TÜRKEI-TÜRKEI-TÜRKEI. Schon gut; seine Intensität, seine Unmittelbarkeit, seine Multikultur wären ohne dieses Missionarische viel wirksamer.

Schön: Die Kamera zeigt Szenen aus fremden Ländern, darunter Bayern, Ungarn, Bulgarien und Türkei. Klischiert und zurechtfrisiert zwar, dennoch keine Postkartenware. (Die „österreichischen“ Abschnitte wurden in Bayern und Hamburg gedreht, Rumänien erscheint nur als Fotosequenz.)

Zu den DVD-Extras:

Die sehr kurzen DVD-Extras – Interviews, Making-of und entfallene Szenen – wirken wie eine lustlose Pflichtübung. Das gilt erst recht für die Abmischung des Audio-Kommentars von Regissur Akin über die volle Filmlänge: man hört keinerlei Filmton.

Akin sagt „Die Musik, die gerade läuft“ oder „Dieser Satz jetzt“ – aber man hört nichts von dem, auf das er sich bezieht. Ungünstig.

Trotzdem habe ich mir den Film nochmal ganz mit Kommentar des Regisseurs angesehen. Es ist eine Möglichkeit, den Film mit seinen schönen Bildern und ausdrucksvollen, attraktiven Darstellern noch einmal zu erleben, ohne ihn zu 100 Prozent zu wiederholen. Akin klingt sympathisch und seine „Äh“s gehen nach den ersten Minuten zurück; die erste Fluppe zündet er sich hörbar erst in Minute 23 an.

Dieses Motiv gab’s schonmal:

Die überflüssige Nebenhandlung mit dem Leichentransport von Deutschland in die Türkei erschien als Hauptmotiv schon 1981 in Güney Dals unterschätztem Roman Europastraße 5. Akin sagt im Kommentar, dass er das Motiv einem Roman entnommen habe, er erinnere sich aber nicht an den Titel.

Der „zehnterfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2000“ (Wikipedia) erhielt dickes Lob auch von Variety und New York Times.


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