Rezension TV-Bericht: Bahrein – Verbotene Bilder – 7 Sterne

Stéphanie Lamorré zeigt sehr harte Bilder der gewaltsamen Unterdrückung schiitischer, friedlicher Demonstranten in Bahrein. Dazu gehören auch 13 Tage alte Leichen aus nächster Nähe und Menschen, die sich unter Tränengas in Krämpfen winden. Zudem immer wieder Straßenkampf, Tränen, Beschuss, Verletzung, Angst. Die schiitischen Interviewpartner, meist junge Frauen mit Kopftuch, wirken aufrichtig und mutig trotz vielleicht aussichtsloser Position. Sie sprechen exzellent Englisch.

Lamorrés Aufnahmen entstanden 2012, liefen auf Filmfestivals und beim Sender Arte. Den gesamten Film gibt es auch in 720p-HD auf YouTube (alle Links unten). Arte hält zusätzliche Interview-Videos bereit. Von Lamorré stammt übrigens auch die bemerkenswerte Doku über Mädchenbanden in Los Angeles (2011); auch diesen Film, der auf Arte lief, prägen Frauen, und Lamorré zeigt sie sehr nah, unmittelbar.

In der Bahrein-Doku steht Lamorré erklärtermaßen vollständig hinter den jungen Schiiten, die sie begleitet, und will sie mit dem Bericht unterstützen. Die sunnitische Staatsgewalt erscheint als amorphes, grausames Monster und bekommt im Film keine Stimme.

Der Focus kommentierte die Doku so:

Viele der Bilder im gelben oder grünen Licht der Nacht schaffen Beklemmung. Was sie nicht schaffen können, ist Information, die über Emotion hinausgeht. Kaum etwas ist zu erfahren über die Hintergründe des Konflikts. Kein Zuschauer weiß hinterher, wie wahr das ist, was ihm gezeigt wurde. Einordnung bleibt aus. (…)

Vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, an den Satz des Nachrichten-Journalisten Hanns Joachim Friedrichs zu erinnern: Einen guten Journalisten erkenne man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.



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