Paris-Südsee-Gaugain-Roman: Silbermond und Kupfermünze, engl. The Moon and Sixpence, von W. Somerset Maugham (1919) – 5 Sterne

Romantisierendes Kunstgewerbe

Fiktive, vage Gaugin-Biographie mit den Stationen England, Frankreich und Südsee. Künstler, Lebenskünstler und Kunstgewerbler bevölkern den schmalen Roman. Autor W. Somerset Maugham gehört zur letztgenannten Berufsgruppe.

Einige Schwächen:

Denn der Roman dräut penetrant melodramatisch, die Hauptfigur zeigt kaum nachvollziehbare Wendungen, die Handlung kleinere Logiklücken und Brüche. Das Leben Paul Gaugins – sehr loses Vorbild für den Roman – wirkt deutlich schlüssiger als Maughams Erfindung. Immer wieder stockt der Lesefluss, wenn der Ich-Erzähler über dies und das räsonniert und sogar unterschiedliche Romanstrukturen meta-andiskutiert (dt. Titel Silbermond und Kupfermünze, engl. Sixpence and Halfmoon, erschienen 1919, verfilmt 1942 als The Moon and Sixpence, dt. Der Besessene von Tahiti) .

Ein paar Nebenfiguren bekommen zu viele Seiten, vielleicht um den Romanumfang steigern zu können. Den Gedanken, dass Frauen manchmal ein kleines bisschen Haue gern haben, breitet Maugham allzu genüsslich wiederholt aus. Über Schwarze und Südseebewohner redet er sehr herablassend.

Auf der Plus-Seite:

Die Atmosphäre in London, Paris, Marseilles und Tahiti wird einigermaßen lebendig, auch wenn Maugham mit reichlich dickem Strich aufträgt. Die Hauptfigur sagt ein paar so eindrucksvoll widerwärtige Sätze, dass man dieser schriftstellerischen Leistung fast applaudieren muss. Um so weniger nachvollziehbar jedoch, dass der unsympathische Mr. Strickland von allen Seiten bereitwillige Hilfe erhält, um die er teils noch nicht einmal bitten muss.

Dennoch: ich habe es zu Ende gelesen, ohne je an Aufgeben zu denken, weil mir die Milieus gefielen. Dabei kannte ich das Ende schon, denn der Rückumschlag meiner englischen Dover-Ausgabe erzählt bereits die komplette Handlung bis zum Schluss – das nennt man Service. Die englische Ausgabe enthält zahlreiche mir unbekannte Vokabeln.

Maughams Kurzgeschichten aus Malaysia und der Südsee gefallen mir deutlich besser.


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