Kritik Sachbuch: König Ludwig I., von Golo Mann (1986) – 6 Sterne

Golo Mann (1909 – 1994), zuvor Berater von Willy Brandt und Franz Josef Strauß, bespricht Ludwig I. in diesem schmalen Bändchen sehr mild. Sein Wesen sei „überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, gut“ (S. 41), aber „wir wollen keinen Engel aus ihm machen“ (S. 80). Ludwigs Schwulstgedichte seien „weder gut noch schlecht“.

Interessant ist der Vortrag von 1986 nur für Leser, die Ludwig und die europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts schon gut kennen – Mann plaudert entspannt auf Basis umfassender Kenntnisse und kredenzt feuilletonistisch entlegene Details, die in dicken Biografien nicht stehen. Und gelegentlich zitiert der frankophile Golo Mann Französisches unübersetzt.

Ludwigs Amouren findet Golo Mann „ohne jedes Interesse“ (S. 97), erwähnen muss er gleichwohl Marianina, Jane Digby (Ellenborough) und Lola Montez. Viel ausführlicher redet Golo Mann jedoch über Ludwigs eigentümliches Deutsch und sein Personaltableau für die Walhalla. Im lässigen Aspekte-Hopping des älteren Gelehrten Golo Mann findet sich kaum ein Wort über die reaktionäre und desaströse Politik der späteren Ludwigschen Königsjahre. Mann lobt die dicke Ludwigografie von Heinz Gollwitzer, auch wenn der den Bayernkönig viel härter beurteile.

Die Fischer-TB-Ausgabe von 1999 hat ein entspanntes, informatives Vorwort von Golo-Mann-Freund Hans-Martin Gauger (*1935), der Manns Vortragstext für die Buchform leicht bearbeitete. Ludwigograf Gollwitzer habe die Veröffentlichung des Mann-Vortrags befürwortet, so Gauger (wenn er auch zwischen den Zeilen so klingt, als ob das Buch vor allem einen Wert als Golo-Mann-Dokument, nicht als Einstufung Ludwigs habe).

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