Rezension Indien-Kurzgeschichten: Zwischen den Attentaten – Between the Assassinations, von Aravind Adiga (2008) – 8 Sterne

Ähnlich wie bei Adiga Aravinds fulminantem Erstling „Der weiße Tiger“: messerscharf beobachtet, man ist hautnah dran, atmet fast leiser, und es fällt schwer, das Buch wegzulegen. Die Charaktere schuften und intrigieren wieder, das Leben ist hart, der Erzähler  trocken bis zynisch (dt. Titel Zwischen den Attentaten, engl. Between the Assassinations).

Allerdings: Dies ist eine Reihe von Kurzgeschichten, deren Personen generell nur in je einer Geschichte auftreten. Alle Geschichten spielen in der fiktiven Hafenstadt Kittur in Karnataka, nördlich von Kerala. Bestimmte Straßennamen und Örtlichkeiten tauchen quer durchs Buch auf, aber die Akteure sieht man jeweils in nur einer einzigen Geschichte von stets rund 20 bis 25 Seiten.

Lose Verbindung:

„Verbunden“ sind die Geschichten nur durch den (unspektakulären) Schauplatz, aber nicht durch Handlung oder Personal. Adige streute noch ein paar Reiseführer-artige Absätze und eine kleine Ortschronik ein, aber das bringt nichts für die Handlung.

Man würde gern mehr über einige Hauptdarsteller lesen. Allerdings zeichnet Adiga schon auf den wenigen, doch enorm dicht geschriebenen Seiten pro Geschichte intensive, detailreiche Bilder. Weil es eine Reihung von Kurzgeschichten ist, kann der Autor natürlich viel mehr unterschiedliche Charaktere unterbringen als im „Weißen Tiger“ oder in „Letzter Mann im Turm“, darunter Bettler, reiche Söhnchen, Bauarbeiter, idealistische Kommunisten und kinderlose Mittelschicht-Ehepaare.


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