Politik-Doku: Joschka und Herr Fischer (2011; mit Trailer) – 6 Sterne

Als Filmkunstwerk einigermaßen flüssig, vielleicht schon zu glatt (Regie Pepe Danquart). Zu schick und zu lang erscheint die Museumskulisse mit den zahlreichen Bildschirmen. Es ist jedoch eine reine Joschka-Fischer-Show: Kritik gibt es gar nicht, außer von Joschka an Herrn Fischer (darin nicht unähnlich der Fischer-Biografie Der Unvollendete von 2002).

Die Auswahl der anderen Gesprächspartner verwirrt auch: ein paar Ex-Kiffer und Leute, deren Rolle mir unklar war; Katharina Thalbach. Aber keine wichtigen Weggefährten wie Dithfurt, Kelly, Schily, Trittin, Schröder, keine ausländischen Politiker; nur Cohn-Bendit. Privates oder Boulevard fehlt ganz.

Die Szenen aus den späten 60er und aus den 70er Jahren sind sehr aufwühlend zusammengeschnitten. Mein persönliches Highlight im Film waren Fischers frühe Plenumsreden in Bonn – intelligent, respektlos, frischer Wind gegen den Muff von 1000 Jahren. Dann sein mutiges Eintreten gegen den Irakkrieg, gegen die Amerikaner. Vergleichsweise klingt Joschka Fischer im Gespräch für diesen Film sehr langweilig staatstragend.

Aber letztlich will ich gar nicht mit Archivpixelmüll zugeschmissen werden, der Fakten illustriert, die seit 10 oder 50 Jahren bekannt sind; ich will die Zwillingstürme nicht noch einmal einstürzen sehen, ich will nicht die Leute auf der Mauer tanzen, die Straßenschlachten in Frankfurt damals und Taxifahrten durch Frankfurt heute sehen.

Und ich brauche auch die mild ironisch, weniger mild selbstbeweihräuchernde Selbstdarstellung von Joschka Fischer nicht, der ohne jede Zwischenfrage monologisieren darf – Fischer ist für deutsche Verhältnisse hochinteressant und ich hätte gerne eine gedruckte, nicht autorisierte Biographie, aber nicht das ebenfalls viel zu milde Werk von Geis/Ulrich.


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