Rezension Bollywood-Oldie: Bobby (1973, mit Rishi Kapoor) – 9 Videos – 7 Sterne

Hochwertig produziertes Teenager-Liebesdrama mit Rishi Kapoor und Dimple Kapadia von 1973. 168 Minuten. Schmissige Musik, aufwändige Sets und Kostüme, viel Gefühl ohne Kitsch-Alarm. „Bobby“ gehört zu den erfolgreichsten Hindi-Filmen der 70er und wurde mit Auszeichnungen überschüttet.

Solides Handwerk:

Reicher Sohn liebt armes Fischermädchen, die Eltern sind dagegen. Soweit in Bollywood nichts Neues. Doch „Bobby“ überzeugt durch jugendfrische Akteure und solides Handwerk: Ein sorgfältig geschriebenes Drehbuch mit markanten Dialogen, stets nachvollziehbarer Handlung und einem langen, dramatischen Finale, das den Glaube ans Gute prüft; zahlreiche schön inszenierte und gut gefilmte Gruppenszenen; glatt ins Geschehen integrierte Musik.

Die 70er-Jahre-Sets und Kostüme bersten vor Extravaganz und schrillen Farben, die Turmfrisuren der hochmögenden Gesellschaftsdamen schwanken bedrohlich. Der Film prägte die Mode (Modekommentar zu und Modefotos aus Bobby).

Nach dem Flop „Mera Naam Joker“ (1971) konzipierte Regie- und Schauspiellegende Raj Kapoor den Film „Bobby“ als dringend benötigten Kassenhit – und das Konzept ging auf. Dimple Kapadia, beim Dreh 16, ist wohl keine klassische Schönheit, aber sie spielt die selbstbewusste und gar nicht neckische Teenagerin sehr überzeugend – halb unschuldig, mehr als halb sinnlich, ganz eigener Kopf.

Edler Ritter Milchbart und seine Bikini-Nixe:

Rishi Kapoor (damals 18) oszilliert zwischen Milchbart und edlem Ritter, er hinterlässt weniger Eindruck als Kapadia. Trotz hochfliegender Gefühle spielen die Akteure meist frisch und kaum peinlich überzogen, nur Kapadias rustikaler Filmvater Prem Nath kaspert zu sehr.

Rishi Kapoor und Dimple Kapadia spielten jeweils ihre erste Hauptrolle in „Bobby“. Bei den Dreharbeiten war Dimple Kapadia 16. Die Testaufnahmen, die ihr die Rolle sicherten, entstanden jedoch schon 1971, als sie 14 war. Offenbar hatte sie zu dem Zeitpunkt keinerlei Schauspielerfahrung. Unterhaltsam sind auch zahlreiche Nebenrollen, vor allem Rishi Kapoors Film-Eltern Pran und Sonia Sahni.

Kleinere Nachteile:

  • der ständige Blick auf weibliche Beine und Dekolletees unterstellt dem Zuschauer etwas zu viel Hormongesteuertheit
  • irgendwann werden die 70er-Jahre-Stehparties langweilig
  • die Fischerdorf-Kulisse ist allzu billig
  • die Tänze erzeugen keine Begeisterung
  • der Ton scheppert

Die Schauspieler:

Über die Jahrzehnte traten Rishi Kapoor und Dimple Kapadia noch öfter gemeinsam vor die Kamera. Noch 36 Jahre nach „Bobby“ spielten die „Bobby“-Hauptdarsteller Rishi Kapoor (*1952) und Dimple Kapadia (*1957) packend größere Nebenrollen in „Luck by Chance“ (2009). Sie sind dort allerdings kein Paar mehr, als Frau von Rishi Kapoor agiert nun Juhi Chawla (*1967).

Ebenfalls in Bobby sieht man eine sehr junge Farida Jalal – als ungeliebte, in Puppen vernarrte Ehe-Kandidatin für Rishi Kapoor. In vielen bekannten Bollwoodfilmen seit den Neunzigern spielt Falal eine nette Mutter, so in „Dilwale Dulhania Le Jayenge“ als Mutter von Kajol. Möglicherweise ist Jalal sogar ein Vorbild für die Puppen sammelnde Kapadia-Filmtochter in „Luck by Chance“.

Parallelen und Assoziationen:

  • Einige Momente aus „Bobby“ werden in „Om Shanti Om“ wiedergeboren. „Bobby“-Mitkomponist Pyarelal half zudem in „Om Shanti Om“ beim Lied „Dhoom Tana“ mit (Deepika Padukone und Shah Rukh Khan tanzen diese 70er-Jahre-Nummer innerhalb des Films-im-Film „Dreamy Girl“)
  • An James Bond erinnert der Satz „My name is Prem, Prem Chopra“, den der tatsächliche Prem Chopra (damals der Schurkendarsteller vom Dienst) in „Bobby“ spricht.
  • Und weil sich Dimple Kapadia fast obsessiv nur in Miniröcken oder Bikinis vorzeigt, dachte ich an die ebenfalls aufdringlich luftig geschürzte Britt Ekland im letzten, dem Südthailand-Teil des Bond-Films „The Man with the Golden Gun“.

Zur DVD:

Meine „Bobby“-DVD stammt von der Firma Shemaroo. Das Bild ist sehr passabel, nicht auffällig verkratzt oder verrauscht, die Farben vielleicht ein bisschen stumpf und rotstichig, aber ich habe selbst aus den neunziger Jahren Schlechteres gesehen. Der Ton scheppert allerdings, das stört den Genuss.

Die englischen Untertitel enthalten wenige, aber charmante Sprachfehler, bleiben meist lang genug sichtbar und fehlen nur selten ganz. Die DVD enthält noch Kurztrailer für zahlreiche Filme von Raj Kapoor (als Schauspieler), Bimal Roy und weiteren Akteuren aus lang verflossenen Dekaden.







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