Westlich

Kritik: Der römische Schneeball, von Mario Adorf (Erzählungen 1999) – 5 Sterne

       Mario Adorf ist sicher ein Netter, und man sieht sein Lächeln oft zwischen den Zeilen, wenn er seine Schnurren und Räuberpistolen vorträgt. Das gilt vor allem für die römische Titelgeschichte. Gerne mischt Adorf Epochen via Rückblende und per Geschichte in der Geschichte. Schwächen fallen gleichwohl ins Auge: Einzelne Sätze und ganze Handlungsabläufe…

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Rezension: Glaubst du, daß es Liebe war, von Alex Capus (Roman 2003) – 4 Sterne – mit Presse-Links

Capus erzählt flott und kurzweilig, mit hübschen Pointen und gelegentlichen Cliffhängern am Kapitelende – ein wenig kaltschnäuzig, wie die Hauptfigur. Capus‘ Geschichte schnurrt jedoch ohne jede Tiefenschärfe und Plausibilität durch. Gefühle und Persönlichkeit werden kaum erkennbar, die „Liebe“ aus dem Titel schon gar nicht. Capus zeigt Comicfiguren, die hierhin und dorthin übers Plotparkett rattern. Die…

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Kritik Filmkomödie: Die Ferien des Monsieur Hulot (1953, von und mit Jacques Tati) – 7 Sterne – mit Video

Liebenswert, wie an einem gutbürgerlichen bretonischen Ferienstrand immer wieder kleine, skurrile Missgeschicke passieren, oft ausgelöst vom ungelenken Herrn Hulot/Tati, ausgedacht mit viel Fantasie, aber nie schrill. Eine Geschichte spielt sich hier zwar nicht ab, aber viele kleine, drollige Szenen zum Thema Sommerfrische am Meer. Es gibt kaum Dialoge, fast nur Geräusche – und zuviel immergleiche…

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Filmkritik: Wie angelt man sich einen Millionär (1953, Komödie, mit Marilyn Monroe, Lauren Bacall) – 6 Sterne – mit Video

Ein netter, harmloser Spaß, ein Manhattanstadl. Das Skript stellt auf müde Scherze ab, ohne Realismusbezug wie etwa bei Billy Wilder, der Marilyn Monroe später viel besser zur Geltung brachte. Hier spielt sie ein blondes, kurzsichtiges Dummchen. Lauren Bacall wirkt reichlich matt, die ältere Betty Grable weit frischer. Studiokulissen und das erstmals überhaupt genutzte Cinemascope lassen…

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Rezension: Alle sagen: I Love You (Musical von Woody Allen, 1996) – 7 Sterne – mit Video & Presse-Links

Die meisten Hauptfiguren sind angeblich linksliberal, doch sie leben begütert in einer plüschigen, hochkonservativ ausgestatteten New Yorker Welt, in der man partout nur helle, gedeckte Farben sieht. Die Szenen in Paris und Venedig wirken wie touristische Kulissen (Buch, Regie, Darsteller Woody Allen, weitere Darsteller Julia Roberts, Goldie Hawn, Drew Barrymore, Natalie Portman, Edward Norton, Tim…

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Filmkritik: Der Callgirl-Club (1986, mit Faye Dunaway) – 3 Sterne – mit Video

Hochgradig klischiertes, verlogenes und über-ausstaffiertes Schmachtstück über Edel-Callgirls und ihre Ringleaderin (die immerhin beeindruckende Faye Dunaway ist die Beverly Hills Madam, so der englische Titel des US-TV-Spielfilms). Die Chefin und ihre Mitarbeiterinnen bekommen allesamt plötzlich Gefühle und teils Kinder. Stretchlimousinen, Privatflugzeuge und rollige Senatoren. Nicht eine Sekunde wirkt realistisch, allerdings kann ich es nicht aus…

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Rezension: Verwandte Stimmen von Vikram Seth (Musiker-Roman 1999, engl. An Equal Music) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Seth erzählt von einem englischen Kammermusiker in London, der zufällig nach zehn Jahren ohne Kontakt seine einstige Liebe wiedertrifft, die er nie vergessen konnte. Dann spielen sie auch noch zusammen – doch es gibt ein trauriges Geheimnis. Fazit: Vikram Seth schreibt durchgehend spannend, dazu sehr sensibel, hochatmosphärisch, im letzten Viertel jedoch zu melodramatisch und weinerlich….

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Rezension: Zwei Leben, von Vikram Seth (Doppelbiografie, 2005, engl. Two Lives) – 7 Sterne

Fazit: Seth erzählt teilweise spannend, teilweise zu ausführlich von zwei noblen, gebildeten Menschen mit sehr ungewöhnlichen Biografien zwischen Nordindien, Berlin, London und exotischen Kriegsschauplätzen. Viele Briefauszüge, Fotos und Reproduktionen machen die Geschichte lebendig. Mehrfach lässt sich Vikram Seth jedoch von seinem Material mitreißen – so zitiert er die Briefe und Schicksale von Hennys Freunden zu…

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Rezension: The Golden Gate, von Vikram Seth (Versroman 1986) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Vikram Seth erzählt den Versroman in 590 Strophen à 14 Zeilen nach dem strengen Onegin-Schema (Wikipedia; eine versgetreue englische Onegin-Übersetzung inspirierte Seth auch zu The Golden Gate). Seth reimt phantasievoll, unbekümmert und manchmal gegen gängige Ausspracheregeln – so etwa „love“ oder „above“ auf „move“, „blood“ auf „food“ oder „Keynes“ auf „brains“. Einige Reime funktionieren nur…

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Filmkritik: The Aviator (Hughes Biopic 2004 mit DiCaprio, Blanchett, R Scorsese) – 7 Sterne – mit Links & Video

Das Leben des exzentrischen Flugunternehmers und Filmproduzenten Howard Hughes (gespielt von Leonardo DiCaprio); eine seiner Frauen ist Oscar-Gewinnerin Katharine Hepburn, hinreißend gespielt von Cate Blanchett, die dafür ebenfalls einen Oscar erhielt (weitere Oscars gab es für Kamera, Schnitt, Ausstattung und Kostüme, dazu Nominierungen u.a. für besten Film, besten männlichen Hauptdarsteller, beste Regie (Martin Scorsese) und…

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Filmkritiken zu: Hanna Arendt (2012, R von Trotta, D Sukowa) – 7 Sterne

Spiegel: … eine atemberaubende Barbara Sukowa… „Hannah Arendt“ ist auch ein sehr schöner Film über das Verfertigen der Gedanken beim Rauchen geworden. Die Denkerin auf dem Diwan ausgestreckt zu sehen, wie sie Rauchwolken produziert, ist nicht nur ein visueller, sondern auch ein intellektueller Genuss… Axel Milberg agiert sehr sympathisch als der offenbar sehr sympathische Ehemann…

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Rezension: Hotel Honolulu, von Paul Theroux (Roman 2001) – 6 Sterne – Presse-Links

Fazit: Theroux liefert Witz und starke Dialoge, er füttert die Geschichten mit Bildung, Ketten verblüffender Details, ausdrucksvollen Namen und überraschenden Begriffen, erzählt leicht lesbar. Doch eine übergreifende Handlung fehlt, einige Episoden fügen sich kaum ins Ganze; und aufdringliche viele, oft ranzige Bett- und Rotlichtgeschichten und ein paar Morde begrenzen das Vergnügen. Episoden-Reigen: Der Ich-Erzähler ist…

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Kritik: Meistererzählungen, von Anton Tschechow (Eine langweilige Geschichte, u.a.) – 6 Sterne

Anton Tschechow (Anton Čechov, 1860 – 1904) erzählt mit feinem psychologischem Gespür, zeichnet Charaktere zurückhaltend und wertfrei. Auch Verwirrte schilderte er nachvollziehbar. Seine Herren der russischen Mittelschicht sind oft weich, selbstmitleidig und schlaflos. Die Damen wirken etwas flatterhaft, nah am Wasser gebaut und wahren Respektabilität wenn überhaupt nur unter Mühe. Der gelernte Arzt und Erfolgsautor…

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Rezension Komödie: Bridget Jones’s Baby, mit Renée Zellweger, Colin Firth, Patrick Dempsey (2016) – 6 Sterne – mit Trailer

Etwas schrille, etwas flache, aber liebe und launige romantische Komödie um eine Jungvierzigerin, die schwanger wird – aber nicht genau weiß, von wem. Nun ringen zwei attraktive Männer um eine Schwangere, doch nur einer kann der Vater sein. Dieses heikle Szenario kostet das Drehbuch lustvoll aus – dabei wirkt der Verzicht auf den schon angesprochenen…

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Rezension: Für eine Nacht… und immer? TV-Spielfilm mit Juliane Köhler, 2015 – 6 Sterne – mit Presse-Links & Trailer

24jähriger cooler Macker verbringt die Nacht mit einer 45jährigen Managerin auf Dienstreise. Später zieht er bei ihr ein, sie reden von Heirat. Die unaufdringliche, auf Dauer zu gleichförmige Musik liefert Jazzklavierpoet Martin Tingvall. Das Ganze ist ungemein schön gefilmt und, Degeto sei Dank, mit ungemein schönen Wohnungen, BMWs und Porsches. Die Schauspieler sind beim Dreh…

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Presse-Links zum TV-Biopic Die Spiegel-Affäre (2014)

Augstein-Witwe Gisela Stelly Augstein in der Zeit: Tatsächlich ist an dieser Filmfigur Augstein so ziemlich alles falsch.. Keine Spur vom Witz und vom Humor Augstein-Tochter Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung: Der Film wird als „Politthriller“ ausgewiesen. Das stimmt, er ist spannend. Nur hat er leider mit der Spiegel-Affäre lediglich am Rande zu tun. FAZ:…

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Filmkritik: Heute nacht geht was, 100 pro (dt. Komödie 2001) – 7 Sterne

Zwei Jungtwens stromern durch die Münchner Nacht, voll mit Testosteron und anderen verheerenden Drogen. Sie treffen auf schöne Frauen und ein paar Fäuste. Morgens um neun auf einem Vorort-Bahnhof ist alles vorbei. Die Handlung hat ein paar flotte Wendungen, an anderen Stellen hakt und und rumpelt es. Egal: Ken Duken und Luca Verhoeven spielen mit…

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Filmkritik: Der ganz normale Wahnsinn – Working Mum (2011, Komödie, mit Sarah Jessica Parker, Pierce Brosnan) – 6 Sterne – mit Video

Ein hübscher Film mit ein paar pfiffigen dramaturgischen Ideen und gelegentlich guten Ein-Zeilern. Netter Fluff ohne angestrengten Realitätsbezug. Sarah Jessica Parker und Pierce Brosnan spielen ihre bewährten Figuren. Das Ende zeichnet sich von ganz weitem ab – nur dass es so schnulzig würde, war nicht zu ahnen. Regie Douglas McGrath, Skript Aline Brosh McKenna (auch…

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Rezension frz. Beziehungsdrama: Die Ökonomie der Liebe (2016, fr. L’économie du couple) – 8 Sterne – mit Trailer

Die Wohnung gehört Marie, doch Ex Thierry will einfach nicht ausziehen. Sie zanken sich um die zwei Töchter, um Entschädigung für Thierrys Renovierungsleistungen und um die Zukunft. Bérénice Bejo überzeugt als junge, beherrschte Frau, die alles kopfgesteuert regeln und nie die Beherrschung verlieren will und kaum damit zurecht kommt, wie ihr doch die Kontrolle entgleitet….

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Filmkritik Komödie: Ein Dorf sieht schwarz, (2016, fr. Bienvenue à Marly-Gomont, engl. The African Doctor) – 7 Sterne – mit 2 Videos

Distinguierte Kongolesen-Familie lässt sich in den 1970ern in einem französischen Dorf nieder und wird von den Alteingesessenen erst einmal kräftig gemobbt. Familienvater Zatoko wollte als Arzt praktizieren, doch seine Dorfpraxis bleibt meist leer. Der Film ist humorvoll, feel-good warmherzig – und schlicht: Hier die dummen verstockten weißen Dörfler; dort die lieben Afrikaner, die all die…

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Rezension: Die finanziellen Abenteuer des talentierten Poeten, von Jess Walter (Roman 2009, engl. The Financial Lives of the Poets) – 7 Sterne

Ein gefeuerter Journalist scheitert mit gereimten Börsenkommentaren und versucht sich als Drogendealer, um irgendwie Haus und Auto zu halten – und damit vielleicht auch seine Frau, die offenbar fremdgeht. Intelligente Ein-Zeiler, Witze und Sarkasmen prasseln nur so herunter. Auch die gereimten Finanzkommentare haben etwas (ich kenne nur das englische Original und kann die Eindeutschung nicht…

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Rezension: Schöne Ruinen, von Jess Walter (Roman 2012, engl. Beautiful Ruins) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Fazit: Der Roman ist spannend und teils amüsant. Die beständigen Wechsel von Hauptfiguren, Zeitebenen und Orten irritieren etwas – drei Jahrhunderte, drei Länder -, ebenso wie Walters Beharren auf Vulgarität in jedem Kapitel. Geschickt und unterhaltsam flicht Walter mehrere fiktive Bücher und Theaterstücke in den Plot ein, ebenso wie Reales (Wildwest-Trek, Hollywood-Dreharbeiten in Rom). Das…

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Kritik: Das Mädchen vom Lion d’Or, von Sebastian Faulks (Roman 1989, engl. The Girl at the Lion d’Or) – 4 Sterne – mit Kritikerübersicht

Fazit: Die Geschichte ist einigermaßen spannend, und ich konnte sie nicht recht weglegen, auch weil Dramatisches öfter im Raum steht, jedoch nie wirklich passiert. Doch stören die Schwächen jederzeit: Faulks schreibt wiederholt zu schmalzig, unglaubwürdig und produziert handwerkliche Fehler. Die ausgiebigen Rückblenden und Milieuwechsel im letzten Drittel kommen zu spät und wirken angeklebt. Gesäusel: Französische…

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Rezension: Mamsell Fifi – Erzählungen, von Guy de Maupassant – 7 Sterne

Guy de Maupassant (1850 – 1892) liefert deftige Satiren ab. Aufs Korn nimmt er spießig-brutale deutsche Soldaten, brave Bürger der Provinz und lebenslustig-strohdumme Frauen, die gelegentlich das Pekuniäre und das Amouröse überraschend verbinden, mit teils interessanten Gewissenskonflikten. Die Kurzgeschichten mit Ausnahme von Der Horla perlen munter herunter. Meine Übersetzung von Walter Widmer klingt vollmundig-prall und…

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Rezension: Die Buddenbrooks. Verfall einer Familie, von Thomas Mann (Roman 1901) – 8 Sterne – mit Video

Fazit: Sehr unterhaltsam, sinnlich, sprachlich brillant, fast immer spannend, gelegentlich zu satirisch. Hochtourig: Thomas Mann schreibt ein hochtouriges Deutsch voller Aperçus, Bling, Jokus und Augenzwinkern. Trotzdem, und das ist das Besondere, klingt er nie sehr selbstgefällig, der bei Veröffentlichung erst 25jährige delektiert sich nicht zu aufdringlich am eigenen Genius. Mann mischt Hochdeutsch, Platt, Französisch, Englisch,…

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Rezension: Tod in Venedig, von Thomas Mann (1912, u.a. Erzählungen) – 7/10 – mit Presse-Links

Wer Ina-Tina Lowfi auf Twitter folgt, laboriert vielleicht länger an der Lustgewinnoptimierung mit Thomas Manns Novelle Tod in Venedig. Sie kommt daher in gravitätischem, komplexem Deutsch, dessen Sätze schon mal einen ganzen Absatz beanspruchen – und viel kulturelles und sprachliches Wissen dazu. Jede Zeile ist so germanistisch gehaltvoll, dass selbst kleine Unkonzentriertheiten des Lesers Verlust…

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Rezension: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, von Thomas Mann (Roman 1954) – 7 Sterne

Der Ich-Erzähler plaudert und charmiert sich höchst gepflegt durch ein Leben voll liebenswerter Betrügereien und amouröser Extravaganzen. Dialoge und Portraits klingen erfreulich pointiert und delikat satirisch, natürlich einschließlich der Namen (Olympia Übel, Eleonor Twentyman, Senhora Maria Pia Kuckuck, Zouzu Kuckuck). Besonders liebevoll schildert Thomas Mann gutsituierte Lebemänner und leicht liederliche Damen sowie dezidiert gehässig spröde…

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Kritik: Tonio Kröger, Mario und der Zauberer, von Thomas Mann (Erzählungen 1903, 1930) – 5 Sterne – mit Video

Tonio Kröger ist hier erst ein zartbesaitetes Jüngelchen, dann ein weltferner Dichter, der – wie sein Nachfolger in Tod in Venedig – aus München ans Meer reist und lustvoll selbstmitleidig kontempliert, „zerfressen von Ironie und Geist“. Mann erfindet in dieser etwa 65seitigen Erzählung von 1903 immer neue, wenig spannende Situationen, in denen er Kunst versus…

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Rezension: Lotte in Weimar, von Thomas Mann (Roman 1939) – 4 Sterne

Fazit: Sprachlich enorm funkelnd, jedoch über lange Strecken praktisch ohne Handlung, eine Abfolge von Monologen, kaum als Roman zu bezeichnen. Weimar zwitschert: Sie plaudern und palavern, sie schalmeien und charmieren, sie jokulieren, ventilieren, philosphieren, quinquilieren, tirilieren, eruieren und disputieren – maniriert, affektiert und über alle Maßen elaboriert. Der Autor heißt schließlich Thomas Mann, und der…

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Rezension: Christiane und Goethe. Eine Recherche, von Sigrid Damm (Biografie 1998) – 7 Sterne –mit Presse-Links

Mehr Erfolg mit weniger Verben: Germanistin Damm beendet viele Sätze ohne Zeitwort – das klingt je nach Kontext und Geschmack emotional, gehetzt, impressionistisch, zu privat oder wie mündliche Rede. Manchmal sogar nur ein „Satz“, vom Verbe befreit, in einem Absatz. Peter Brauns Weimarer Geschichten: Von Goethe bis Schiller. Eine Spurensuche (2009) liefern streckenweise einen ähnlichen…

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Rezension: Goethes letzte Reise, von Sigrid Damm (Biografie 2007) – 7 Sterne

Mein Fazit: In ihrer romanhaft erzählten Biografie springt Sigrid Damm zu häufig zwischen den verschiedenen Phasen in Goethes langem  Leben – nicht nur beim Wechsel zwischen Rahmenhandlung und Rückblenden, sondern auch innerhalb der Rückblenden. Die Rahmenhandlung (Goethes Reise nach Ilmenau ein knappes Jahr vor seinem Tod) erscheint zu selten und gerät aus dem Blick. Damm…

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