Rezension Nigeria-Roman: Sag allen, es wird gut, von Sefi Atta (2005) – 8 Sterne

Mit viel Überzeugungskraft und Zeilen schildert Sefi Atta die alltäglichen drastischen Zumutungen in der nigerianischen Metropole Lagos: Dreck, Raub, Polizeiwillkür, Bürgerkrieg, völlig verwahrloste Gefängnisse, schmutzige Lebensmittel, Dauerstaus, korrupte verbrecherische Diktatoren, Vergewaltigung, stundenlanger Stromausfall, Benzinmangel, versiffte Umwelt – Elend ohne Ende.

Besonders Frauenschicksale werden vorgeführt: Frauen müssen kuschen, kochen und Kinder kriegen, vor allem Söhne gebären, sonst geht’s mit der Achtung bergab. Männer betrügen und quälen Frauen, lassen sich bedienen und reden Käse in der Kirche.

Stark geschrieben:

Sag allen, es wird gut ist Sefi Attas erster Roman (2005, englischer Titel Everything Good Will Come). Atta, die seit der Jugend meist in England oder USA lebte, schreibt sehr subjektiv und unmittelbar: Man hat oft das Gefühl, die Ich-Erzählerin schimpft dem Leser direkt ins Ohr. Das klingt nicht immer ganz verständlich und nachvollziehbar, aber dafür sehr direkt und echt – Wut, Frust, Übelkeit und Angst live, gelegentlich auch Freude.

Einige Passagen sind atemberaubend scharf und prägnant getextet (ich habe das englische Original gelesen). Gelegentlich verfällt Atta in allgemeineres Jammern über Politiker, Militärs oder Männer. Afrikanische Gerichte und Sitten werden oft ausdrücklich erklärt, der westliche Leser so zur Zielgruppe deklariert.

Anders als die Werbung suggeriert, ist Sag allen, es wird gut kein Buch übers Erwachsenwerden. Im Großteil des Buchs sind die Hauptfiguren über 20 Jahre alt, nur die ersten zwei Kapitel handeln von Jugendlichen.

Parallelen zu Attas zweitem Roman It’s my turn (2008, englischer Titel Swallow):

  • Auch It’s my turn (das ist wirklich der deutsche Titel, Besprechung hier) zeigt Lagos in den 80ern als herbe Zumutung (jedoch weniger extrem als Sag allen, es wird gut)
  • Arbeit als Sekretärin in der Bank (dieser Beruf spielt in It’s my turn eine größere Rolle)
  • zwei unangepasste Frauen in Hauptrollen, die Ich-Erzählerin eher gemäßigt, die zweite Darstellerin extremer
  • Frauen haben viel zu erleiden (sind in It’s my turn aber etwas stärker)
  • Männer stehen in allerschlechtestem Licht da
  • Thema Drogenkuriere (in It’s my turn stärker ausgearbeitet, hier nur ein Randaspekt)

Insgesamt wirkt Sag allen, es wird gut härter, subjektiver, unmittelbarer, vielleicht etwas weniger glatt lesbar als It’s my turn. Noch weniger als It’s my turn eignet sich Sag allen, es wird gut für sensible Gemüter. It’s my turn umfasst in der Haupthandlung einen wesentlich kürzeren Zeitraum, liefert aber in Rückblenden auch Dorfleben aus vergangenen Jahrzehnten.

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