Tag Archive for Oberbayern

Wandern + Radeln in Oberbayern abseits der Hauptwege – Erfahrungen 2022

Der bayerische Wald: …hat meist eine tieftraurige Gestalt: Auf dem Weg von 700 oder 800 NN hoch in Richtung Gipfel durchwandert man trostlosen Fichten-Stangerl-Wirtschaftsforst, ein Verhau aus gefällt herumliegenden Bäumen, dürren Fichten, Wackermännern, dazwischen derb breite Rücke-Spuren von Gefälltem und schwerem Gerät. Hier und da einsame Buche, Bergahorn oder Eiche und ganz viel mickriger, opportunistischer…

9-Euro-Ticket: Mein 9-Euro-Sommermärchen 2022

Ich genoss die ganz große Freiheit: Allerlei Bahnen und Busse planen und kombinieren, nicht über Verkehrsverbünde und Gültigkeiten nachdenken (wie oft hatte ich mir schon Tickets online gekauft, die dann nicht vor 9 Uhr galten, obwohl ich explizit eine Reise um 8 Uhr gesucht hatte) Einfach weiter fahren als geplant oder früher aussteigen als geplant…

Kritik Justiz-Kurzgeschichten: Die Sau, von Ludwig Thoma (2015) – 7 Sterne

In Ludwig Thomas Justiz-Kurzgeschichten hauen sich Bayernmänner im Bierhaus Bierkrüge und mehr auf den Kopf: Mit diesen eichenen, buchenen und eisernen Wehren haben die grimmigen Huglfinger Helden gestritten gegen die Mannen von Kraglfing und Hiebe ausgeteilt, daß der weite Saal des Unterbräu erdröhnte… Bayernfrauen eskalieren verbal, keifen an Wäscheleine und Fensterbank. Solche Konflikte und ihr…

Kritik Biografie: Ludwig Thoma und die Frauen, von Martha Schad (1995) – 5 Sterne

Meine Meinung: Martha Schad schreibt unübersichtlich, mit irritierenden Zeitsprüngen, eingeschränktem Fokus, sprachlich altbacken. Doch sie hat viele spannende Quellen, aus denen sie manchmal zu ausführlich zitiert, interessante Abbildungen, und sie hat vor allem eine spannende Geschichte an der Hand – gleich zweimal flext Ludwig Thoma die vermeintliche Frau seines Lebens aus einer bestehenden Ehe heraus,…

Romankritik. Das kann uns keiner nehmen, von Matthias Politycki (2020) – 7 Sterne

Zwei Männer-Männer stiefeln angeschlagen, doch breitbeinig durch Ostafrika und diesen Roman. Die Eier schleifen übern Boden, die Verdauung ruckelt. Herb müffelndes Mansplaining. Der Ich-Erzähler deutet früh allerlei Tragödien an, deren Enthüllung der brave Leser gewiss zum Roman-Ende erwarten darf. Schon der Klappentext raunt schwülstig*: Doch der Tod fährt in Afrika immer mit, und nur einer…

Romankritik: Rumplhanni, von Lena Christ (1916) – 8 Sterne – mit Video

Fazit: Die ersten drei Viertel spielen auf dem Land und bereiten viel Freude: Deftiges Bairisch, scharfzüngige Dialoge und schöne Beobachtungen, wenn „die Bauern ((…)), die Jungen und die Dienstigen“ interagieren, ganz zu schweigen von den Männern und den Frauen. Ich habe oft laut gelacht, wann gibt’s das schon. Das München-Viertel am Ende klingt ganz anders:…

Buchkritik: Erinnerungen einer Überflüssigen, von Lena Christ (1912) – 7 Sterne

Dieses Buch bietet genug Anlässe, es aus dem Fenster zu werfen: eine kitschig-idyllische oberbayerische Kindheit mit Karikaturdörflern; das Personal ein krasses Schwarzweiß aus bösartigen Monstern (u.a. die Mutter der Ich-Erzählerin) und Herzensguten (viele Fremde, aber zufällig auch die Ich-Erzählerin und ihr Opa); viele Seiten in einem absurd bigotten Kloster. Doch die Memoiren bezaubern mit liebreizendem…

Buchkritik: Madam Bäuerin, von Lena Christ (1919) – 7 Sterne – mit Video

Fazit: Jungbauer Franz und „Stadtmamsell“ Rosalie wollen heiraten. Doch beide Mütter protestieren gegen eine Stadt-Land-Ehe; zudem ist Rosalie einem spröden Assessor versprochen. Aus diesem schlichten Konflikt zimmert Lena Christ (1881 – 1920) eine alpenländische Romkom, einen heiteren Intrigantenstadl mit vielen vergnüglichen Sprüchen in derbem Bairisch. Die Autorin trägt den Humor etwas breit und schenkelklopfend auf…

Buchkritik: Mathias Bichler, von Lena Christ (1914) – 5 Sterne

Zwar ist man hier in vertrautem Lena-Christ-Land: auf dem oberbayerischen Dorf, mit all seinen Käuzen; und – bei Lena Christ – natürlich mit unehelichen und Pflegekindern. Doch die Geschichte spielt großteils schon um 1800, rund 100 Jahre früher als andere Christ-Bücher. Amazon-Werbelinks: Bayern-Bücher | Gerhard Polt | Oskar Maria Graf | Ludwig Thoma | Lena…

Buchkritik: Bauern: Bayerische Geschichten, von Lena Christ (1919) – 7 Sterne

Lena Christ erzählt viele kurze, unverbundenene, humoristische Anekdoten vom Dorf um 1918. Sie schwafelt nicht lang rum, sondern schreibt zackig knapp über ihre typischen Themen vom Bauernstand: Pokern und Schachern um die geldigste Hochzeiterin; Kälber, Ferkel, Hunde und Gockel; Streit mit dem Gespons, dem Nachbarn, der anderen Generation; uneheliche Kinder; Missachtung und Ausbeutung der Alten;…

Buchkritik: Unsere Bayern anno 14/15, von Lena Christ (1914/15) – 7 Sterne

Fazit: Lena Christ liefert kurze, lebensnahe Vignetten voller Dialog aus den ersten Monaten des ersten Weltkriegs in München und auf dem Dorf – mal kabarettistisch, mal herzerwärmend, gelegentlich beklemmend; schlicht, und doch pfiffig, jedenfalls in den Auszügen der Gesammelten Werke (s.u.). Im Gegensatz zu ihren teils entflammten Figuren klingt die Erzählerin weder hurrapatriotisch noch pazifistisch;…

Buchkritik: Lausdirndlgeschichten, von Lena Christ (1913) – 5 Sterne

Lena Christ (1881 – 1920) erzählt 16 Sehrkurzgeschichten aus Kinderperspektive. Dabei gibt’s manchmal eine ganze Kinderschar, die untereinander oder mit den Großen Schabernack treiben. Öfter agiert die Ich-Erzählerin allein unter Erwachsenen oder sie erzählt nur Geschehnisse zwischen Erwachsenen nach. Oft geht es um verlockende Obstbäume, strenge Pfarrer und Lehrer, Eltern, Nachbarn jeden Alters – auf…

Buchkritik: Lausbubengeschichten, von Ludwig Thoma (1905) – 5 Sterne – mit Links

Ludwig Thoma (1867 – 1921) schreibt kurze nüchterne Geschichten. Es gibt keine deftigen Schenkelklopfer und kaum deftiges Bairisch, auch kein deutlich bayerisches Ambiente. Ich-Erzähler Ludwig ist immer wieder verwickelt in: Steine durch Fensterscheiben; hinterhältige Beleidigung; Prügelei; Pulverfrosch an Katzenschwanz; Pulver in Modellboot; kaputte Goldfische; Senf an Türschnalle; Farbe auf Lehrerpult; Pech auf Lehrerstuhl; Blindschleichen im…

Buchkritik: Tante Frieda, von Ludwig Thoma (1907) – 6 Sterne – mit Links

Zwei der sechs Geschichten erinnern deutlich an Ludwig Thomas Lausbubengeschichten von 1905 (diesmal Schießpulver in Vogelkäfig; Eier, Spucke und Kartoffeln auf Leute; Luftgewehr auf Spiegel). Die vier anderen Geschichten erzählen vom Aufenthalt der jungen Halb-Inderin Cora in der Kleinfamilie des Ich-Erzählers Ludwig: Die Dorfmänner bringen der schönen Cora Ständchen im Mondschein und schleichen verliebt ums…

Buchkritik: Altaich, von Ludwig Thoma (1918) – 7 Sterne

Die Geschichte kommt langsam in Fahrt, die Dörfler unter sich praktizieren zu viel (so Thoma) „ländliche Wohlhäbigkeit“. Doch sobald die ersten auswärtigen Sommerfrischler im hinterwäldlerischen Altaich aufschlagen, beginnt der interkulturelle Spaß. Da treffen großspurige Kleinbürger und ölige Galane auf verschnarchte Postwirte und gschaftlhuberige Dorfkrämer. Boy meets girl. Die Bayern werden wegen ihres Akzents nicht verstanden,…

Buchkritik: Lecker derbleckt. Eine kleine bairische Wortkunde, von Gerald Huber (2008) – 7 Sterne

Auf knappem Raum erklärt Gerald Huber (*1962) enorm viele Sprachzusammenhänge – vor allem die Verbindungen des Bairischen zum Lateinischen, Griechischen, Gotischen, Italienischen, Französischen, Hebräischen, Jiddischen, Arabischen, Altnordischen. Das ist sehr erhellend, und kommt so massiert, dass ich vieles gleich wieder vergaß, zumal Huber gern auch lang vergessene Ausdrücke aus uralten Sprachfibeln zitiert, dies in Fußnoten…

Kritik TV-Komödie: Lychees weiß blau (1998) – 7 Sterne

16jährige Thailänderin wird als Sexsklavin nach DE entführt, rettet sich aber in ein hinterwäldlerisches Oberbayerndorf. Dort weckt sie Beschützer-, Begatter- und Abwehrinstinkte – und irgendwann mischen sich Tempel- und Blasmusik. Das ist eine naive Heimatkomödie, noch weniger realistisch als möglich, aber nicht extrem grell oder extrem kitschig. Einige Dörfler haben das Herz liebenswert am rechten…

Kritik Bayernkomödie: Was weg is, is weg (2012) – 7 Sterne – mit Video

Die Komödie vom oberbayerischen Land erinnert deutlich an Rosenmüller-Filme, aber auch an die Streifen der Serie Beste Zeit. Christian Lerch, Drehbuchautor bei Markus Rosenmüller, hat bei Was weg is, is weg Regie geführt und das Skript geschrieben. Und er hat es überfrachtet: Es gibt immer neue Nebenhandlungen – ein Onkel im Koma, ein Bruder mit…

Romankritik: Seehamer Tagebuch, von Isabella Nadolny (1960) – 4 Sterne

Das Tagebuch geht über ein Jahr – circa 1960 – und Nadolny trägt viele Belanglosigkeiten ein, speziell bei ihrem Segeltörn auf dem Mittelmeer und nach der Zeitungslektüre. Isabella Nadolny  (1917 – 2004) ist sprachlich gut und gediegen, wie schon im autobiografischen Vorgänger Ein Baum wächst übers Dach. Doch diesmal nörgelt Nadolny sauertöpfisch über Zeitgenossen, deren…

Romankritik: Ein Baum wächst übers Dach, von Isabella Nadolny (1959) – 7 Sterne

Isabella Nadolny schreibt mit milder Ironie und leicht impressionistisch: Die Jahre (etwa 1930 bis 1950) huschen so dahin, nie geht es richtig in die Tiefe, es gibt kaum Dialoge, nur Bonmots des stets gutgelaunten Bruders Leo. Auch keine tiefergehenden Portraits außerhalb ihrer Familie. Nadolny und ihre Familie leben schon lange in Deutschland; sie haben jedoch…

Rezension: Die Lieben meiner Mutter, von Peter Schneider (2013) – 7 Sterne – mit Video

Das Buch spielt im zweiten Weltkrieg und bis 1950: Peter Schneiders Mutter hatte vier Kinder, einen Mann und – nicht verheimlicht – nacheinander mehrere Geliebte, verheiratete Bekannte ihres Mannes. Sie verschwieg nichts, und an ihrem (seinerseits verheirateten) Hauptgeliebten arbeitete sich auch ihre beste Freundin ab, die auch nichts hinterm Berg hielt. Meist war Schneiders Mutter…

Rezension historischer Bauernschwank: Die Chronik von Flechting, von Oskar Maria Graf (1925) – 7 Sterne

In einem Dorf am Starnberger See, so um 1850, gehen die Geschäfte gut, seit sich der König dort niedergelassen hat. Auch die Fargs, Außenseiter eigentlich, prosperieren mit Handwerk, harter Arbeit und Spekulation. Doch nichts bleibt, wie es ist. Einer belauert den anderen und will den eigenen Vorteil einfahren. Oskar Maria Graf schildert Schlaumeier, Ausg’schamte, Schaffer…

Wanderführer-Rezension: Die schönsten Blüten-Wanderungen in Oberbayern, von Michael Rainer (hier Auflage 2011) – 7 Sterne

Ich habe Michael Reimers Blüten-Wanderungen 2011 in der 2011er-Auflage mit den damals aktuellen „Blütenwanderungen in Oberbayern“ von Martin Wiesmeier im AT-Verlag verglichen. Einige Beobachtungen von 2011 im Vergleich: Wiesmeier hat den ausführlicheren, „wissenschaftlicheren“ Text mit genauen Erklärungen zu Geschichte, Geologie einer Gegend, die man vielleicht gar nicht lesen will; zur eigentlichen Tourbeschreibung muss man sich…