Tag Archive for 3 Sterne

Kritik Sachbuch. Dagmar von Gersdorff: Marianne von Willemer und Goethe, Geschichte einer Liebe (2003) – 3 Sterne

Dagmar von Gersdorff scheint die Goethe-Marianne-Geschichte als bekannt vorauszusetzen: Sie erzählt mit vielen kleinen, irritierenden chronologischen Sprüngen. Fragen bleiben immer wieder offen, und der Leser kann nur hoffen, dass die Autorin verblüffend gekappte Erzählstränge später wieder aufgreift. Ich kenne einige Biografien und weiß, dass deutsche B-Promis oft schlecht biografiert werden (meist schlechter als angelsächsische B-…

Romankritik: Heinrich Grewents Arbeit und Liebe, von Christoph Peters (1996/2007) – 3 Sterne

Der Leser verbringt den Roman im Kopf des verkniffenen, unsympathischen Angestellten Heinrich Grewent. Der grämt sich über seine untergeordnete Position in der Firma und bei der Ehefrau. Grewent muss plötzlich geschäftlich auf Bahnreise, ohne die Gemahlin selbst benachrichtigen zu können. Hier übermannen ihn seine Dämonen. Schwaden von Geselchtem: Alles ist sehr aufdringlich und müffig: Die…

Romankritik: Eheleben, von Sergio Pitol (1991) – 3 Sterne

Ehemann und Ehefrau betrügen sich unentwegt. Ehefrau bringt ihre Liebhaber zu Anschlägen auf ihren Ehemann, doch die Anschläge scheitern, die Ehefrau wird verletzt, die Affäre beendet. Der Mexikaner Sergio Pitol (1933-2018) erzählt die mexikanische Geschichte aus der Sicht der Ehefrau. Und er erzählt lieblos, ohne Psychologie, ohne Dialoge und ohne jedes mexikanische Flair – es…

Kritik Kurzgeschichten: Tod durch Ertrinken, von T.C. Boyle (engl. Descent of Man, 1979) – 3 Sterne

Boyle erzählt grotesk, ironisch, mild unterhaltsam, aber nie vom Hocker reißend, in seiner ersten Kurzgeschichtensammlung. Die Kurzgeschichten sind gelegentlich gelungen parodistisch, viel öfter jedoch öd unrealistisch oder unverständlich und wirr – sie amüsieren nie wie Boyle-Romane wie Wassermusik (1981), The Road to Wellville (1993) oder Grün ist die Hoffnung (1984). An prima Dialoge erinnere ich…

Filmkritik: Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner (2017) – 3 Sterne – mit Trailer

Wer sich fremdschämen möchte, schaut diese verkorkste Komödie. Selten wurden Frauen so dämlich dargestellt: hilflos Männer anschmachtend, esoterikgläubig, autofahrend Fahrräder überrollend, mit der Hand im Briefkasten verkeilt, in Supermarktregale stürzend – und ein Doktor muss zu Hilfe kommen (aber kein Script Doctor). Bridget Jones und das SatC-Kränzchen wirken wie grimmig-damenbärtige Mannsweiber gegen die hysterischen Hühner…

Kritik TV-Komödie: Keine Ehe ohne Pause (2014, von Ralf Westhoff) – 3 Sterne – mit 2 Videos

Hier rollen sich die Zehennägel: Das gestandene Mannsbild Heino Ferch wechselt in seiner Schriftstollerrolle samt weiblichem Pseudonym teils in Frauenkleider mit Perücke und Lippenstift; und man weiß nicht recht, ist das platte Komik oder Seelenstriptease? Gewiss nur: Es ist fürchterlich peinlich. Die Geschichte ist nie lustig, dafür durchweg unrealistisch und immer aufdringlich klischiert. Alle machen…

Romankritik: Alle die du liebst, von Georg M. Oswald (2017) – 3 Sterne

Oswalds Ich-Erzähler redet in schmucklosem bis fadem Deutsch. Die Dialoge klingen teils ausgesprochen hölzern und leblos. Vor diesem Buch hatte ich Herrndorfs Tschick gelesen, das ist um Klassen besser geschrieben. Oswalds Hauptfiguren verhalten sich angesichts des Umfelds teils ziemlich unklug und reden sehr unglaubwürdig. Von Anfang an hängen Bedrohungen aus allen Richtungen über dem Ich-Erzähler…

Rezension Musikfilm: Whitney Houston – Close Up/Can I Be Me? (2017, von Rudi Dolezal, Nick Broomfield) – 3 Sterne – mit Video

Ein Gutes hat die Doku ja doch: Die US-Stimmen werden nicht durch deutsche Stimmen übertönt, stattdessen gibt es deutsche Untertitel (die nicht immer ganz sauber übersetzen). Allerdings sieht man die Untertitel meist zu kurz, man kann sie gar nicht so schnell verarbeiten; schließlich erscheint die Doku bei Red Bull Media House auf Servus TV, und…

Rezension Kurzgeschichten: Wenn es klopft, von Christopher Kloeble (2009) – 3 Sterne – mit Presse-Links

Hier schreibt ein Deutscher über Deutsche: Humor, Leichtigkeit, Charme gibt es nicht. Alles ist betroffen, verletzt, klobig, freudlos, mechanisch, mild (w)irr, ein Buch aus der Leipziger Schreibfabrik. Eine Welt, die man gern wieder verlässt (Spurenelemente von Humor könnte man in zwei der elf Geschichten entdecken). Christopher Kloeble (*1982) schreibt einerseits über ihm vertraute Milieus –…

Tamil-Telugu-Film: Panchatantram (2002, mit Kamal Hassan)

In dieser flachen Komödie ist Kamal Hassan ein kanadischer Linienpilot mit hohem Frauenverbrauch. Dann aber heiratet er und wird monogam, bis ein Unglück geschieht. Im Weiteren mutiert Panchatantram (auch Panchathantiram) zeitweise zum Männerkumpelfilm. Kamal Hassan geriert sich betont pubertär-halbstark und posiert grundsätzlich im offenen Porsche und vor Hochhäusern. Schade um einen guten Schauspieler, aber genau…

Rezension Zitate-Sammlung: The Irrepressible Churchill, Hg. Kay Halle (1985) – 3 Sterne

Auf über 300 Seiten bringt Kay Halle launige Churchill-Zitate, chronologisch, doch immer wieder in neuem Zusammenhang – Buchauszüge, Reden-Auszüge, Korrespondenz, aufgeschnappte Wortwechsel, gelegentlich eine Karikatur. Einige Zitate wurden deutlich gekürzt, erkennbar an drei Pünktchen – das Zitat auf Seite 40 oben hat in 18 Zeilen 16mal drei Pünktchen. Lesbar ist anders. Über jedem Zitat erscheint…

Rezension Jugenderinnerungen: Hundskrüppel. Lehrjahre eines Übeltäters, von Gerhard Polt (2004) – 3 Sterne

Polt (*1942) wuchs in Altötting auf, kam um 1950 nach München. Die Streiche hier stammen offenbar von beiden Orten, auf 100 äußerst locker bedruckten Seiten (gefühlt 35 normale Buchseiten; auch als Lesung erhältlich). Gerhard Polt kolportiert ca. 47 flache Dumme-Jungs-Streiche: dem Baby einen Regenwurm gefüttert, dem Nachbarn Schneebälle ans Fenster, eine Wespe in die Torte,…

Rezension Carol Drinkwater: Der Olivenhain (2001, engl. The Olive Farm, Teil 1 der Olive-Reihe) – 3 Sterne – mit Video

Die englische Schauspielerin und Autorin Carol Drinkwater renoviert ein völlig verfallenes Haus in Südfrankreich zusammen mit ihrem neuen deutsch-französischen Lebensgefährten. Nebenbei will sie sich mit den 13jährigen Zwillingstöchtern ihres Partners anfreunden; Französisch spricht sie nur schlecht, den vorläufigen Kaufvertrag versteht sie gar nicht. Fazit: Drinkwater schreibt schlecht, gehetzt, zu wortreich. Nicht alle Kapitel handeln von…

Rezension Carol Drinkwater: The Olive Season (2003, Teil 2 der Olive-Reihe) – 3 Sterne

Carol Drinkwater und Partner haben ihr Haus oberhalb von Cannes halbwegs renoviert. Nun befassen sie sich mit Bienenzucht, Gartenausbau, mühen sich um ein AOC-Siegel für ihr Olivenöl, lassen einen Wünschelrutengänger nach Wasser suchen; und: Drinkwater wird schwanger. Südsee und Hollywood: Drinkwater schildert aber ausführlich auch Erlebnisse außerhalb der Provence: so ihre umständliche, mehrfach verzögerte Hochzeit…

Über Reisejournalismus: Smile When You’re Lying: Confessions of a Rogue Travel Writer, von Chuck Thompson (2007) – 3 Sterne

Chuck Thompson, altgedienter Reisejournalist, findet den gängigen Reisejournalismus verlogen, unauthentisch, schönfärberisch. Reiseartikel seien nur der „Tiramisu des Journalismus“, Reiseschreiber untalentierte Schnorrer. So weit, so gut. Schon auf den ersten Seiten bringt Thompson zum Beweis zwei Reiseerlebnisse, die seine bornierten Reiseseiten-Redakteure nie drucken wollten. Und da enttäuscht der zornige Metajournalist: Thompson reportiert Ranziges aus Thailands Rotlichtbereich.…

Romantische Komödie: Selbst ist die Braut (2009, mit Sandra Bullock) – mit Trailer – 3 Sterne

Wie hat Sandra Bullock den Screentest für diese lauwarme Komödie geschafft? Sie hat keinerlei Ausstrahlung, weder als Chefin noch als Liebestäubchen. Sehr viel bessere Figur macht Widerpart Ryan Reynolds auch nicht. Und das Buch? Nun ja, nach bewährter Hollywoodmanier konstruiert es eine reizvolle Situation: eine nie gewollte Hochzeit muss vorgetäuscht werden, das Ganze gerät außer…

Bollywood-Kleinstadt-Komödie: Luv Shuv Tey Chicken Khurana (2012, mit Kunal Kapoor) – mit Trailer & Szenen – 3 Sterne

Die Geschichte ist nicht over-the-top. Nein, sie spielt in einem staubigen Dorf und präsentiert Alltagsinder (mit Ausnahme der infantil überkandidelten Gangster). Dennoch wirkt das Buch in vielen Punkten unrealistisch und willkürlich, und das trübt den Genuss. Die Liebespaare zeigen keinerlei Anziehung. Die Hauptfigur ist bekennendes Charakterschwein, wird aber trotzdem von der Familie und der Angebeteten…

Historische Malay(si)a-Erzählungen: At the Court of Pelesu and Other Malayan Stories, von Sir Hugh Clifford – 3 Sterne

Eher Zeitdokument als lesbare LiteraturDie Sprache klingt mal omaplüschsesselhaft kommod, öfter aber hölzern oder weitschweifig. Die Erzählungen drehen sich teils um Kolonialpolitik auf Provinzebene oder um junge englische Abenteurer auf der malaysischen Halbinsel – seltener um Malayen selbst. Mitunter liefert Sir Hugh Clifford (1866 – 1941) längere handlungsfreie Beschreibungen. Im Vorwort erzählt William R. Roff…

Sahara-Kolonial-Roman: Die Wüstenrose, von Henry de Montherlant (1968) – 3 Sterne

Weitschweifiger Roman über trantütigen französischen Sahara-Leutnant Marokko, französische Kolonie, in den 30ern: Oberleutnant Auligny wird auf einen entlegenen Posten in der Sahara versetzt. Bald mietet er sich die 14jährige Marokkanerin Ram zum Kuscheln. Die Beziehung ist erst geschäftsmäßig, bekommt dann aber Dynamik. Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika | Südafrika | Kenia | Marokko Sehr weitschweifig: Mit dieser…

Bollywood-Filmbuch: Bombay, von Lalitha Gopalan (2005; über Mani Ratnams Film von 1995) – 3 Sterne

Lalitha Gopalan schreibt sehr akademisch, mit vielen gespreizten Adjektiven und spitzfindigen Erkenntnissen über Mani Ratnams Aufruhr-Film Bombay von 1995. Unentwegt sagt sie „my reading of [Filmtitel]“, „mise en scene“ oder „diegetic“. Aus der selben BFI-Buchreihe kenne ich auch Bücher der Journalistin Anupama Chopra über Sholay (der Film, das Buch) und über Dilwale Dulhania Le Jayenge…

Deutscher Roman: Vorn, von Andreas Bernard (2010) – 3 Sterne

Blutleeres Buch in blutleerem Deutsch, zeitweise weinerlich-selbstmitleidig, um hippe junge Medienmenschen in München. Es gibt fast keine Dialoge, die wenigen wörtlichen Sätze klingen genauso leblos wie der allgemeine Erzählton. Nichts erscheint „locker und beschwingt“ – kein Roman, eher ein Text. Selbst die Liebesdramen wirken wie aus zwei Kilometer Entfernung betrachtet – wichtiger sind die Namen…

Griechenland-Loser-Film: Kleine Wunder in Athen (2009) – mit Trailer – 3 Sterne

Trostloser als das Leben: Loser an einer Straßenecke in AthenWie so oft fasst Variety meine Eindrücke in perfekt sitzende Worte: „A weak comedy with few laughs and little insight… a strictly smallscreen format… anemic script… visuals are uniformly flat.“ Die Figuren sehen so trostlos und armselig aus wie die Kreuzung, an der sie wohnen und…

Dakar-Roman: Ein so langer Brief: Ein afrikanisches Frauenschicksal, von Mariama Bâ (1981) – 3 Sterne

Eine Frau wird von ihrem Mann nicht verlassen, stattdessen nimmt er sich einfach eine Weitere, Jüngere, und gibt ihr den Großteil seiner Aufmerksamkeit. Wenn er stirbt, ist die Lage der ersten Frau, mit mehreren Kindern, eventuell prekär. Soweit der Inhalt. Das Bändchen ist dünn, doch der Buchtitel sagt es: Der „lange Brief“ wirkt tatsächlich gedehnt,…

Roman: The Mimic Men, von V.S. Naipaul (1967) – 3 Sterne

Des Alten LeierIch hab’s aufgegeben. Ich liebe alle möglichen Bücher V.S. Naipauls: die frühen, komischen ebenso wie die späteren, ernsten; Romane als auch Länderberichte. Aber nicht The Mimic Men. Schuld ist der leiernde Ton des Ich-Erzählers: Es beginnt mal wieder mit einem Westinder in London – eine Standardsituation für Naipaul-Leser. Aber diesmal gibt es nicht…

Bollywood-Oldie: Mera Naam Joker (1972, von & mit Raj Kapoor) – 3 Sterne

Amazon-Werbelinks: Bollywood | Shah Rukh Khan | Priyanka Chopra Dass Mera Naam Joker (1970, „Mein Name ist Clown“, nicht zu verwechseln mit „Johny Mera Naam“) in Indien kollossal floppte, verwundert nicht: Die Hauptfigur (ab Teil 2 Hindifilm-Legende Raj Kapoor, der auch Regie, Schnitt und Buch verantwortet) ist ein melancholischer Versager und Muttersohn, der zudem für…

Bollywood-Oldie: Roti Kapada Aur Makan (1974, mit Amitabh Bachchan) – 3 Songs – 3 Sterne

Extrem pathetischer, patriotischer, humorfreier Schinken voller Pathos und mit einer einmalig melo-dramatischen letzten halben Stunde. Manoj Kumar (Autor, Regisseur, Produzent, Hauptdarsteller, Schnitt) prangert die gesammelten Missstände im Lande Hindustan verbissen an. Schwarzweißmalerei pur. Die Schicksale sind maximal bitter, und doch kommt es immer noch schlimmer. Der Bösewicht und der ihn verfolgende, brave Polizist aus einer…

Bollywood-Romanze: Kyun! Ho Gaya Na … und unsere Träume werden wahr (2004, mit Aishwarya Rai, Vivek Oberoi, Amitabh Bachchan; mit Trailer & 4 Songs) – 3 Sterne

Der Film beginnt mit wilder Rallye-Action. Seht, spricht der Regisseur, hier kommt Vivek Oberoi als kerniger Jüngling, der „Liebe und Verlieren“ aus seinem Wortschatz gestrichen hat. Und, wie macht sich Vivek Oberoi als Supermann? Milchbart Oberoi überzeugt keine Sekunde, da mag ihn die Regie auch noch so heroisch inszenieren, mit Hubschraubern und Sonnenbrillen dekorieren. Gänzlich…

Japan-Deutschland-Spielfilm: Erleuchtung garantiert (1999, mit Uwe Ochsenknecht; Regie Doris Dörrie; mit Trailer) – 3 Sterne

Doch, der Film hat ein paar nette Momente. Immer dann, wenn die zwei ungleichen Brüder mal schweigen und einfach nur da sind, zum Beispiel zeltend in der Tokioter Innenstadt. Doch überwiegend schwafelt man hohles Zeug, impromptu aus dem Stegreif, stotternd, nach Begriffen und Inhalten suchend, eingestreut wolkig Weises aus dem Zen-Büchlein. Die Schauspieler haben nach…

Kino-Buch: My Movie Business: Mein Leben, meine Romane, meine Filme (1999), von John Irving – 3 Sterne

Un-UnterhaltsamNun ja. Das ist also von John Irving? So un-organisiert, so un-unterhaltsam? Ich hätte nicht gedacht, dass der Dozent für „Creative Writing“ so etwas wenig Strukturiertes wie „My Movie Business“ abliefert. Und nicht mal für einen deutschen Titel hat es gereicht (ich hatte wohlgemerkt die deutsche Ausgabe). Darum geht es im Buch: Die meisten Kapitel…