Rezension Sierra Leone-Bericht: Green Oranges on Lion Mountain, von Emily Joy, fast identisch mit What for Chop Today: Her Mission was to Save Lives, von Gail Haddock bzw. (2001) – 8 Sterne

Himmelschreiend komisch, tragisch, tragikomisch

Dieser Sierra Leone-Bericht erschien fast identisch zweimal mit zwei verschiedenen Titeln und Autorennamen:

  • Zuerst: What for Chop Today: Her Mission Was to Save Lives, von Gail Haddock (das ist ihr richtiger Name)
  • Und dann: Green Oranges on Lion Mountain, von Emily Joy (später erschienen unter Pseudonym, Sierra Leone wird in Lion Mountain übersetzt, mit Nachträgen, die in der früheren Ausgabe fehlen)

Lustiger Einstieg:

Autorin Gail Haddock war Anfang der Neunziger in Sierra Leone, als britische Jungärztin und bekennende Agnostikerin in einem ärmlichen Missionskrankenhaus unter Leitung einer katholischen Nonne. Die erste Buchhälfte ihres fiktionalisierten Berichts liest sich wie eine Sitcom namens „Unsere kleine Dschungelklinik“.

Zuverlässig auf jeder zweiten Seite kommt eine Anekdote oder ein gepfefferter Dialog. Ich habe wirklich oft gelacht. Die Verhältnisse in der Dorfklinik sind himmelschreiend armselig, die Ärztin und Ich-Erzählerin hat keinerlei chirurgische Erfahrung (sie kam als gelernte Hausärztin) und stellt sich selber als wohlbeleibte Unbegabte dar.

Schon im ersten Buchteil wird es oft dramatisch im OP; die riskanten Operationen ohne die nötigsten Geräte, Medikamente und Kenntnisse gelingen dennoch praktisch immer. Der erste Patient stirbt auf Seite 186, der zweite auf Seite 270. Ob das alles so glimpflich ausging? Haddock sagt selbst, dass sie in freien Stunden mit dem Krankenhausverwalter über einen Handlungsaufbau für dieses Buch diskutierte.

Dann wird es bitter ernst:

Angst vor mordenden Rebellenbanden prägt die zweite Buchhälfte. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen. Doch die Autorin behält ihren Humor und ihr Engagement, wenn sich auch teilweise reichlich Verzweiflung hineinmischt. Es gibt Abwägungen ohne jede angenehme Lösung.

Wie die etwa 27jährige Ich-Erzählerin das ganze Buch lang nach Schokolade und Klaus, dem Mechaniker, schmachtet, klingt reichlich kindlich. Englische Amazon-Kunden kommentierten „Bridget Jones does Africa“. Die Ich-Erzählerin spottet oft über sich selbst, steht aber am Ende wie zufällig in glänzendem Licht da.

What for Chop Today bzw. Green Oranges on Lion Mountain enthält praktisch keine Landeskunde, nichts Geschichtliches oder Ethnographisches. Amüsant ist das Krio, das die Einwohner sprechen – ein kaputtes Englisch mit Einsprengseln aus mehreren anderen Sprachen („plenti tenki“).

Haddock veröffentlichte ihren Bericht erst mit zehn Jahren Verzögerung; darum kann sie im Nachwort berichten, was aus den anderen Figuren im Buch wurde. Noch später erschien das Buch neu unter dem Titel Green Oranges on Lion Mountain mit dem Pseudonym Emily Joy; hier schildert Haddock auch spätere Reisen nach Sierra Leone, weitere Schicksale Ihrer Bekannten und hängt einen geschichtlichen Abriss an (Haddocks Twitter-Konto, Webseite zum Buch).

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