Belletristik

Lustiges Buch: Stadt Land Mord: Kriminelle Briefe nachgelassener Frauen nebst zweier Anhänge, von Fanny Müller (1998) – 4 Sterne

Je nun. Nette Comedy. Zwei Frauen korrespondieren in diesem Buch, beide klingen jedoch praktisch gleich (obwohl sie vermutlich von unterschiedlichen Autorinnen geschrieben wurden; Susanne Fischer ist Ko-Autorin). Auch sonst wurde jede Plausibilität geopfert, um noch ein bisschen mehr Klamauk unterzubringen. Die Handlung ist vertrackt und zum Schluss gar nicht nachvollziehbar, die Charaktere wirken sehr unrealistisch,…

Deutscher Roman: Ein Mann wie Holm, von Matthias Keidtel (2006) – 5 Sterne

Viele kleine lustige Ideen, ich habe öfter geschmunzelt, aber nicht gelacht. Auf die Dauer wirkt die Masche – ein Eigenbrötler steigert sich immer weiter in abstruse Gedankengänge hinein und lässt sich davon zu abwegigem Handeln bringen – aber ermüdend. Man hat den Eindruck, dass der Autor einfach seinen eigenen Alltag noch einmal durch die „Holm-Brille“…

Westafrika-Roman: The African, von William Conton (1960) – 3 Sterne

Autor Conton war Akademiker, Institutsleiter, Lehrer und Gelehrter, und so wusste er: jeder muss ihm zuhören, auch wenn er langweilt. Also müht sich der Verfasser nicht um Leserfreundlichkeit, auch nicht in diesem „Roman“. Ödes Geschwafel: Vor allem der erste Buchteil wirkt weitschweifig, überladen mit Verallgemeinerungen, Besserwissereien und wohlfeilen Phrasen. Dieser Abschnitt klingt wie eine flüchtig…

Ghana-Karibik-US-Roman: The Seasons of Beento Blackbird, von Akosua Busia (1996) – 4 Sterne

Solomon Wilberforce ist ein unglaublich toller Mann: Zwei Frauen heiraten ihn gleichzeitig, eine dritte schmachtet ihn auch noch an, sogar noch eine vierte – die Autorin Akusoa Busia. Wilberforce hat einen tollen Körper, er setzt sich für Unterpriviligierte und Schwarzafrikaner ein, bringt seiner Aktuellen Haferflocken ans Bett und schwimmt im Geld, ohne dass er groß…

Rezension Kurzgeschichten: Verbrechen, von Ferdinand von Schirach (2009) – 7 Sterne

Von Schirach erzählt knapp, nüchtern, mild lakonisch, das Gegenteil von geschwätzig. Das liest sich leicht konsumierbar und klingt wohltuend anders als deutsche Prosa sonst. Eine Geschichte dauert nicht länger als 20 Minuten, dann folgt der nächste Mord. Nebenbei liefert von Schirach interessante Blicke hinter die Kulissen von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, die man sonst nur von…

Japan-Roman: Die Journalistin, von Saiichi Maruya (1993) – 3 Sterne

Der Ton: salopp und launig. Das wirkt zeitweise unterhaltsam („angetüterte Quasselstrippe“), aber nicht immer angemessen („der reinste Schwachsinn…, eine Frau mit Husserl vollzulabern“) und man fragt sich, ob der Autor im Original ähnlich umgangssprachlich schwadroniert. Öfter lappt es vom Saloppen ins Nachlässige: einmal schreibt die Journalistin etwas am Laptop, doch dann redet der deutsche Text…

Roman: Der irdische Amor, von Hans-Ulrich Treichel (2002) – 3 Sterne

In die HoseLange habe ich keinen Roman in deutscher Sprache, von einem deutschen Autor gelesen. Denn mein Klischee war immer: Die Deutschen schreiben nur über Schreibblockaden in Berlin, über Selbstbefriedigung und pubertäre Erektion, zwingen verkrampft ihre eigene ephemere Biographie ins Buch – ohne den Willen zu unterhalten und eine stringente Geschichte zu erzählen, ohne mal…

Roman: Was zusammengehört, von Markus Feldenkirchen (2010) – 4 Sterne

Was mir gefiel: ab der zweiten Hälfte zunehmend spannend (auch wenn die bloßliegende Geheinmnisenthüllungsverschleppungstaktik des Autors enorm ermüdet) nettes Ablästern über Ryanair der kurze Schülerbesuch beim irischen Bürgermeister brachte mich ein paarmal zum Lachen (anders als der Rest des Buchs) Was mir weniger gefiel: Dialoge selten und peparm völlig unpsychologische Darstellung vor allem der Frauen:…

Kurzgeschichten: Mehr Liebe: Heikle Geschichten, von Frank Schulz (2010) – 5 Sterne

Das ist nichts Großes; man kann es lesen, aber Schulz‘ Hagener Trilogie habe ich als deutlich besser in Erinnerung. Die Geschichten wirken etwas einförmig: Generell spielen sie in Hamburg oder drumrum, zum Beispiel im anzüglich benannten Poppenbüttel (gibt’s das?), in Neu Hörnbach oder sonst in: Alt Hörnbach. Geurlaubt wird auf dem griechischen Festland oder sonst…

Roman: Ich sehe was, was du nicht siehst, von Birgit Vanderbeke (1999) – 5 Sterne

Vanderbeke beobachtet fein und schildert Menschentypen mit wenigen Dialogsätzen sehr markant. Scheinbar Nebensächliches taucht Seiten später wieder auf und gewinnt so an Bedeutung. Das französische Ambiente ist angenehm, wenn auch teils ungenau und verklärend dargestellt. Vanderbekes Schreibstil: Aber Birgit Vanderbeke schreibt seitenlange gleichförmige Absätze. Die Dialoge gehen wie Brei in den Absätzen auf, jeder Absatz…

Roman: Das war ich nicht, von Kristof Magnusson – 4 Sterne

Das lässt sich flott runterlesen, der Roman hat Zug und zeitweise Spannung. Allerdings agieren die eigentlich gebildeten und vernunftbegabten Hauptfiguren an entscheidenden Stellen sehr unrealistisch, eine Hauptfigur erklärt sich sogar zwischenzeitlich selbst für verrückt. Zu Recht. Kristof Magnusson bei Amazon (Affiliate Link) Wie realistisch ist das? Kristof Magnusson schiebt seine Figuren wie auf dem Schachbrett…

Buch: Der arbeitslose König. Maghrebinische Märchen, 1983, von Gregor von Rezzori – 3 Sterne

Das erste Märchen erstreckt sich in sieben Kapiteln über knapp 80 Seiten und handelt von einem König, der aus lauter Gefräßigkeit das teure Silberbesteck zusammen mit dem Essen verschluckt; aus Kostengründen isst er alsdann mit den Händen, verschluckt dabei aber seine Faust und nagt später seine Finger mit ab; beim Spähen in den Kopftopf verliert…