Rezension Bollywood-Drama: Devdas (2002, mit Shah Rukh Khan, Aishwarya Rai) – mit Trailer & 2 Songs – 7 Sterne

Shah Rukh Khan liebt Aishwarya Rai, doch die Familie ist dagegen. Also tröstet er sich mit Madhuri Dixit und Alkohol. Heraus kommt: sehr schmalziges, schmachtendes Spiel, fantastische Bilder, tolle Songs und traumhafte Tänze.

„Devdas“ war zu seiner Zeit der teuerste, vielleicht auch der anstrengendste Film:

42 Generatoren, hunderte Techniker, von denen zwei bei den Dreharbeiten tödlich verunglückten, der Hauptfinancier wegen Mafiavorwürfen im Gefängnis. Alle Figuren leben in Märchenpalästen – die reiche Familie, die superreiche Familie, aber auch die mittlere Familie und die Kurtisane. Einzelne Filmgebäude kosteten umgerechnet 2,6 bzw. 0,6 Millionen US-Dollar.

Bollywood halt – und das vom Feinsten. Die Kulisse ist eine Augenweide, es gibt viel schöne indische Musik mit immer süffigem, geradezu süchtig machendem Klang (auch die Hintergrundmusik gefällt mir) und spektakulären Tänzen.

Die Sätze klingen sogar in der deutschen Fassung oft blumig und poetisch (damit natürlich weniger lebensnah). Natürlich sehen auch die Schauspieler klasse aus, unter ihnen immerhin Ex-Miss-World Aishwarya Rai.

Völlig unlogische und nicht nachvollziehbare Handlung:

Sätze und Figuren wie aus Holz geschnitzt. Speziell die sonst so wundervolle Madhuri Dixit muss hier völlig abgehoben spielen und Shah Rukh Khan drückt sehr unangenehm auf die Tränendrüse.

Ungemein üppig. Dieser vielfach preisgekrönte Film schreit nach Breitwandkino und einer erstklassigen, weit aufgedrehten Soundanlage.

Filme, an die ich vergleichend auch dachte:

Wer einen orientalischen Augen- und Ohrenschmaus in helleren Farben und weniger erschlagend sucht, legt Paheli – Die Schöne und der Geist ein. Der Hauptdarsteller ist natürlich derselbe. Auch Parineeta – Das Mädchen aus Nachbars Garten (wie „Devdas“ nach einer Romanvorlage von Saratchandra Chattopadhyay (Chatterjee), mit ähnlichen Tendenzen) bietet viel üppig nostalgisches, dabei weniger dunkles und erschlagendes Ambiente.

Weitere Devdas-Versionen:

Die Devdas-Verfilmung von 1955 (Regie Dilip Kumar, Hauptdarsteller Dilip Kumar) bekam mehrere Preise. Sie ist weit weniger bombastisch inszeniert, sondern zeigt scheinbar realistisches Dorf- und Stadtleben (alle Literaturverfilmungen auf HansBlog.de). Die Hauptdarsteller agieren allerdings extrem selbstmitleidig, Aufheiterung bringen nur die schönen Tänze von Vyjayanthimala und die schlichten, aber pfiffigen Lieder von S.D. Burman.

Anurags Kashyaps Zeitgeist-Fassung „Dev.D“ von 2009 mit Abhay Deol hat viel Rock-Punk-Flair, ist aber nicht für Sensible. Wie „Devdas“ im Edel-Freudenhaus spielen die Umrao Jaan-Verfilmungen von 2006 mit Aishwarya Rai und von 1981 mit Rekha.


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