Black Music

Rezension Musikfilm: Whitney Houston – Close Up/Can I Be Me? (2017, von Rudi Dolezal, Nick Broomfield) – 3 Sterne – mit Video

Ein Gutes hat die Doku ja doch: Die US-Stimmen werden nicht durch deutsche Stimmen übertönt, stattdessen gibt es deutsche Untertitel (die nicht immer ganz sauber übersetzen). Allerdings sieht man die Untertitel meist zu kurz, man kann sie gar nicht so schnell verarbeiten; schließlich erscheint die Doku bei Red Bull Media House auf Servus TV, und…

Rezension Musik-Doku: Sing It Loud – Luthers Erben in Tansania (2017) – 7 Sterne – mit Video & Presse-Links

Die fast 90minütige Doku über tansanische Laien-Kirchenchöre hat lange, ruhige Einstellungen. Immer wieder hört man minutenlang nur den Gesang bei fast unbewegter Kamera – und sieht dazu die Chöre nicht nur in Kirchen und Sälen; sie singen auch auf dem Feld und in semiprofessionell selbstgedrehten Musikvideos. Schön: Über den Stimmen der Interviewpartner liegt keine deutsche…

Kritik Musikdoku: Marley (2012) – 6 Sterne – mit Video & Links

Die Atmosphäre ist so dicht wie der Qualm aus einem fetten Joint, die Information allerdings nicht. Allein Bob Marley (1945 – 1981) und seine Entourage kommen hier zu Wort – vor allem Musiker, Manager und seine vielen Geliebten – aber keine kritischen Beobachter, keine Stimme aus dem Off, nur ein paar knappe Texttafeln. Die englischen…

Romankritik: Das Haus Savage, von Jay McInerney (1997, engl. The Last of the Savages) – 8 Sterne

Will Savage ist Sohn reicher Grundbesitzer im US-Süden, liebt jedoch Bluesmusik, die Kultur der Afroamerikaner und wird Musikmanager. Ich-Erzähler Patrick Keane beschreibt Wills und sein eigenes Leben über 30 Jahre. Drei Viertel des Buchs behandeln die Jahre, in denen die Hauptfiguren etwa 18 bis 25 Jahre alt sind. Wir lernen viel über das Studieren in…

3 Musik-Videos aus Nigeria: Selbstironie & Humor mit Nkem Owoh (Osuofia)

Popmusik aus Nigeria hat viel Energie und ist gut produziert, aber Naija-Popvideos öden visuell oft an, zum Beispiel die Clips von P-Square (Webseite, dt. Wikipedia): Supermacker mit Sonnenbrille bei Nacht behängen sich mit heißen Weibern & dito Autos, hampeln rum wie Rapper mit ADHS. Eine Nigerianerin sagte mir einmal: Ich mag dieses P-Square-Video mit dem…

Buchkritik: The Last Sultan. The Life and Times of Ahmet Ertegun, von Robert Greenfield 2012 – Biografie über den schillernden Chef von Atlantic Records – mit 4 Videos – 7 Sterne – mit Presse-Links

Der etablierte Popjournalist Robert Greenfield schildert das aufregende Leben des US-Plattenmanagers Ahmet Ertegün (1923 – 2006) – von der Kindheit als Sohn des türkischen Botschafters in den Hauptstädten der westlichen Welt bis zu Ertegüns Zeit als Chef von Atlantic Records: Er arbeitet mit Ray Charles, Neil Young, den Rolling Stones, Led Zeppelin, aber auch mit…

Rezension Musik-Doku: 20 Feet from Stardom (2013, über Hintergrundsängerinnen) – mit 2 Videos – 7 Sterne

Die Doku stellt Background-Sängerinnen der Unterhaltungsmusik ins Rampenlicht. Vorgestellt werden weitgehend schwarze Künstlerinnen. In Interviews und in Musikausschnitten zeigen sie jede Menge Energie und Vitalität. Vor allem schwarze Sängerinnen: Weiße oder Männer als Hintergrundsänger tauchen kaum auf – es bleibt unklar, ob es keine gibt. Stings weiße Sängerin Jo Lawry erscheint vor allem, um Stings…

Rezension US-Musical-Film: Chicago (2002, mit Renée Zellweger, Catherine Zeta-Jones, Richard Gere, Regie Rob Marshall; mit Trailer & 4 Songs) – 9 Sterne

Bombastisch inszenierte, mitreißende Song&Dance-Revue von 2002 mit Catherine Zeta-Jones, Renée Zellweger, Richard Gere und Queen Latifah. Spielt 1926 in Gefängnismauern, Gerichts- und Cabaretsälen. Viele dunkle Szenen mit dramatischem Show-Licht, mehr Songs als Dialoge. Zeta-Jones und Zellweger spielen die verruchten Diseusen mit Verve und Klasse. Zellweger oszilliert bizarr zwischen naiver Unschuld und dem Hunger nach Ruhm.…

Rezension Musiker-Biopic: Ray (2004, über Ray Charles; mit Trailer) – 8 Sterne

Sehr bewegend, sehr subjektiv, sehr suggestiv gefilmt und darum berührender und kitschiger als zum Beispiel Dream Girls oder der Tina-Turner-Film. Manche Entwicklungen und Eingebungen kommen sehr abrupt oder schlicht, vielleicht unvermeidlich in der Kürze der Zeit. Kein Lied läuft ohne Unterbrechungen. Noch mehr könnte gegen den Film sprechen: die Länge allein der Kinoversion (152 Minuten),…

Rezension Musicalfilm: Dreamgirls (2006, mit Beyoncé Knowles, Eddie Murphy) – Trailer & 5 Songs – 8 Sterne

Viele tolle, lebhafte Songs. Vielleicht sogar zu viele, und einige davon zu lang, andere vorzeitig abgebrochen. Geben die Songs nur Dialoge – oder öfter Monologe – wider, scheinen die nicht singenden Akteure einzufrieren. Bei den frühen Titeln auf großen Livebühnen singen die „Dreamettes“ mit Band, aber ohne Mikrophon, das wirkt sehr unrealistisch. Dennoch mischt Dreamgirls…

Rezension Musik-Spielfilm: Tina Turner – What’s Love Got to Do with It? (1993) – 3 Videos – 8 Sterne

Der Film von 1993 hat keinen rechten Fluss, die Szenen gehen nicht schlüssig ineinander über. Es sind isolierte Stationen eines Lebens: Die kleine Tina Turner singt zu laut im Kirchenchor; die größere Tina Turner steigt spontan zu einer Band auf die Bühne; Tina Turner wird in der Raststätte von ihrem Partner verprügelt; Tina Turner nimmt…

Rezension Biografie: Die Jazz-Baroness: Das Leben der Nica Rothschild, von Hannah Rothschild – 7 Sterne

Hannah Rothschild schreibt professionell flüssig, man kann das Buch kaum weglegen (ich hatte die englische TB-Ausgabe von Virago). Das Buch schildert ein einzigartiges Leben – Kindheit in der superreichen Rothschild-Familie, Kriegseinsätze in Afrika und Europa, fünffache Mutter, dann Begleiterin der besten Jazzmusiker der Welt. Hier beginnt die Autorin: Historisch beginnt die Autorin mit Mayer Amschel…

Rezension US-Tanz-Spielfilm: How She Move (2007) – 2 Videos – 7 Sterne

Nervöse, latent aggressive Atmosphäre in eher armen Verhältnissen, aber kein Ghetto. Die Szenen in der Kleinfamilie werden überraschend sülzig. Viele schöne Kameraeinstellungen, oft im Dunkeln. Vor allem aber: Hochinteressante, ungewöhnliche Tänze voll Akrobatik, Pantomime, Alltagsgesten. Staubtrockene Hiphop-Musik mit erfreulich wenig Gesang. Vielleicht überraschend: Der Film ist nicht zu hektisch geschnitten und zeigt nicht zu viele…

Rezension Jazz-Spielfilm: Um Mitternacht (Round Midnight, Regie Bertrand Tavernier, 1986; mit Trailer) – 7 Sterne

Das ist sehr edel gefilmt, selten zuvor sah ich Musiker so schön in Szene gesetzt – und das ohne Hektik. Aber auch außerhalb des Jazzclubs Blue Note glänzt die Kamera, schwenkt immer wieder langsam und beobachtend horizontal oder diagonal durch den Club und durch komplette Wohnungen – mit langen Einstellungen, wenig Schnitten, ein herrlich träger…

Rezension Musik-Doku: Standing in the Shadows of Motown (2002) – mit Trailer – 7 Sterne

Interessante, oft sympathische Typen, die hier markig und anekdotenselig aus einem unglaublichen Musikerleben in den Motown-Studios erzählen. Wenn sie kurz einen Takt auf den Tisch klopfen oder einen Rhythmus zischeln, dann blitzt sofort das alte Feuer durch. Interessant, dass von Anfang an auch ein paar Weiße dabei waren, wenn auch nicht in prägenden Rollen. Der…

Rezension Kuba-Musikfilm: Buena Vista Social Club (1999, Regie Wim Wenders) – mit 3 Videos – 7 Sterne

Kubanische Musiker spielen kubanische Musik 1998: auf großen Bühnen in Amsterdam und New York und in kleinen Studios in Kuba. Die meisten Musiker sind 60 bis 80 Jahre alt. Dazwischen zeigt der Musikfilm (erschienen 1999) ein paar Straßenszenen: Havana wirkt wie ein lebendes Museum mit seinen Oldtimern und verfallenden Kolonialbauten. Außerdem führt der Film in…

Jazz-Doku: Thelonious Monk – Straight no Chaser (mit Video) – 6 Sterne

Der Film (engl. Straight, No Chaser, dt. Thelonious Monk, Eine Jazzlegende; 1988) zeigt ausgedehnte Live-Aufnahmen Monks in Schwarzweiß 1968, oft nicht vor Publikum, sondern bei Plattenaufnahmen. Alle Monk-Klassiker von ‚Round Midnight bis Epistrophy sind zu hören. Während die Kameraführung oft dilletantisch wirkt, ist die Bildqualität passabel, der Ton exzellent – und es ist Monks frisches,…

Rezension Sachbuch Musikbranche: Hit Men. Power Brokers and Fast Money Inside the Music Business (dt. Hit Men. Makler der Macht und das schnelle Geld im Musikgeschäft), von Fredric Dannen (1990) – 6 Sterne – mit Kritikerübersicht

Der bekannte Journalist Fredric Dannen schildert bizarre und illegale Praktiken im Popgeschäft der USA von etwa 1955 bis 1990. Dabei lernen wir u.a. Payola kennen – Geld fließt, damit ein Song im Radio läuft. Vor allem geht es um viele schrille und unterhaltsame Geschäftsleute mit berstenden Egos und stahlharten Ellenbogen – Rabauken, Bonvivants und Ganoven,…

Dakar-Youssou-N’Dour-Roman: The Music in My Head, von Mark Hudson (1998) – 6 Sterne

Fazit: Mark Hudson ließ sich von seiner Musik- und Afrikabesessenheit fortreißen, als Roman hält Music in my Head kaum zusammen. Als In-Schilderung aus der Musikszene Dakars ist der Roman, oder sagen wir: das Buch, aber vielleicht einmalig. Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika | Südafrika | Kenia | Marokko Atmo: Über Seiten schildert Mark Hudson die Atmosphäre in…

Jazzbuch: Three Wishes: An Intimate Look at Jazz Greats, von Nica de Koenigswarter – 6 Sterne

Kein Wunder, dass Pannonica de Konigswarter, geb. Rothschild, zunächst keinen Verleger für ihr Three-Wishes-Projekt fand: Viele Bilder sind unscharf, falsch belichtet, verkratzt oder verschmutzt, es gibt keinen markanten Stil. Und die Antworten der wohl 300 mehr oder weniger bekannten Jazzer: mehr oder weniger interessant. Das Musikbuch bringt lauter kleine Wortschnipsel aller Jazz-Größen und vieler unbekannter…

Jazz-Biopic: Bird (1988, über Charlie Parker, Regie Clint Eastwood; mit Trailer) – 6 Sterne

Das erwachsene, kurze Leben des Jazzgenies Charlie Parker (genannt Bird) in New York und Kalifornien. Für mich springt nie so recht der Funke über, es wirkt manchmal wie nachgestellte Szenen in irgendeiner Doku. Große Teile des Films (1988, 2:40 Stunden lang) spielen in dunklen Räumen, Gesichter liegen allzu dramatisch im Halbschatten. Die Handlung läuft zäh;…

Jazz-Doku: The Jazz Baroness (2009, BBC, Regie Hannah Rothschild; mit Trailer) – 6 Sterne

Das Leben der „Jazz Baroness“ Pannonica de Koenigswarter, geb. Rothschild, im Bebop-New York der 50er, 60er und 70er Jahre ist das Hauptthema dieser BBC-Dokumention. Regisseurin Hannah Rothschild, Großnichte Pannonicas, schildert aber auch ausführlich den Lebensweg des Tastengenies Thelonious Monk; von allen Jazzmusikern, die de Koenigswarter unterstützte, war er ihr persönlich und musikalisch am nächsten, er…

Rock-Spielfilm: Blues Brothers (1980) – Trailer & 2 Szenen – 5 Sterne

Stolz dämliche Action-Komödie mit viel gutem BluesrockDie Handlung des scheppernden Kultklassikers ist ein Nichts, sie liefert nur die Anlässe zu Konzerten und Verfolgungsjagden. So entstand eine hübsch pubertäre Macker-Actionklamotte mit zerdepperten Autos, Tonnen von Glasscherben und explodierenden Gebäuden. Ganz wichtig, immer schön betont respektlos agieren (manche würden es wohl „anarchisch“ nennen), also stolz nonkomfirmistisch unanständige…

Rezension Jazz-Biografie: Nica’s Dream, von David Kastin – 7 Sterne

Aufgewachsen als superreiche Rothschild-Tochter in England, dann Pilotin, verheiratet in Frankreich, Kriegsheldin in Afrika, Diplomatengattin in Mexiko, Mutter von fünf Kindern, Eheflüchtling und schließlich jahrzehntelang Gönnerin der New Yorker Jazzszene, eine begüterte weiße Edelfrau unter schwarzen, oft armen und drogensüchtigen Jazzentrikern – Pannonica „Nica“ de Koenigswarter, née Rothschild, hatte ein spannendes, ungewöhnliches Leben. David Kastin…