Bollywood-Spielfilm: Meenaxi – Tale of 3 Cities (2004, mit Tabu) – 3 Videos – 6 Sterne

Der indische Spielfilm „Meenaxi: Tale of Three Cities“ berauscht:

Famose Kulissen treffen auf gloriose Kameraarbeit, untermalt von A.R. Rahmans exzellenter Musik. Die muslimische Welt in Hyderabad, die Hindu-Kultur in der Wüstenstadt Jaisalmeer betören in überwältigenden, exotischen Bildern und Tönen, kein Werbefilm von Studiosus Reisen könnte es besser.

Das wirkt weitaus „indischer“ als gängige Bollywoodware mit Shah Rukh Khan oder Amitabh Bachchan und Co. – so exotisch anders, dass die Dialoge im gängigen Bollywood-Hindi fast nicht passen, man erwartet weniger vertraute Phoneme.

Die Konstruktion hat was:

Eine Schöne (Tabu) verlangt vom Romancier in Hyderabad, über sie zu schreiben. Also verfasst der Dichterfürst eine erste Geschichte mit ihr in Jaisalmer, Rajasthan, wir sehen die Handlung, ein Entwurf des Romanciers.

Doch die Schöne ist (ebenso wie der Zuschauer) nicht überzeugt von der Geschichte. Also entwirft der Schriftsteller eine weitere Handlung, diesmal in Prag. Die zwei gedichteten Plots werden hier und da von der Rahmenhandlung unterbrochen, wenn die Frau im weißen Sari den Dichter unwirsch kritisiert.

Inhaltlich bleiben die Geschichten aus allen drei Städten dünn, die Dialoge schwülstig.

Und auch die Schauspieler überzeugen nicht:

  • Tabu bedrängt den Dichter in Hyderabad permanent allzu robust und ihre aufdringlich inszenierte Sinnlichkeit beim Hüftschwingen vor Sonnenuntergang oder küssend im Pool bezaubert zumindest den männlichen Testseher Hans auch nicht (irgendwo las ich, dass Tabu von den Wünschen des Regisseurs sehr überrascht war)
  • Raghuvir Yadav als Romancier blinzelt immer nur hilflos-verschwiemelt in die fremde Welt; und
  • Kunal Kapoor in seiner ersten Rolle überhaupt: er fügt sich in die lange Riege der gutgebauten Bollywood-Jünglinge, die Gefühle durch silbrigen Fernblick simulieren.

Regisseur M.F. Hussain beschäftige nur Top-Kräfte:

„Tale of Three Cities“ gehört zuerst dem Duo Santosh Sivan (Kamera) und A.R. Rahman (Musik): Schließlich jazzten die beiden schon sechs Jahre zuvor „Dil Se“ zum halluzinogenen Augen- und Ohrentrip hoch (und in beiden Filmen singt Sukhwinder Singh ein Rahman-Stück; beide Filme kreisen um eine mysteriöse Schöne, bei „Dil Se“ meistert die fragile Manisha Koirala ihre Aufgabe besser als die impertinente Tabu in „Tale of Three Cities“). Zur visuellen Schlagkraft von „Tale of Three Cities“ trägt sicher auch der ubiquitäre Ausstatter Sharmishta Roy bei, der noch jedem Film ein gefälliges Ambiente verschaffte.

Geschichte und Dialoge indes – nicht der Rede wert.

Ganz den Bach runter geht es in der letzten Episode in Prag:

Tabu als Untermieterin im Frauenkloster, die ihr Fahrrad immer nur schiebt. Hier erdrückt Regisseur Husain den Betrachter noch mit einem bizarren Tanz in außerirdischen Fantasie- und Sagenkulissen; das erinnert an ähnlich hilflose Versuche in „Welcome to Sajjanpur“ und „Tehzeeb“ (letzterer wiederum mit Rahman-Musik).

In The Hindu fand ich dieses Zitat des vermögenden Regisseurs und Mit-Autors M.F. Hussain:

„Cinema is a medium of the painter. It is not the medium of any storywriter or anybody else. It is a visual language.“

Eben:

Wozu braucht man Handlung oder Dialoge? Besser kauft man sinnliche Attraktionen – den Musiker, den Aussstatter, den Filmer, betörende Akteure und Kulissen. Mit „Meenaxi: Tale of Three Cities“ untermauert der berühmte Maler M.F. Hussain seine einseitige Sicht auf Filme.


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