Bollywood-Komödie: Bunty aur Babli (2005, mit Abhishek Bachchan, Rani Mukerji; mit Trailer & 4 Songs) – 6 Sterne

Bollywood 2005: Rani Mukerji und Abhishek Bachchan als Kleinstadt-Gauner auf dem Weg in die große Welt. Ab der Halbzeit rauh, aber herzlich, verfolgt von Bulle Amitabh Bachchan.

Ja, eine nette Gaunerkomödie:

Allerdings, am Anfang zieht sie sich ziemlich. Es beginnt mit einem ellenlangen Lied, das wenig Neues bringt. Danach folgen zäh die Enttäuschungen, die Rakhesh und Vimmi dazu bringen, als Bunty & Babli das Land Indien aufzumischen.

Rani Mukerji spielt zeitweise allzu platt das Kleinstadt-Dummchen, vor allem in ihren Heultiraden, wirkt insgesamt aber sehr liebenswert und teils attraktiv als Kleinstadt-Gör mit großen Träumen. Abhishek Bachchan guckt öfter zur Seite, als ob er sich über seine eigene Rolle amüsiert.

Großauftritt der Bachchans:

Insgesamt passt die Aufgabe zu Abhishek Bachchan, da er keine Gefühlsausbrüche zeigen, sondern vor allem immer neue Gaunerstückchen aushecken muss. In den parodistischen Teilen, etwa als öliger Regierungsbeamter, brilliert Bachchan zeitweise.

Zum ersten Mal überhaupt treten Vater und Sohn Bachchan gemeinsam auf. Der Film spielt mit vielen Textzeilen auf dieses Zusammentreffen zweier Superstars aus einer Familie an.

Yash-Raj-Drehbuchveteran Jaideep Sahni präsentiert nette Ideen, die allerdings in einem deutlich gekürzten Streifen noch besser zur Geltung kämen. Amitabh Bachchan als grimmiger Vize-Oberbulle mit wundem Herz zeigt wieder erstaunliche Präsenz, sogar in einer Spaßrolle – und erledigt seine Komikaufgabe hier viel besser als in in „Kyun…! Ho Gaya Na“.

Zur DVD:

Bei mir war die DVD-Hülle des Asienspezialisten Rapid Eyes Movies (REM) komplett in Deutsch beschriftet, auch das DVD-Menü kam mit dicken Lettern in Deutsch. Der Film selbst lief in meiner Ausgabe jedoch nur Hindi mit Untertiteln – also: kein deutscher Ton.Die Untertitel blieben angenehm lange auf dem Bildschirm, und natürlich wurden auch Gulzars Liedtexte untertitelt.

Die indischen Darsteller sprechen praktisch ohne jedes Englisch, nur ein westliches Millionärspaar aus den USA steuert ein paar gut verständliche englische Sätze bei – dann merkt man, wie angenehm das Zuschauen ohne Untertitel ist. Die REM-DVD enthält noch ein paar Trailer und wenige Minuten verpatzte Szenen aus „Bunty Aur Babli“, die wenig hergeben.

Schöne Hotels, schlechte Musik:

„Bunty Aur Babli“ zeigt viele schöne Hotels und – wieder mal – noch mehr langweilige schicke Filmstudio-Hotelzimmer und Filmstudio-Hotelbars. Offenbar gehört das bei einer Produktion der reichen Yash-Raj-Studios dazu. Schwer erträglich sind Diskokulisse und Diskokleidung im Diskosong „Nach Baliye“ (direkt oberhalb) bei Ankunft in der Großstadt Bombay (sie sagen nie „Mumbai“).

Shankar-Ehsaan-Loy liefern einen ihrer billigeren Soundtracks, darunter Diskomumpf und Massenware. Das letzte Ganovenstück von Bunty & Babli am Flughafen pumpen sie mit dramatischer Krimimusik auf.

Die Tänze beeindrucken nicht, abgesehen vielleicht vom (übertrieben?) ausdrucksvollen Gesicht des Gaststars Aishwarya Rai (inzwischen Ehefrau von „Bunty“ Abhishek Bachchan und damit die dritte Bachchan in diesem Film) bei „Kajra Re“ (direkt unterhalb). Allerdings übernimmt Rai in dem Film sonst keine Aufgabe, sie wurde lediglich wegen ihres Star-Appeals für als Item-Girl eingebaut.

Meine Einschätzung:

„First-rate mindless entertainment“, schrieb die New York Times über „Bunty Aur Babli“. Wirklich? Dieses Prädikat würde ich eher „Om Shanti Om“ und „Kal Ho Naa Ho“ geben und erst recht Filmen aus den 90er bis 70er Jahren wie „Zamaana Deewana“, Baadshah oder „Amar Akbar Anthony“.

Für mich rangiert „Bunty Aur Babli“ eher auf einer Stufe mit „Dostana“ oder „Rab Ne Bana Di Jodi“: netter Zeitvertreib, ein paar Lacher, doch etwas süßlich, etwas hohl. BaB frustriert aber gerade dank seiner weniger ernsten Ambitionen nicht so wie aufdringlichere junge Filme à la „Kyun…! Ho Gaya Na“, „Jab we met“, „Salaam-e-ishq“,„Chalte Chalte“ oder „U, Me Aur Hum“.

Bunty-Regisseur Shaad Ali, die Musiker Shankar-Ehsaan-Loy und Vater und Sohn Bachchan trafen sich später wieder beim Film Jhoom Barabar Jhoom – der fällt deutlich schlechter aus als Bunty aur Babli.


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