Rezension Bollywood-Bombast: My Name is Khan (2010, mit Shah Rukh Khan, Kajol) – Trailer & 2 Songs – 8 Sterne

Der Film hat vielleicht keine Substanz, aber er geht an dieselbe. Nobody does tears better than Regisseur Karan Johar. Oder wie Bollywoodpoet Subash K. Jha schon über „Kabhi Khushi Kabhie Gham“ schrieb, Karan Johars Meisterwerk von 2001:

„Johar leaves no stone unturned to ensure a smooth sailing triumphant journey… an incredibly sumptuous eye-catching spin“.

Den Satz kann Jha auch in seine MNIK-Rezension einfügen. Selten floss ein Film so grandios. Episch elegant. Über zweieinhalb Stunden schaffte ich es kaum, mal nachzuschenken.

Erstaunlich, dass Karan Johar als Produzent zwischenzeitlich solchen Käse verantwortete wie „Dostana“ oder „Wake up Sid“. In MNIK liefert Johar – nun auch Regisseur – Tränendrüseneffizienz par excellence, Pflichtlektüre für die Meisterklasse an der Regie- und Schnitthochschule.

Und er verpflichtet die Besten der Besten:

  • Shankar-Ehsaan-Loy holen stimmungsvolle Songs und Sounds aus ihrer teuersten Schublade
  • Meister der Linse Ravi K. Chandran, der schon „Paheli“ so zauberhaft filmte, betört mit sahnigen Hintergrundunschärfen, süffigen  Schärfewechseln und kristallklarem Licht
  • Kajol, Kajol, Kajol ist der anbetungswürdige Star schlechthin in diesem Film; sie ist 35, verheiratet, Mutter, und macht mehr Eindruck denn je in ihrer Rolle als warmherzige, natürliche, geschiedene Vorort-Friseuse. Nebenbei, klasse sieht sie auch aus
  • Deepa Bhatia am Schnittpult („Taare Zameen Par“, „Rock on“)
  • zahlreiche präsente Nebenfiguren

Gut, das ist Bollywood mal Hollywood mal Disneyland mal Klischee hoch 17, aber egal: „My Name Is Khan“ geht ans Gemüt, „My Name Is Khan“ bewegt.

Zyniker und Realisten werden auf die Schwächen hinweisen:

  • den gefälligen, filmgerecht konfektionierten Autismus light von Shah Rukh Khan
  • das heillos überfrachtete Drehbuch mit drei Hautfarben, vier Religionen, fünf Megatrendproblemen und plattem Gut-Böse
  • die verzerrte Darstellung der USA
  • die aufdringlich künstlichen Kulissen und Effekte bis hin zur Studio-inszenierten biblischen Sintflut.

Wir anderen aber, Joharnormalverbraucher, wir platzieren Snacks und Taschentücher in Greifweite, schieben das Schnurlose unters Kissen und drücken mit Herzklopfen auf Play – MNIK gehört zu den ganz großen Bollywood-Krachern seit 1995:


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