Rezension Indien-Dokumentation: Ma Na Sapna – Geliehenes Mutterglück (2013) – mit 2 Videos – 7 Sterne

Die SRF-Doku über Leihmütter in Indien spielt zum größten Teil in einer einzigen Klinik mit angeschlossener 70-Leihmütter-WG im nordwestindischen Staat Gujarat. Wir hören die Frauen reden und sehen ihnen beim Alltag zu. Meist blicken sie traurig – vor der Geburt, nach der Entbindung, beim Gedanken an eine Reduktion, also an eine Tötung überschüssiger Embryos.

Fragen bleiben offen:

Es gibt keine Erklärungen eines Sprechers und nur knappe Texteinblendungen. Regisseurin Valerie Gudenus lässt meist die Leihmütter reden, ganz vereinzelt Ärzin Nayna Patel, Krankenschwestern oder Ehemänner. Viele allgemeine Fragen bleiben offen. Der Film ist ergreifend und sehr unmittelbar, aber kein Überblick – eher Portrait als Sozialreportage, Einzelschicksale statt Statistik. Auf DVD oder als Stream gibt es Ma Na Sapna offenbar nicht.

Die Kamera ist so nah dran, dass man scheinbar neben den Frauen in einem der schmalen Betten liegt. Einmal läuft die Kamera bei einem wütenden Streit, und einmal läuft sie sogar bei einem Kaiserschnitt – aber so diskret, dass praktisch kein Blut erscheint, außer bei den Neugeborenen. Die Bilder bleiben ruhig, sogar statisch. Die Perspektive ändert sich kaum, und auf Musik verzichtet Gudenus weitgehend auch.

Arm und reich:

Frau Madhu, die in der Stadt Anand Leihmütter anwirbt, fährt zu den Armen auf dem Rücksitz eines Mopeds. Ärztin Nayna Patel pilotiert dagegen einen dicken Audi direkt vor die Kliniktür. Patel wird von den Frauen verehrt, „mehr als meine Mutter oder Gott“, wie eine sagt.

Denn für die Leihmutterschaft erhalten sie offenbar 5600 US-Dollar, das reicht eventuell für ein Haus, auch wenn die Preise stiegen. Wie viel die Auftraggeber zahlen, erfahren wir nicht. Und Auftraggeber sehen wir flüchtig erst ganz am Ende der Doku:

Ein junges Paar, wohl Auslandsinder, holt Zwillinge ab. Leihmutter Papiha hatte die Kleinen noch drei Wochen nach der Geburt allein gepflegt, sogar gegen die Regeln gestillt, bis die Eltern endlich auftauchten. Papiha guckt stumm, die Auftraggeber sind verlegen, möchten schnell weg, in die Kamera sprechen sie nicht. Es ist eine von vielen Situationen in diesem Film, für die die menschliche Evolution noch keine Gefühle, keine Phrasen entwickelt hat.

Ein sehr persönlicher Bericht:

Die Leihmütter wohnen teils zu fünft oder mehr in Korridor-ähnlichen Räumen und liegen lange nur im Bett herum; darum erscheinen sie manchmal wie Gebärmaschinen. Die Neugeborenen schlafen auch in einer Art Maschinenraum voller Geräte und strenger Krankenschwestern; die Leihmütter sollen ihre Kinder am besten gar nicht sehen und jedenfalls nicht mit der Brust stillen.

Ein sehr naher, subjektiver, persönlicher Bericht. Nicht informativ, aber intim.

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