Tag Archive for Islam

Rezension Länder-Bericht: Jenseits des Glaubens: Eine Reise in den anderen Islam, von V.S. Naipaul (1998, engl. Beyond Belief, sein 2. Islam-Buch) – 8 Sterne

V.S. Naipaul liefert hier lange Portraits aus vier Ländern, die sich einst – fern von Arabien – dem Islam zuwandten: aus Indonesien, Iran, Pakistan und Malaysia. In diesem Buch von 1998 wiederholt er eine frühere Reise, die er bereits 1981 in dem Band Eine islamische Reise: Unter den Gläubigen (engl. Among the The Believers: An…

Rezension: Frag nicht, warum (Pakistan-Doku 1999) – 7 Sterne

Pakistans Regisseurin Sabiha Sumar lässt fürs ZDF eine Stunde lang die 17jährige Anousheh reden. Die freidenkende, extrovertierte Teenagerin würde gut in den Westen passen; doch sie müht sich auch redlich, in Koranschulen und in langen Diskussionen mit ihrem sehr konservativen Vater den Koran zu verstehen. Sie würde sich im Zweifelsfall den Wünschen ihres Vaters fügen,…

Rezension Abenteurer-Biografie: A Rage to Live – A Biography of Richard and Isabel Burton, von Mary S. Lovell (1998) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Diese wohl umfangreichste neuere Burton-Biografie, von 1998, umfasst 804 Seiten Haupttext. Die erfahrene Autorin Lovell betont schon im Vorwort, dass sie in England wichtige neue Primärquellen entdeckte und dass sie unfundiertes Psychologisieren der Burton-Biografen Fawn Brodie und Frank McLynn ablehnt (Übersicht zu Burton-Biografien und -Links unten). Im Vergleich zu früheren Biografen schreibt Lovell zudem ausführlicher…

Rezension Abenteurer-Biografie: Captain Sir Richard Francis Burton (1821 – 1890), The Secret Agent Who Made the Pilgrimage to Mecca, Discovered the Kama Sutra, and Brought the Arabian Knights to the West, von Edward Rice (1990) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Die Biografie umfasst etwa 620 Seiten Haupttext plus etwa 55 Seiten Anhänge, Fotos und Stichwortverzeichnis. Rice wahrt weitestgehend die Chronologie, reiht Episode an Episode. So wirkt der Text vielleicht etwas schematisch. Ihm wurde vor allem von der späteren Burton-Biografin Mary S. Lovell vorgeworfen, teils erfunden zu haben. Biograf Rice, der zahlreiche andere Sachbücher veröffentlichte, schreibt…

Rezension Abenteurer-Biografie: The Devil Drives, A Life of Sir Richard Burton (1821 – 1890), von Fawn Brodie (1967) – 6 Sterne – mit Presse-Links

Die Biographie des englischen Abenteurers Burton umfasst etwa 322 eng bedruckte Seiten Haupttext, dazu Anmerkungen, Index und Bilder. Im Vergleich zu den Burton-Biografen Edwin Rice und Mary S. Lovell legt Brodie mehr Wert auf Psychologie: In den einführenden Kapiteln erwähnt Fawn Brodie Burtons bahnbrechende Reisen und Übersetzungen kaum, erklärt aber ausführlich die Beziehung zu Mutter,…

Ya Allah! Die islamischsten Länder der Welt: Neuseeland, Luxemburg, Irland

„Christen sind die besseren Moslems“, das habe ich im Iran öfter gehört. Begründung: Christen seien höflicher und umweltbewusster als Moslems. Und jetzt sagt eine Studie, das islamischste Land der Welt sei: Neuseeland; gefolgt von:  Luxemburg und Irland. Urheber der Islamicity-Studie ist der Iran-stämmige Moslem Hossein Askari, der in Washington an der George-Washington-Universität lehrt, zusammen mit…

Rezension Reportage-Buch: India: The Road Ahead bzw. Non-Stop India, von Mark Tully (2011) – 7 Sterne

Mark Tully, einst BBC-Mann in Delhi und immer noch der bekannteste Indien-Sachbuchautor, schreibt hier über Politik und Wirtschaft: Naxalites, Unberührbare, Korruption, Landwirtschaft, religiöse Spannungen, Unternehmertum. Thematisch etwas heraus fallen Kapitel über indische Sprachen und indische Tiger. Die zehn Kapitel haben je 20 bis 30 Seiten und lesen sich stets wie eigenständige Reportagen. Sie bestehen immer…

Rezension Teheran-Memoiren: Honeymoon in Tehran: Two Years of Love and Danger in Iran, von Azadeh Moaveni (2009) – 8 Sterne

Azadeh Moaveni schreibt schlank, lebendig, bildhaft, unterhaltsam – wie man es von einer Time-Autorin erwartet. Längere Gedankenströme zu Politik oder Moral bettet sie stets in ihr Alltagsleben ein: Moaveni schildert, wie sie am Herd ein Curry versalzt und dabei die Rolle der Ayatollahs seit dem 7. Jahrhundert überdenkt; wie sie im Taxi sitzt und die…

Rezension iranischer Ehe-Film: Nader und Simin – Eine Trennung (2011) – 8 Sterne

Man sieht praktisch kein Lächeln. Abgesehen von ein bisschen Radio gibt es keine Filmmusik, außer beim Abspann, und die klingt dann falsch süßlich. Es gibt nichts Schönes und keine reinen Farben: Alles erscheint blass grau, dreckig beige, stumpf grünlich, oft etwas verwaschen-verkommen. Alltag in einer anstrengenden Stadt: In dieser freudlosen Kulisse inszeniert Autor und Regisseur…

Rezension Länder-Bericht: Eine islamische Reise: Unter den Gläubigen, von V.S. Naipaul (1981, engl. Among the Believers: An Islamic Journey, sein 1. Islam-Buch) – 8 Sterne

1979 reist V.S. Naipaul durch vier muslimische Länder, die nicht direkt an Saudi-Arabien grenzen und den Islam erst mit Verzögerung und eventuell unter Zwang annahmen: Iran, Pakistan, Malaysia und Indonesien. In jedem Land spricht Naipaul mit Klerikern, Zeitungsmachern, Lehrern, Macht- und Privatmenschen über ihren Glauben und dessen Auswirkungen auf den Alltag. Diskussionen und viele Reisen:…

Rezension Sachbuch: Der Iran: Die verschleierte Hochkultur, von Andrea Claudia Hoffmann (2009) – 7 Sterne

Hoffmann bombadiert unermüdlich und gelehrt mit Fakten, bilanziert 3000 Jahre Geschichte und Geistesgeschichte, bis hin zum gedanklichen Fundament des Ajatollah Khomenei. Quellenangaben fehlen zumeist, dennoch wirkt die Lektüre enorm informativ. Mitunter wären freilich Tabellen oder Diagramme besser als lange Absätze, zum Beispiel bei den Unterschieden zwischen Schia- und Sunni-Islam, bei den Schia-Imamen oder bei der…

Rezension Iran-Sachbuch: City of Lies, von Ramita Navai (2014, über Teheran) – 7 Sterne

Navai schreibt professionell gut, spannend (ich hatte das englische Original). Sie verschafft verblüffende Einblicke in ein völlig unbekanntes Teheran, jedesmal packend erzählt, nie mit Happy End. Sie baut Statistiken, exotische Pressemeldungen und Staatskunde gekonnt ein. Navai berichtet aus einem einzigartigen Land über die ungewöhnlichsten Figuren, die eine ehrgeizige Reporterin für den umkämpften englischsprachigen Pressemarkt auftreiben…

Rezension Karachi-Roman: Alice Bhattis Himmelfahrt, von Mohammed Hanif (2011, engl. Our Lady of Alice Bhatti) – 5 Sterne – mit int. Presselinks

Szenen aus Alice Bhattis Schwesternalltag in einem verkommenen staatlichen Krankenhaus in Karachi und über ihre seltsame Ehe mit einem Bodybuilder und Polizeischergen. Dazwischen Einschübe über Bhattis Zeit im Frauengefängnis, über Vater und Wunderheiler Bhatti und über Polizei-Misshandlungen. Fazit: Schnelle, dreckige, zynische und betont gern vulgär-obszöne, manchmal salopp brutale Satire aus einer verkommenen Dritte-Welt-Großstadt. Leicht zu…

Dakar-Roman: Ein so langer Brief: Ein afrikanisches Frauenschicksal, von Mariama Bâ (1981) – 3 Sterne

Eine Frau wird von ihrem Mann nicht verlassen, stattdessen nimmt er sich einfach eine Weitere, Jüngere, und gibt ihr den Großteil seiner Aufmerksamkeit. Wenn er stirbt, ist die Lage der ersten Frau, mit mehreren Kindern, eventuell prekär. Soweit der Inhalt. Das Bändchen ist dünn, doch der Buchtitel sagt es: Der „lange Brief“ wirkt tatsächlich gedehnt,…

Islam-in-Toronto-Spielfilm: Sabah – Eine Liebesgeschichte (2005; mit Trailer) – 5 Sterne

Im Einwandererstaat Kanada verliebt sich ein Weißer in eine Kopftuchträgerin und bietet ihr dann Schweinefleisch und Rotwein an. Naja. Ich sehe wirklich gern Hot Country Entertainment, sogar vom Drehort Toronto. Aber dieser Film hier ist passagenweise deutlich zu lehrbuchhaft und mechanisch. Dann gibt es noch eine dramatische und wiederum sehr schematische Aussprache gegen Ende, und…

Tunesien-Spielfilm: Roter Satin (2002; mit Tanz-Video) – 4 Sterne

Sicherlich nett gemeint und man sollte wohl nicht schlecht darüber reden. Die Handlung ist jedoch so unrealistisch, das sie kaum als Komödie funktionieren würde, und gewiss nicht – wie hier versucht – als Entwicklungsroman. Tanz und Musik langweilen zudem, das reißt wirklich nicht vom Hocker. Zu lange spielt der Film in den immergleichen, beengten Kulissen:…

Spielfilm: Fasten auf Italienisch (2010; mit Trailer) – 5 Sterne

Die Geschichte ist viel zu konstruiert: Weil er seine Herkunft und seine Religion gegenüber Kollegen und Freundin und mit einer anderen Geschichte gegenüber der Familie verleugnet, heimlich den Ramadan befolgt und dann noch im harten Konkurrenzkampf mit einem fiesen Kollegen steht, gerät Mourad immer tiefer in die Bredouille – die Autoren wringen die Situation angestrengt…