Auswandern

Kritik Biografie: Tania Blixen, von Judith Thurman (1982, engl. The Life of a Storyteller bzw. Isak Dinesen The Life of Karen Blixen) – 7 Sterne – mit Videos

  Thurmans Blixen-Biografie beleuchtet viele der betont vagen Passagen in Blixens Memoiren Jenseits von Afrika (noch genauer tut dies die spätere Blixen-Biografin Linda Donelson). Judith Thurman schreibt insgesamt ein sehr ausführliches, mir teils zu ausführliches Werk, das mit Tania Blixens Großeltern beginnt (Tania Blixen, 1885 – 1962, ist auch als Karen Blixen und Isak Dinesen […]

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Kritik Memoiren: Jenseits von Afrika, von Isak Dinesen/Tania Blixen (1937); Schatten wandern übers Gras (1960) – 7/10

Das Buch ist nicht chronologisch, sondern eher thematisch angeordnet. Dabei geht es geht kaum um Mann+Frau, um Liebe – die bekannte Verfilmung von 1985 weckt völlig falsche Erwartungen. Im ersten Teil redet die Autorin nur allgemein über Land, Leute und einzelne Figuren auf ihrer ostafrikanischen Kaffeefarm. Es gibt keinen Dialog und keine durchgehende Handlung –

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Kritik Biografie: The Man Whom Women Loved: The Life of Bror Blixen, von Ulf Aschan (1987) – 4 Sterne

Fazit: Wieder und wieder geht’s auf Safari, mit US-Millionären oder UK-Prinzen, oder mit dem Auto durch die Sahara, einmal sogar ganz ohne die Hauptfigur. Wieder und wieder listet Autor Ulf Aschan den vierbeinigen Body Count, samt Schätzgewicht des erbeuteten Elfenbeins (Ulf Aschan ist selbst „white hunter“). Die im Titel versprochenen Damenabenteuer erscheinen hier und da

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Romankritik: Kochen mit Fernet-Branca, von Lewis Hamilton-Paterson (2004, engl. Cooking with Fernet Branca) – 6 Sterne

James Hamilton-Paterson erzählt hochintelligent-witzig von zwei Ausländern auf einem einsamen Hügel in der Toscana. Der Autor spielt mit Toscana- und Dolce-Vita-Klischees. Der Witz entsteht nicht aus der Handlung oder aus den Dialogen, sondern aus selbstironischen und gebildeten Bemerkungen des Ich-Erzählers und aus den absurden Rezepten für geräucherte Katze und ähnliche Delikatessen. Der Humor geht jedoch

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Rezension: Doing Germany, von Agnieszka Paletta (2014, 1. Band) – 3 Sterne

Agnieszka Paletta kam mit neun von Polen nach Canada, lebte kurz in Italien.  In einer Disco in Krakau trifft sie einen anderen Polenstämmigen, der in Deutschland aufwuchs und lebt. Sie folgt ihm nach München und Karlsruhe, heiratet. Wie ein viel zu langer Facebook-Chat: Paletta war bei Eintreffen in Deutschland 32 Jahre alt; im Buch müht

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Rezension: A Singular Woman, Barack Obama’s Mother, von Janny Scott (2011) – 7 Sterne – mit Presse-Links

Stanley Ann Dunham, Barack Obamas Mutter, war eine hochinteressante, weltoffene Intellektuelle, die in Hawaii erst einen Kenianer (Obamas Vater) und dann einen Indonesier heiratete und zeitweise mit Sohn in Indonesien lebte. Sie verbrachte insgesamt die Hälfte ihres erwachsenen Lebens in Indonesien, forschte und promovierte dort über Dorfwirtschaft, leitete Hilfsorganisationen und beriet Regierungen und Banken in

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Romankritik: Der stille Ozean, von Gerhard Roth (1980) – 7 Sterne – mit Video

Gerhard Roth beobachtet minutiös und ruhig – er seziert fast wie unter dem Mikroskop (das im Buch eine Rolle spielt). Doch gelegentlich spricht Roth gespreizt, die Sätze und Absätze werden zu lang, die Wörter zu eigen („Gezweig“). Häufig hatte ich das Bedürfnis, ganze Absätze oder Seiten erneut zu lesen, weil sie im ersten Anlauf an

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Rezension: Ein Brasilianer in Berlin, von João Ubaldo Ribeiro (1994) – 3 Sterne – mit Presse-Links

Der brasilianische Autor João Ubaldo Ribeiro (1941 – 2014) verbringt 1991 mit Frau und Kindern ein Jahr in Berlin. Das sehr dünne Buch enthält Glossen, die zumeist für die Frankfurter Rundschau – alle gleich lang – und in einem Fall für die Zeit entstanden. Ribeiro parliert gewandt ironisch verschmitzt, die Übersetzerin Ray-Güde Mertin leistet gute

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Rezension: Planet Germany, von Cathy Dobson (Auswanderungsbericht 2007) – 4 Sterne

Dobson rattert einen gut geölten Reigen aus Anekdoten und Festivitäten herunter, sehr leicht lesbar, dabei zuviel abgehangene Phrasen und zuwenig Sophistication. Öfter wirkt es wie flacher Slapstick: gleich zweimal schildert Dobson eigene Stürze in den Dreck und das anschließende Gelächter ihrer Umwelt; dazu mehrere unappetitliche Unfälle mit Haustieren. Weil sie den Verlauf eines einzelnen Jahres

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Kritik Frankreich-Bericht: French Spirits (2002), von Jeffrey Greene – 6 Sterne – mit Kritiken

Der US-Literaturprofessor und Dicher Jeffrey Greene und seine US-Partnerin Mary, promovierte Biologin und Laborleiterin beim Pasteur-Institut, kaufen 1992 ein verfallenes Pfarrhaus im burgundischen Kaff Rogny-les-Sept-Écluses, zwei Stunden südlich von Paris. Greene erzählt amüsant vom Renovieren, von seinen Nachbarn und seiner Hochzeit in der neuen Immobilie, die jedoch nur am Wochenende bewohnt wird. Gelehrte Vergleiche und

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In Andalusien war ich auch mal.

Rezension Andalusien-Buch: Last Days of the Bus Club, von Chris Stewart (2014, 4. Teil der Reihe „Driving over Lemons“) – 7 Sterne

Chris Stewart erzählt weitere Geschichten seines Auswanderer-Lebens: Der Engländer wohnt seit 20 Jahren mit Frau und Kind auf einer entlegenen Farm in den andalusischen Alpujarras. Mit Driving over Lemons und zwei Nachfolgebänden landete er große Erfolge. Und hier im vierten Teil (erschienen im Juni 2014) geht es in gewohnter Manier weiter: Chris Stewart spottet über

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In Andalusien war ich auch mal.

Rezension Andalusien-Bericht: Factory of Light, von Michael Jacobs (2004) – 8 Sterne – mit Videos

Jacobs schreibt warmherzig, liebevoll, und wir tauchen tief in die Dorfgesellschaft ein. Ein anderer Wahl-Andalusier, Chris Stewart, berichtet zwar auch sehr warmherzig – Stewart lebt jedoch isoliert am Berg und das mit Ehefrau, Kind und vielen Tieren, bekommt also weniger vom üblichen Dorfleben mit. Jacobs dagegen wohnt ohne Anhang mitten im Dorf Frailes (in einer

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In Andalusien war ich auch mal.

Rezension Andalusien-Berichte: A Parrot in the Pepper Tree, von Chris Stewart (2002, Teil 2 von „Driving over Lemons“) – 7 Sterne

Lebhaft, warmherzig, unterhaltsam, dazu sehr spannend und überaus lustig – ich habe selten so oft bei einem Buch gelacht, und so laut, sogar bei den kurzen Abschnitten über England und Schweden, von denen ich mir wenig erhofft hatte. Ich habe mich bald wie ein Teil der Familie gefühlt, weil Chris Stewart auch recht ehrlich schreibt

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Buchkritik: Spätzle al Dente, von Luigi Brogna (über Italiener in Deutschland, 2007) – 7 Sterne

Also das sind interessante Einblicke: eine italienische Familie zieht 1971 von Sizilien ins Schwabenland und bleibt dort viele Jahre. Wir lernen einiges über Anpassungsschwierigkeiten bei Italienern und Schwaben, über unterschiedliche und wandelnde Formen von Heimweh – und über grauenhafte Ausländerfeindlichkeit. Interessant auch die Italienurlaube der Gastarbeiter, die ihre Heimatstadt Messina bald mit halb deutschen Augen

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In Andalusien war ich auch mal.

Rezension Andalusien-Buch: Leben im Publeo. Das 21. Jahrhundert hält Einzug in ein andalusisches Dorf, von David Baird (2004) – 7 Sterne

Dies ist kein Roman. Baird erzählt vom eigenen Leben in einem andalusischen Dorf. Er zog mit Frau in den 60er Jahren in ein baufälliges Haus und rekapituliert gut drei Jahrzehnte. Es gibt keine durchgehende Handlung, das Buch (engl. „Sunny Side Up“) erscheint sogar etwas heterogen und die Kapitel kann man weitgehend unabhängig voneinander lesen. Einzelne

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Bücher, die auf Englisch erschienen, lese ich im Original.

Buchkritik Italien-Auswanderer: Die Oliven von San Pietro, ein italienisches Abenteuer, von Annie Hawes (2003, 1. Teil der Trilogie, engl. Extra Virgin) – 7 Sterne

Ich habe oft und laut gelacht. Und ich habe einiges gelernt: Italienisch, Ligurisch, Mentalität, Küche, Landwirtschaft. Ich konnte das Buch zeitweise kaum weglegen. Fragwürdiger Ton: Annie Hawes schreibt mit hochtouriger, deftiger und übertrieben wortreicher Ironie. Das ist unterhaltsam; man hat aber auch das Gefühl, dass sie dabei ihre italienischen Nachbarn verrät. So sah Hawes es

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Bücher, die auf Englisch erschienen, lese ich im Original.

Rezension Italien-Auswanderer: Picknick im Olivenhain: Ein italienisches Abenteuer, von Annie Hawes (2004; Teil 2 der Trilogie) – 7 Sterne

Unterhaltsame, leicht konsumierbare Geschichten vom Leben in einem ligurischen Dorf (engl. Originaltitel Ripe for the Picking). Es geht viel ums Kochen, aber auch um Wein- und Olivenanbau, Hühnerzucht, Renovierung – und ums Eintauchen ins dörfliche italienische Familienleben: Denn Ripe for the Picking (ich hatte die englische Ausgabe) ist eine Art „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ mit

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Bücher, die auf Englisch erschienen, lese ich im Original.

Rezension Italien-Bericht: Der Himmel über Kalabrien. Ein italienisches Familientreffen, von Annie Hawes (2006, Teil 3 der Trilogie) – 7 Sterne

Ingesamt erinnert das Buch (engl. Journey to the South: A Calabrian Homecoming) deutlich an Annie Hawes‘ zwei vorhergehende Italienbände (s.u.); man liest sie am besten vorher, muss es aber nicht unbedingt. Vorzüge: Hawes versucht, Sitten, Speisen und Personen sehr genau zu beschreiben. Sie lernt alles gut kennen, weil sie offensichtlich gut Italienisch und teils auch

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Südfrankreich-Neu-Winzerin: The Ripening Sun, von Patricia Atkinson (2003, 1. Teil der Reihe) – 6 Sterne

1990 zieht die englische Bankerin Patricia Atkinson, knapp 40 Jahre alt, mit ihrem Mann nach Südwestfrankreich. Ihr Buch von 2003 berichtet detailreich von den ersten drei Jahren, also vom Einstieg in den Weinbau – und da spricht Atkinson erst einmal kein Französisch, und Winzererfahrung hat sie auch nicht. Die Fortsetzung liefert dann der Band La

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Rezension Carol Drinkwater: Der Olivenhain (2001, engl. The Olive Farm, Teil 1 der Olive-Reihe) – 3 Sterne – mit Video

Die englische Schauspielerin und Autorin Carol Drinkwater renoviert ein völlig verfallenes Haus in Südfrankreich zusammen mit ihrem neuen deutsch-französischen Lebensgefährten. Nebenbei will sie sich mit den 13jährigen Zwillingstöchtern ihres Partners anfreunden; Französisch spricht sie nur schlecht, den vorläufigen Kaufvertrag versteht sie gar nicht. Fazit: Drinkwater schreibt schlecht, gehetzt, zu wortreich. Nicht alle Kapitel handeln von

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Rezension Carol Drinkwater: The Olive Season (2003, Teil 2 der Olive-Reihe) – 3 Sterne

Carol Drinkwater und Partner haben ihr Haus oberhalb von Cannes halbwegs renoviert. Nun befassen sie sich mit Bienenzucht, Gartenausbau, mühen sich um ein AOC-Siegel für ihr Olivenöl, lassen einen Wünschelrutengänger nach Wasser suchen; und: Drinkwater wird schwanger. Südsee und Hollywood: Drinkwater schildert aber ausführlich auch Erlebnisse außerhalb der Provence: so ihre umständliche, mehrfach verzögerte Hochzeit

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Südfrankreich-Winzerin: La Belle Saison, von Patricia Atkinson (2005, 2. Buch der Reihe, Englisch) – 6 Sterne

Patricia Atkinson hat ihr Weingut in Südwestfrankreich auf sichere Beine gestellt. Jetzt genießt sie Freunde und kulinarische Freuden in der Region: Jeweils mehrseitige Beschreibungen liefert sie u.a. über: Wochenmarkttbesuch, Trüffel suchen, Besuch im Käseladen, Trüffelmarkt, Fasanenjagd mit Gilles, Gerichte mit Trüffeln, Wildschweinjagd mit Manu, Besuch beim Fassmacher und dem Sägewerk, Angeln mit Michel, Weinprobe bei

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Italien-Bericht: Laura, Leo, Luca und ich: Wie man in einer italienischen Familie überlebt, von Stefan Maiwald – 1 Stern

Was ist dieser Maiwald nur für eine Quasselstrippe. Unbedarft hatte ich angenommen, es gehe um Italien. Stattdessen malträtiert Maiwald den Leser mit seiner Vergangenheit als Kampftrinker und Frauenverbraucher in so mediterranen Gefilden wie Braunschweig und Hamburg. Na danke. Dann listet Maiwald stolz die Zeitungen und Magazine auf, die eingingen oder verkauft wurden, nachdem er dort

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In Andalusien war ich auch mal.

Andalusien-Auswanderer-Buch: Chickens, Mules and Two Old Fools, von Victoria Twead (2009) – 5 Sterne

Twead schreibt wohlgemerkt lustig und kurzweilig, aber sie verwendet auch viele abgedroschene, erwartbare Phrasen und wiederholt bestimmte Stilmittel ad nauseam: So enden Kapitel oft im spannendsten Moment, um den Leser ins nächste Kapitel zu ziehen; ihr Mann kratzt sich immer gern zwischen den Beinen; und Nachbar Sancho hat eine schwarze Katze und Flatulenz – und

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In Andalusien war ich auch mal.

Andalusien-Auswanderer: Bottle-brush Tree, von Hugh Seymour Davies – 5 Sterne

Er ist weit gereist und hoch gebildet. Darum findet Hugh Seymour-Davies oft verblüffende Parallelen, interessante Vergleiche und Formulierungen. Er portraitiert seine andalusischen Nachbarn und Handwerker mit nachsichtiger Überlegenheit. Allerdings liefert Seymour-Davies auch sehr langatmige Beschreibungen von Landschaften, Festen, Ernteabläufen und Gebäuden: er will es ganz genau für die Nachwelt festhalten, doch es ermüdet. Einmal schildert

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Roman: Ich sehe was, was du nicht siehst, von Birgit Vanderbeke (1999) – 5 Sterne

Vanderbeke beobachtet fein und schildert Menschentypen mit wenigen Dialogsätzen sehr markant. Scheinbar Nebensächliches taucht Seiten später wieder auf und gewinnt so an Bedeutung. Das französische Ambiente ist angenehm, wenn auch teils ungenau und verklärend dargestellt. Vanderbekes Schreibstil: Aber Birgit Vanderbeke schreibt seitenlange gleichförmige Absätze. Die Dialoge gehen wie Brei in den Absätzen auf, jeder Absatz

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