Tag Archive for Buch

Krimi-Roman: München Blues, von Max Bronski (2008) – 5 Sterne

Trödelhändler, Hobbydetektiv, Schlägertyp, Rächer der Enterbten, Frauen- und StaatssekretärsflüstererCoole Sprüche kloppt er gern, der Bronski Max, und oft klappt das Kloppen auch, aber manchmal geht’s daneben: Da wird der selbstherrlich lässige Ich-Erzähler Gossec vom Mongolen-Adi derb verprügelt, rettet sich auf die Straße – und dann gelingt ihm nur ein „Mongolen-Adi hatte mir eine deftige Lektion…

Lustiges Buch: Stadt Land Mord: Kriminelle Briefe nachgelassener Frauen nebst zweier Anhänge, von Fanny Müller (1998) – 4 Sterne

Je nun. Nette Comedy. Zwei Frauen korrespondieren in diesem Buch, beide klingen jedoch praktisch gleich (obwohl sie vermutlich von unterschiedlichen Autorinnen geschrieben wurden; Susanne Fischer ist Ko-Autorin). Auch sonst wurde jede Plausibilität geopfert, um noch ein bisschen mehr Klamauk unterzubringen. Die Handlung ist vertrackt und zum Schluss gar nicht nachvollziehbar, die Charaktere wirken sehr unrealistisch,…

Kino-Buch: My Movie Business: Mein Leben, meine Romane, meine Filme (1999), von John Irving – 3 Sterne

Un-UnterhaltsamNun ja. Das ist also von John Irving? So un-organisiert, so un-unterhaltsam? Ich hätte nicht gedacht, dass der Dozent für „Creative Writing“ so etwas wenig Strukturiertes wie „My Movie Business“ abliefert. Und nicht mal für einen deutschen Titel hat es gereicht (ich hatte wohlgemerkt die deutsche Ausgabe). Darum geht es im Buch: Die meisten Kapitel…

Deutscher Roman: Ein Mann wie Holm, von Matthias Keidtel (2006) – 5 Sterne

Viele kleine lustige Ideen, ich habe öfter geschmunzelt, aber nicht gelacht. Auf die Dauer wirkt die Masche – ein Eigenbrötler steigert sich immer weiter in abstruse Gedankengänge hinein und lässt sich davon zu abwegigem Handeln bringen – aber ermüdend. Man hat den Eindruck, dass der Autor einfach seinen eigenen Alltag noch einmal durch die „Holm-Brille“…

Westafrika-Roman: The African, von William Conton (1960) – 3 Sterne

Autor Conton war Akademiker, Institutsleiter, Lehrer und Gelehrter, und so wusste er: jeder muss ihm zuhören, auch wenn er langweilt. Also müht sich der Verfasser nicht um Leserfreundlichkeit, auch nicht in diesem „Roman“. Ödes Geschwafel: Vor allem der erste Buchteil wirkt weitschweifig, überladen mit Verallgemeinerungen, Besserwissereien und wohlfeilen Phrasen. Dieser Abschnitt klingt wie eine flüchtig…

Ghana-Karibik-US-Roman: The Seasons of Beento Blackbird, von Akosua Busia (1996) – 4 Sterne

Solomon Wilberforce ist ein unglaublich toller Mann: Zwei Frauen heiraten ihn gleichzeitig, eine dritte schmachtet ihn auch noch an, sogar noch eine vierte – die Autorin Akusoa Busia. Wilberforce hat einen tollen Körper, er setzt sich für Unterpriviligierte und Schwarzafrikaner ein, bringt seiner Aktuellen Haferflocken ans Bett und schwimmt im Geld, ohne dass er groß…

Afrika-Roman: Snares without End, von Olympe Bhêly-Quénum (1960) – 4 Sterne

Das Buch (erstmals veröffentlicht 1960) zerfällt in zwei heterogene Hälften: Die erste konzentriert sich aufs Dorfleben in Benin (damals Dahomey), wir lernen ein oder zwei Familien genauer kennen, es gibt Freude und Tragödien. Der afrikanische Ich-Erzähler klingt etwas naiv und weitschweifig, das passt jedoch gut zum Thema, ebenso wie die leicht altmodische, aber sehr runde…

Afrika-Flieger-Roman: Tango Africano, von Hardy Krüger (2010) – 5 Sterne

Eine interessante Geschichte von interessanten Menschen – sympathische Leute, etwas abenteuerlich und etwas eigenwillig, aber auch nicht aufdringlich unkonventionell. Teilweise sogar spannend. Doch Krüger schwurbelt so schwülstig, dass ich das Buch im ersten Drittel öfter fortwerfen wollte. Jeder Groschenroman klingt wie ein Computerhandbuch gegen diese antiquiert gestelzten Worthülsen. Au weia, dachte ich: Am schwersten ertrug…

Rezension Kurzgeschichten: Verbrechen, von Ferdinand von Schirach (2009) – 7 Sterne

Von Schirach erzählt knapp, nüchtern, mild lakonisch, das Gegenteil von geschwätzig. Das liest sich leicht konsumierbar und klingt wohltuend anders als deutsche Prosa sonst. Eine Geschichte dauert nicht länger als 20 Minuten, dann folgt der nächste Mord. Nebenbei liefert von Schirach interessante Blicke hinter die Kulissen von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, die man sonst nur von…

Japan-Roman: Die Journalistin, von Saiichi Maruya (1993) – 3 Sterne

Der Ton: salopp und launig. Das wirkt zeitweise unterhaltsam („angetüterte Quasselstrippe“), aber nicht immer angemessen („der reinste Schwachsinn…, eine Frau mit Husserl vollzulabern“) und man fragt sich, ob der Autor im Original ähnlich umgangssprachlich schwadroniert. Öfter lappt es vom Saloppen ins Nachlässige: einmal schreibt die Journalistin etwas am Laptop, doch dann redet der deutsche Text…

Südfrankreich-Winzerin: La Belle Saison, von Patricia Atkinson (2005, 2. Buch der Reihe, Englisch) – 6 Sterne

Patricia Atkinson hat ihr Weingut in Südwestfrankreich auf sichere Beine gestellt. Jetzt genießt sie Freunde und kulinarische Freuden in der Region: Jeweils mehrseitige Beschreibungen liefert sie u.a. über: Wochenmarkttbesuch, Trüffel suchen, Besuch im Käseladen, Trüffelmarkt, Fasanenjagd mit Gilles, Gerichte mit Trüffeln, Wildschweinjagd mit Manu, Besuch beim Fassmacher und dem Sägewerk, Angeln mit Michel, Weinprobe bei…

Reisebuch Persien, Afghanistan: Der Weg nach Oxiana, von Robert Byron (1937) – 4 Sterne

Das beste Reisebuch der Dreißiger? Bruce Chatwin huldigt ihm und seinem Autor in einem wenig informativen, aber hymnischen Vorwort meiner englischen Picador-Taschenbuchausgabe. Der große Dalrymple scheint zuzustimmen. Ein Erfolg war das Buch jedoch offenbar nicht. Byron interessiert sich kaum für die Menschen unterwegs. Das sind alles Eseltreiber, Fahrer, bestenfalls Botschaftsangehörige. Die Bewohner eines Landstrichs nennt…

Italien-Bericht: Laura, Leo, Luca und ich: Wie man in einer italienischen Familie überlebt, von Stefan Maiwald – 1 Stern

Was ist dieser Maiwald nur für eine Quasselstrippe. Unbedarft hatte ich angenommen, es gehe um Italien. Stattdessen malträtiert Maiwald den Leser mit seiner Vergangenheit als Kampftrinker und Frauenverbraucher in so mediterranen Gefilden wie Braunschweig und Hamburg. Na danke. Dann listet Maiwald stolz die Zeitungen und Magazine auf, die eingingen oder verkauft wurden, nachdem er dort…

Roman: Der irdische Amor, von Hans-Ulrich Treichel (2002) – 3 Sterne

In die HoseLange habe ich keinen Roman in deutscher Sprache, von einem deutschen Autor gelesen. Denn mein Klischee war immer: Die Deutschen schreiben nur über Schreibblockaden in Berlin, über Selbstbefriedigung und pubertäre Erektion, zwingen verkrampft ihre eigene ephemere Biographie ins Buch – ohne den Willen zu unterhalten und eine stringente Geschichte zu erzählen, ohne mal…

Rezension Spanisch-Buch: Spanisch Wort für Wort (Kauderwelsch-Reihe, 2012) – 8 Sterne

Ich habe bestimmt acht verschiedene Spanisch-Sprachführer (mit Schwerpunkt Spanien, nicht Südamerika) verglichen. Dieser hier gehört zu den ganz wenigen, die einen spanischen Satz nicht nur sinngemäß übersetzen, sondern auch Wort für Wort. Also zum Beispiel: Spanisch: Estoy de acuerdo. Wörtlich: (Ich-) bin von Einigung. Sinngemäß: Ich stimme dem zu. Nur so verstehe ich schnell, wie…

Roman: Was zusammengehört, von Markus Feldenkirchen (2010) – 4 Sterne

Was mir gefiel: ab der zweiten Hälfte zunehmend spannend (auch wenn die bloßliegende Geheinmnisenthüllungsverschleppungstaktik des Autors enorm ermüdet) nettes Ablästern über Ryanair der kurze Schülerbesuch beim irischen Bürgermeister brachte mich ein paarmal zum Lachen (anders als der Rest des Buchs) Was mir weniger gefiel: Dialoge selten und peparm völlig unpsychologische Darstellung vor allem der Frauen:…

Andalusien-Auswanderer-Buch: Chickens, Mules and Two Old Fools, von Victoria Twead (2009) – 5 Sterne

In Andalusien war ich auch mal.

Twead schreibt wohlgemerkt lustig und kurzweilig, aber sie verwendet auch viele abgedroschene, erwartbare Phrasen und wiederholt bestimmte Stilmittel ad nauseam: So enden Kapitel oft im spannendsten Moment, um den Leser ins nächste Kapitel zu ziehen; ihr Mann kratzt sich immer gern zwischen den Beinen; und Nachbar Sancho hat eine schwarze Katze und Flatulenz – und…

Kurzgeschichten: Mehr Liebe: Heikle Geschichten, von Frank Schulz (2010) – 5 Sterne

Das ist nichts Großes; man kann es lesen, aber Schulz‘ Hagener Trilogie habe ich als deutlich besser in Erinnerung. Die Geschichten wirken etwas einförmig: Generell spielen sie in Hamburg oder drumrum, zum Beispiel im anzüglich benannten Poppenbüttel (gibt’s das?), in Neu Hörnbach oder sonst in: Alt Hörnbach. Geurlaubt wird auf dem griechischen Festland oder sonst…

Andalusien-Auswanderer: Bottle-brush Tree, von Hugh Seymour Davies – 5 Sterne

In Andalusien war ich auch mal.

Er ist weit gereist und hoch gebildet. Darum findet Hugh Seymour-Davies oft verblüffende Parallelen, interessante Vergleiche und Formulierungen. Er portraitiert seine andalusischen Nachbarn und Handwerker mit nachsichtiger Überlegenheit. Allerdings liefert Seymour-Davies auch sehr langatmige Beschreibungen von Landschaften, Festen, Ernteabläufen und Gebäuden: er will es ganz genau für die Nachwelt festhalten, doch es ermüdet. Einmal schildert…

Roman: Ich sehe was, was du nicht siehst, von Birgit Vanderbeke (1999) – 5 Sterne

Vanderbeke beobachtet fein und schildert Menschentypen mit wenigen Dialogsätzen sehr markant. Scheinbar Nebensächliches taucht Seiten später wieder auf und gewinnt so an Bedeutung. Das französische Ambiente ist angenehm, wenn auch teils ungenau und verklärend dargestellt. Vanderbekes Schreibstil: Aber Birgit Vanderbeke schreibt seitenlange gleichförmige Absätze. Die Dialoge gehen wie Brei in den Absätzen auf, jeder Absatz…

Roman: Das war ich nicht, von Kristof Magnusson – 4 Sterne

Das lässt sich flott runterlesen, der Roman hat Zug und zeitweise Spannung. Allerdings agieren die eigentlich gebildeten und vernunftbegabten Hauptfiguren an entscheidenden Stellen sehr unrealistisch, eine Hauptfigur erklärt sich sogar zwischenzeitlich selbst für verrückt. Zu Recht. Kristof Magnusson bei Amazon (Affiliate Link) Wie realistisch ist das? Kristof Magnusson schiebt seine Figuren wie auf dem Schachbrett…

Rezension Jazz-Biografie: Nica’s Dream, von David Kastin – 7 Sterne

Aufgewachsen als superreiche Rothschild-Tochter in England, dann Pilotin, verheiratet in Frankreich, Kriegsheldin in Afrika, Diplomatengattin in Mexiko, Mutter von fünf Kindern, Eheflüchtling und schließlich jahrzehntelang Gönnerin der New Yorker Jazzszene, eine begüterte weiße Edelfrau unter schwarzen, oft armen und drogensüchtigen Jazzentrikern – Pannonica „Nica“ de Koenigswarter, née Rothschild, hatte ein spannendes, ungewöhnliches Leben. David Kastin…

Buch: Der arbeitslose König. Maghrebinische Märchen, 1983, von Gregor von Rezzori – 3 Sterne

Das erste Märchen erstreckt sich in sieben Kapiteln über knapp 80 Seiten und handelt von einem König, der aus lauter Gefräßigkeit das teure Silberbesteck zusammen mit dem Essen verschluckt; aus Kostengründen isst er alsdann mit den Händen, verschluckt dabei aber seine Faust und nagt später seine Finger mit ab; beim Spähen in den Kopftopf verliert…

Interkultur & Reise: Bücher, die entführen und verzaubern – hin und weg, aber ohne Touristen-Schmu

Gambia: Die Trommeln von Dulaba – Our Grandmothers‘ Drums, von Mark Hudson (1989) Thailand: Sightseeing: Erzählungen, von Rattawut Lapcharoensap (2007) USA & Indien: Fremde Erde – Unaccustomed Earth, von Jhumpa Lahiri (2008) Hongkong: Suzie Wong, von Richard Mason (1957) Trinidad: Ein Haus für Mr. Biswas, von V.S. Naipaul Malay(si)a: Far Eastern Tales, von W. Somerset…