Europa

Buchkritik, Filmkritik: An Education, von Nick Hornby (2009), von Nick Hornby – 8 Sterne – mit Video, Hintergründen & Links

Das Drehbuch (2009): Hornby schreibt scharfe Dialoge: kultiviert, witzig, psychologisch genau und zugleich hintergründig bedrohlich in der Annäherung des charmant-öligen Älteren an die 16jährige Bürgertochter Jenny. Dazu kommen die vielen schnellen Szenenwechsel und die anstehenden Entwicklungen – ich konnte die dünne Fibel kaum weglegen. Nick Hornby bei Amazon Dies ist ein Drehbuch mit Dialogen. Doch…

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Rezension 60er-Jahre-Roman: Miss Blackpool, von Nick Hornby (2014, engl. Funny Girl) – 4 Sterne

Fazit: Der Roman klingt nicht realistisch und lebendig wie andere Hornby-Bücher: Hornby macht nie glaubhaft, warum das Mädchen aus Blackpool in Nordengland Schönheitskönigin wird, dann blitzartig TV-Profis in London überzeugt und warum ihre dümmliche TV-Serie 18 Millionen Zuschauer vor die schwarzweiße Mattscheibe lockt. Hornby behauptet das einfach, fast ohne Beleg. Nichts ist funny. Nick Hornby…

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Kritik Beltracchi-Betrug-Sachbuch: Falsche Bilder, Echtes Geld. Der Fälschungscoup des Jahrhunderts, und wer alles daran verdiente – von Stefan Koldehoff, Tobias Timm (2012) – 7 Sterne

Das Buch schildert die Minutiae eines Kriminalfalls im Kunstmilieu und liefert keine Biografie der Hauptakteure. Die Autoren klamüsern Abläufe haarklein auseinander: endlose Gespräche, Briefe und Mails zwischen Galeristen, Museumsdirektoren, Künstlererben, Auktionshäusern, Kunstwissenschaftlern, Kriminalern, Laboren, Sammlern sowie den Beltracchis und ihren Helfern; die Reisen der Bilder, der Händler und Experten; Austellungsorte, Ausstellungstermine, Zahltermine, Zahlbeträge, Steuerparadiese und…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Rezension Land-Memoiren: Und plötzlich war ich Bäuerin, von Ulrike Siegel (Hg., 2010) – 7 Sterne

Vor der detaillierten Begründung das Fazit: Das Buch ist schlecht getextet, die Geschichten wirken oberflächlich und wiederholen sich, und größere Teile Deutschlands kommen gar nicht vor. Gleichwohl liefert Herausgeberin Ulrike Siegel reizvolle Einblicke ins wahre Leben – jedenfalls mit den Texten, nicht mit den belanglosen Fotos. Amazon-Werbelinks: Dörte Hansen | Walter Kempowski | Ulrike Siegel Kurze Protokolle: 18 Frauen erzählen…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Rezension Memoiren von Ex-Bäuerinnen: Und dann habe ich den Hof verlassen, von Ulrike Siegel (Hg., 2011) – 7 Sterne

„Erstaunlich ist“, sagt Ex-Bäuerin Bettina lange nach Aufgabe der Landwirtschaft, „dass nicht nur wir Erwachsenen, sondern auch die Kinder morgens immer noch keinen Hunger haben, da wir es gewohnt waren, erst nach dem Stall zu frühstücken“ (S. 38). Amazon-Werbelinks: Dörte Hansen | Walter Kempowski | Ulrike Siegel Zum Weinen in den Wald: Bettinas Familie verließ den Hof aus finanziellen Gründen,…

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Ulrike Siegel Bauernhof Dorf

Rezension Memoiren von Bauerntöchtern: Einen Hof verlässt man niemals ganz, von Ulrike Siegel (Hg., 2013) – 5 Sterne

Die 18 Autorinnen aus diesem Band erzählten ihre Geschichte bereits in einem der „Bauerntöchter“-Bücher der Herausgeberin Ulrike Siegel. Hier nun, rund zehn Jahre später, liefern sie Updates ihres Lebens. Die meisten Autorinnen waren offenbar bei Bucherscheinen um 50 oder 60 Jahre alt, erwähnen teils die Silberhochzeit, Demenz und Sterben der Eltern. Allerdings wird das Geburtsjahr…

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Kritik Psychologie-Liebe-Buch: Der unheilbare Romantiker, von Frank Tallis (2018) – 8 Sterne

Fazit: Frank Tallis (*1958) schreibt sehr flüssig mit viel Dialog und wechselt laufend zwischen persönlichen Geschichten und leicht konsumierbarer Seelenkunde. Für meinen persönlichen Geschmack sind die Fälle etwas zu extrem und zu wenig alltäglich – u.a. geht es um Stalking und Sexsucht, nicht immer mag man von „Liebe“ reden. Dass die Geschichten kein Großesganzes ergeben,…

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Kritik Werbeagentur-Roman: Gummi (2003, engl. The Book, the Film, the T-Shirt), von Matt Beaumont – 4 Sterne

Werbeagentur-Chef Greg Fuller in Nöten: Der für den Autoreifen-Werbedreh gebuchte Hollywoodstar sitzt bei der Polizei fest, ein unverzichtbares Kreativteam für Sofaprospekte ist dummerweise gefeuert, die schwangere Ehefrau verlangt dreist Zuwendung, eine zu ehrgeizige Kollegin will ihm an die Wäsche (sie hat freilich unbestreitbare Talente), ein lukrativer Verkauf scheint gefährdet, Gott und die Welt belagern ihn…

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Kritik E-Mail-Romane von Matt Beaumont: E-Mail an alle (2000, engl. e, Teil 1 von 3 der E-Mail-Reihe) + The e. before Christmas (2000, Teil 2) + eSquared (2010, Teil 3) – 7 Sterne

E-Mails, hunderte kurze E-Mails in Londoner Werbeagenturen fliegen durch diese drei modernen Briefromane: E-Mail an alle (2000, engl. e, Band 1) spielt im Januar 2000, The e. before Christmas (2000, Band 2, nicht auf Deutsch, sehr kurz) zeigt dieselben Figuren in derselben Agentur im Oktober 2000. e2 (auch „e squared“, 2010, Band 3, nicht auf…

Kritik E-Mail-Romane von Matt Beaumont: E-Mail an alle (2000, engl. e, Teil 1 von 3 der E-Mail-Reihe) + The e. before Christmas (2000, Teil 2) + eSquared (2010, Teil 3) – 7 Sterne Weiterlesen »

Kritik Grotesken: Katastrophen-Geschichten von Hermann Harry Schmitz – 7 Sterne

Harry Hermann Schmitz (1880 – 1913) schreibt Alltagsszenen: die Familie beim Kaffee, der tropfende Füllfederhalter, der Umzug. Die Geschichten beginnen spießbürgerlich banal und weiten sich bald ins Groteske und Fantastische: Figuren gehen auf den Händen, damit der Füller in der Tasche nicht mehr tropft, Robotermenschen tragen Umzugskisten unablässig auf und ab, die Kaffeemaschine spuckt Tod…

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Romankritik: Heinrich Grewents Arbeit und Liebe, von Christoph Peters (1996/2007) – 3 Sterne

Der Leser verbringt den Roman im Kopf des verkniffenen, unsympathischen Angestellten Heinrich Grewent. Der grämt sich über seine untergeordnete Position in der Firma und bei der Ehefrau. Grewent muss plötzlich geschäftlich auf Bahnreise, ohne die Gemahlin selbst benachrichtigen zu können. Hier übermannen ihn seine Dämonen. Schwaden von Geselchtem: Alles ist aufdringlich und müffelt: Die spröde…

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Buchkritik: Arztroman, von Kristof Magnusson (2014) – 7 Sterne – mit Video

Auweia, vorher nicht gewusst: Der Roman stammt von einem Leipzigabsolventen, er zeigt also volle Leipzigsymptomatik: Schauplatz Berlin; hippes oder semihippes Berlinpersonal; wenig oder blasse Dialoge funkenfrei; blasses Personal und blasses Deutsch, in dem die Erzählstimme Sprödheiten sekretiert wie „Einrichtungsgegenstände“, „Kaffeevollautomat“, „nicht unnormale“, „High-End-Nippes“, „geradezu durchgeknallt beliebt“ oder „die ins Umland fahrenden Regionalexpresse“; unschöne Hilfsverb-Cluster (allein…

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Thailand

Kritik Drehbuch: Manila, von Bodo Kirchhoff und Romuald Karmakar (1998) – 7 Sterne – mit Video

Hin im Bumsbomber, zurück im Tripper-Clipper: In diesem Drehbuch warten ein paar Deutsche am Flughafen Manila auf ihre Maschine nach Frankfurt. Sie reden zynisch vulgär über Sexkauf auf den Philippinen und Live-Enthauptung in Saudi-Arabien. Die Dialoge haben was, wenn man sich für Asien-affine Bumsprolls interessiert, Ballermann verschärft. Kurzweilig auch die vielen Schwenks zwischen den Unterschauplätzen…

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Kritik Kurzgeschichten: Die Einsamkeit der Haut, von Bodo Kirchhoff (1983) – 6 Sterne – mit Video

Fazit: Die Geschichten spielen im Frankfurter Bahnhofsviertel: auf der Straße, in Peepshow-Kabinen, Kantinen und Puffzimmern. Der Ich-Erzähler ist stets unpersönlich, verklemmt mit kleingeistigen und anwidernd pornografischen Gedanken. Den möchte man nicht in der Verwandtschaft haben. Aber Autor Bodo Kirchhoff (*1948) schreibt solides Deutsch und beobachtet genau – wenn auch wieder und wieder das Gleiche. Bodo…

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Erster Lese-Eindruck: Deutschjüdische Glückskinder. Eine Weltgeschichte meiner Familie, von Michael Wolffsohn (2017)

Geschichtsprofessor Michael Wolffsohn hat eine fulminante wahre Geschichte an der Hand: seine Großeltern, gutsituierte Deutschjuden, fliehen 1939 aus Deutschland nach Palästina und kehren schon 1949 zurück nach Berlin. Doch Wolffsohn kleistert sein 3-Generationen-Narrativ mit Kalauern zu, erzählt zudem unorganisiert, nicht um Nachvollziehbarkeit bemüht und selbstgerecht. Darum habe ich die Lektüre auf Seite 100 von 416…

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Romankritik: Rumplhanni, von Lena Christ (1916) – 8 Sterne – mit Video

Fazit: Die ersten drei Viertel spielen auf dem Dorf und bereiten Freude: Deftiges Bairisch, scharfzüngige Dialoge und schöne Beobachtungen, wenn „die Bauern ((…)), die Jungen und die Dienstigen“ interagieren, ganz zu schweigen von den Männern und den Frauen. Ich habe oft laut gelacht, wann gibt’s das schon. Das München-Viertel am Ende klingt ganz anders: Die…

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Buchkritik: Erinnerungen einer Überflüssigen, von Lena Christ (1912) – 7 Sterne

Dieses Buch bietet genug Anlässe, es aus dem Fenster zu werfen: eine kitschig-idyllische oberbayerische Kindheit mit Karikaturdörflern; das Personal ein krasses Schwarzweiß aus bösartigen Monstern (u.a. die Mutter der Ich-Erzählerin) und Herzensguten (viele Fremde, aber zufällig auch die Ich-Erzählerin und ihr Opa); viele Seiten in einem absurd bigotten Kloster. Doch die Memoiren bezaubern mit liebreizendem…

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Buchkritik: Madam Bäuerin, von Lena Christ (1919) – 7 Sterne – mit Video

Fazit: Jungbauer Franz und „Stadtmamsell“ Rosalie wollen heiraten. Doch beide Mütter protestieren gegen eine Stadt-Land-Ehe; zudem ist Rosalie einem spröden Assessor versprochen. Aus diesem schlichten Konflikt zimmert Lena Christ (1881 – 1920) eine alpenländische Romkom, einen heiteren Intrigantenstadl mit vielen vergnüglichen Sprüchen in derbem Bairisch. Die Autorin trägt den Humor etwas breit und schenkelklopfend auf…

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Buchkritik: Mathias Bichler, von Lena Christ (1914) – 5 Sterne

Zwar ist man hier in vertrautem Lena-Christ-Land: auf dem oberbayerischen Dorf, mit all seinen Käuzen; und – bei Lena Christ – natürlich mit unehelichen und Pflegekindern. Doch die Geschichte spielt großteils schon um 1800, rund 100 Jahre früher als andere Christ-Bücher. Amazon-Werbelinks: Bayern-Bücher | Gerhard Polt | Oskar Maria Graf | Ludwig Thoma | Lena…

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Buchkritik: Bauern: Bayerische Geschichten, von Lena Christ (1919) – 7 Sterne

Lena Christ erzählt viele kurze, unverbundenene, humoristische Anekdoten vom Dorf um 1918. Sie schwafelt nicht lang rum, sondern schreibt zackig knapp über ihre typischen Themen vom Bauernstand: Pokern und Schachern um die geldigste Hochzeiterin; Kälber, Ferkel, Hunde und Gockel; Streit mit dem Gespons, dem Nachbarn, der anderen Generation; uneheliche Kinder; Missachtung und Ausbeutung der Alten;…

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Buchkritik: Unsere Bayern anno 14/15, von Lena Christ (1914/15) – 7 Sterne

Fazit: Lena Christ liefert kurze, lebensnahe Vignetten voller Dialog aus den ersten Monaten des ersten Weltkriegs in München und auf dem Dorf – mal kabarettistisch, mal herzerwärmend, gelegentlich beklemmend; schlicht, und doch pfiffig, jedenfalls in den Auszügen der Gesammelten Werke (s.u.). Im Gegensatz zu ihren teils entflammten Figuren klingt die Erzählerin weder hurrapatriotisch noch pazifistisch;…

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Buchkritik: Lausdirndlgeschichten, von Lena Christ (1913) – 5 Sterne

Lena Christ (1881 – 1920) erzählt 16 Sehrkurzgeschichten aus Kinderperspektive. Dabei gibt’s manchmal eine ganze Kinderschar, die untereinander oder mit den Großen Schabernack treiben. Öfter agiert die Ich-Erzählerin allein unter Erwachsenen oder sie erzählt nur Geschehnisse zwischen Erwachsenen nach. Oft geht es um verlockende Obstbäume, strenge Pfarrer und Lehrer, Eltern, Nachbarn jeden Alters – auf…

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Buchkritik: Lausbubengeschichten, von Ludwig Thoma (1905) – 5/10

Ludwig Thoma (1867 – 1921) schreibt kurze nüchterne Geschichten. Es gibt keine deftigen Schenkelklopfer und kaum deftiges Bairisch, auch kein deutlich bayerisches Ambiente. Ich-Erzähler Ludwig ist immer wieder verwickelt in: Steine durch Fensterscheiben; hinterhältige Beleidigung; Prügelei; Pulverfrosch an Katzenschwanz; Pulver in Modellboot; kaputte Goldfische; Senf an Türschnalle; Farbe auf Lehrerpult; Pech auf Lehrerstuhl; Blindschleichen im…

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Buchkritik: Tante Frieda, von Ludwig Thoma (1907) – 6 Sterne – mit Links

Zwei der sechs Geschichten erinnern deutlich an Ludwig Thomas Lausbubengeschichten von 1905 (diesmal Schießpulver in Vogelkäfig; Eier, Spucke und Kartoffeln auf Leute; Luftgewehr auf Spiegel). Die vier anderen Geschichten erzählen vom Aufenthalt der jungen Halb-Inderin Cora in der Kleinfamilie des Ich-Erzählers Ludwig: Die Dorfmänner bringen der schönen Cora Ständchen im Mondschein und schleichen verliebt ums…

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Buchkritik: Altaich, von Ludwig Thoma (1918) – 7 Sterne

Die Geschichte kommt langsam in Fahrt, die Dörfler unter sich praktizieren zu viel (so Thoma) „ländliche Wohlhäbigkeit“. Doch sobald die ersten auswärtigen Sommerfrischler im hinterwäldlerischen Altaich aufschlagen, beginnt der interkulturelle Spaß. Da treffen großspurige Kleinbürger und ölige Galane auf verschnarchte Postwirte und gschaftlhuberige Dorfkrämer. Boy meets girl. Die Bayern werden wegen ihres Akzents nicht verstanden,…

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Kritik Kurzgeschichten: Der Münchner im Himmel u.a. Satiren, von Ludwig Thoma (1911) – 7 Sterne – mit Links

Der Halleluja schmetternde Dienstmann Aloisius ist nur einer von vielen Käuzen in dieser Sammlung kurzer, knackiger Satiren. Ludwig Thoma (1867 – 1921) karikiert Spießbürger, Feministinnen, wackere Soldaten, verschnarchte Juristen und Obrigkeitshammel mit kräftigem Strich – dialogreich, militärisch kurz angebunden, vergnüglich. Künstler oder arme Leute figurieren seltener, dafür berichtet Thoma gleich mehrfach aus seinem Rechtsberuf (Der…

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Buchkritik: Lecker derbleckt. Eine kleine bairische Wortkunde, von Gerald Huber (2008) – 7 Sterne

Auf knappem Raum erklärt Gerald Huber (*1962) enorm viele Sprachzusammenhänge – vor allem die Verbindungen des Bairischen zum Lateinischen, Griechischen, Gotischen, Italienischen, Französischen, Hebräischen, Jiddischen, Arabischen, Altnordischen. Das ist sehr erhellend, und kommt so massiert, dass ich vieles gleich wieder vergaß, zumal Huber gern auch lang vergessene Ausdrücke aus uralten Sprachfibeln zitiert, dies in Fußnoten…

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David Nicholls

Buchkritik: Sweet Sorrow – Weil die erste Liebe unvergesslich ist, von David Nicholls (2019) – 7 Sterne

Fazit: David Nicholls schreibt vergnügliche, exzellente Dialoge – vielleicht etwas zu unrealistisch geschriftstellert, wie in einer cleveren britischen Komödie, aber allemal charmant witzig und teils psychologisch feinsinnig. Dazwischen produziert Nicholls jedoch zähe allgemeine Seiten und Beschreibungen – kein konkreter Vorgang, kein Dialog, sondern ein blutarm schweifender Rückblick nach 20 Jahren, in immer neuen Rückblenden. Allgemeines…

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Romankritik: Maigret und der Verrückte von Bergerac, von Georges Simenon (1932) – 7 Sterne

Warum können Deutsche nicht so schreiben? Bei Georges Simenon (1903 – 1989) ist man sofort mitten im Geschehen, wir treffen Durchschnittstypen in der Provinz, es gibt Handlung, Dialog und lebensnahen Alltag. Nach ein paar Seiten stehen wir vor verblüffenden Rätseln, mögen das Buch nicht mehr weglegen, und ist es ja auch dünn. Zudem entwirft Simenon…

Romankritik: Maigret und der Verrückte von Bergerac, von Georges Simenon (1932) – 7 Sterne Weiterlesen »

Kritik der Picasso-Biografie von John Richardson: A Life of Picasso 1881 – 1906 (1991, Bd. I) ᛫ The Cubist Rebel 1907–1917 (1996, Bd. II) ᛫ The Triumphant Years 1917 – 1932 (2007, Bd. III) – 8 Sterne – mit Video

Fazit: John Richardson erzählt recht leger, oft sarkastisch, meinungsfreudig und immer kurzweilig – nie wird er blasiert, langatmig, professoral. Richardson setzt kulturgeschichtliches Wissen sowie Fremdsprachenkenntnisse voraus. Weil Richardson ab den 1950er Jahren ein Freund der Picassos war, aber auch dank seinem Rechercheteam kann er viele neue Interna zutagefördern, auch neue Fotos. Richardson interpretiert intensiv und…

Kritik der Picasso-Biografie von John Richardson: A Life of Picasso 1881 – 1906 (1991, Bd. I) ᛫ The Cubist Rebel 1907–1917 (1996, Bd. II) ᛫ The Triumphant Years 1917 – 1932 (2007, Bd. III) – 8 Sterne – mit Video Weiterlesen »

Kritik Biografie: Pablo Picasso. Eine Biographie, von Patrick O’Brian (1976) – 5 Sterne

Biograf Patrick O’Brian schrieb viele erfolgreiche historische Romane. Auch seine Picasso-Biografie liest sich wie eine genüssliche, geruhsame Erzählung – recht lebendig, sprachlich solid, nie dramatisierend. Zwar berichtet O’Brian chronologisch, doch gern schweift er auch ab, greift voraus und verallgemeinert ein bisschen: Being a father is generally acknowledged to be an ungrateful trade; being a son…

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