Rezension Bollywood-Kracher: Indian Love Story – Lebe und denke nicht an morgen – Kal Ho Naa Ho (2003, mit Shah Rukh Khan, Preity Zinta, Saif Ali Khan; mit Trailer & 4 Songs) – 8 Sterne

Für mich eine der besten Bollywoodkomödien überhaupt. Sie hält ein hohes Tempo; mit Split Screens und anderen, stets lässig-unaufdringlichen Effekten drückt Regisseur Nikhil Advani noch weiter auf die Tube.

Trotz der tragischen Entwicklung am Schluss wirkt der Film – anders als Khabi Khushi Khabi Gham/In guten wie in schweren Tagen/Sometimes Happy, Sometimes Sad oder Kabhi Alvida Naa Kehna – Bis dass das Glück uns scheidet – nie schwer und gravitätisch; vielleicht, weil Amitabh Bachchan hier nicht den überpräsenten Donnervater gibt.

Wenn ich einen deutsch synchronisierten Bollywoodfilm mehrfach sehe, schalte ich spätestens beim zweiten Durchgang den Ton auf Hindi und die Untertitel ein. Doch wegen des rasanten Dialogfeuerwerks sah ich auch die Wiederholung von „Kal Ho Naa Ho“ mit deutschem Ton, um mich mit den Augen ganz auf die Bilder konzentrieren zu können.

Kameramann Anil Mehta fand gefällige Einstellungen, freilich zeigt er New York in „Khabi Alvida Na Khena“ noch deutlich sahniger. Bei „Indian Love Story“ („Kal Ho Naa Ho“) fällt der Schnitt fast mehr auf als die Bilder selbst.

Die Hauptdarsteller überziehen etwas, aber die Sicherungen brennen nicht vollends durch:

  • Saif Ali Khan macht bella figura mit Anzug und glänzender Spiellaune;
  • Preity Zinta brilliert als gestresste, langsam aufblühende Studentin;
  • Shah Rukh Khan dackelt zunehmend, nervt aber erst gegen Ende.
  • Die Mütter Jaya Badhuri (Frau Bachchan) und Reema Lagoo ergeben sich wie immer statisch passiv in ihr Schicksal, die Kinder machen auf niedlich.
  • Die vielseitige Lillete Dubey, sonst meist im ernsten Fach, amüsiert diesmal als lüsterne Tante, während Delnaaz Paul als rundliche Ulknudel Sweetu den Bogen überspannt.

„Kal Ho Naa Ho“ spielt komplett in New York und enthält – abgesehen von ein paar albernen Gebeten und Gesängen – weniger typisch Indisches als alle anderen Bollywoodfilme, die ich kenne. „My Big Fat Greek Wedding“, „Kick It Like Beckham“ oder Italienisch für Anfänger wirken im Vergleich exotischer als „Kal Ho Naa Ho“.

Möchte ich Skeptiker für Bollywood erwärmen, wähle ich wegen der leichten Zugänglichkeit gern „Kal Ho Naa Ho“ (sonst eventuell Chak De! India – Ein unschlagbares Team oder Taare Zameen Par – Ein Stern auf Erden).

Shankar-Loy-Ehsaan produzierten flüssige und moderne Songs. „Kal Ho Naa Ho“ enthält gleich drei meiner Bollywood-Lieblingslieder, neben dem Titelstück das schwungvolle „Kuch To Hua Hai“: hier tänzeln Preity Zinta und Saif Ali Khan unabhängig voneinander verliebt durch die Straßen.

Mitreißend auch die rhythmische Neueinspielung von Roy Orbisons „Pretty Woman“; bei diesem Tanz im Wohnviertel brilliert zudem Choreografin Farah Khan mit ihrem bunt gemischten Ensemble – noch mehr Feelgood geht gar nicht. Die entsprechenden Videos sind hier eingebettet.

Wegen des sülzigen Endes und gelegentlich zu flacher Witze sinkt die Note der ansonsten mitreißenden Komödie. Doch KHNH bleibt einer der epischen Bollywood-Kracher seit 1995:


Bollywood-Empfehlungen auf HansBlog.de:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.