Belletristik

Rezension Indien-Roman: Ernste Männer bzw. Genie ist relativ, von Manu Joseph (2010, engl. Serious Men) – 7 Sterne

Mir gefiel: witziger, teils zynischer Erzählton (ich hatte die englische Ausgabe, Serious Men) Handlung teils skurril und unterhaltsam zeitweise spannend Mir gefiel weniger: die zwei Geschichten des Institutsleiters und seines Sekretärs sind über weite Strecken zu lose verbunden, man liest fast zwei getrennte Handlungen das Institut im Mittelpunkt des Romans wirkt sehr unrealistisch, wie auch […]

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Rezension Multikultur-Afrika-Roman: Fong and the Indians, von Paul Theroux (1968) – 7 Sterne

Kramladeninhaber Fong und seine Frau stammen aus China und sind Christen; Fongs Vermieter und Lieferant Fakhru stammt aus Indien und ist Moslem; dann gibt es noch ein paar lautmaulige Amerikaner. Und sie alle agieren in Ostafrika, in der Fremde. Schwarzafrikaner spielen in diesem Roman dennoch nur eine geringe Rolle; sie kaufen schonmal eine einzelne Zigarette

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Rezension US-Roman: Die Verrückungen der Benna Carpenter, von Lorrie Moore (1986, engl. Anagrams bzw. Anagrammes) – 7 Sterne

Drei moderne Mittdreißiger sind fast die einzigen Akteure in diesem Buch: Benna Carpenter, ihr Mehr-oder-weniger-Partner Gerard und Bennas Freundin Eleonor. Sie parlieren pointenreich, selbstironisch und nonchalant über ihr Leben, insonderheit über ihre Missgeschicke in punkto Liebe. Das liest sich wie eine moderne, intelligente Romkom, etwa ein Film oder Buch von Norah Ephron, ein Film von

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Witziger Indien-Roman: 2 States: The Story of my Marriage, von Chetan Bhagat (2009) – mit Video – 7 Sterne

Wieviel davon stammt direkt aus dem Leben des Autors? Das ist die Frage, wenn Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin deutliche Züge des Verfassers und seiner Angetrauten zeigen. Chetan und Anusha Bhagat betonen den fiktionalen Charakter von 2 States. Die Dialoge sind sicherlich nicht 1:1 mitstenographiert: Sie klingen über weite Teile zu clever, zu scharf und pointiert. Spannend

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Thailand

Historische Malaysia-Kurzgeschichten rezensiert: Far Eastern Tales, von W. Somerset Maugham – 7 Sterne

W. Somerset Maugham bringt Kurzgeschichten aus dem Malaysia (damals Malaya) etwa der 1920er Jahre. Die Stories – oft 30 bis 50 Seiten lang – ähneln einander: Ein paar Leute unterhalten sich, oft auf dem Überseedampfer oder in England, dann kommt die große lange Rückblende nach Malaysia, zum Schluss kehrt Maugham in die erzählte Gegenwart zurück;

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Rezension Hollywood-Roman: Abspann, engl. Karoo, von Steve Tesich (1996) – 7 Sterne

Das Buch zerfällt in zwei Teile: Im ersten flaniert der Hauptdarsteller durch New York, benutzt Leute, plaudert geistreich, enorm zynisch, hochgradig unterhaltsam. Man kann ihm höchstens etwas selbstverliebte Weitschweifigkeit vorwerfen. Ab der Mitte geht es Schlag auf Schlag: Unglaubliche Glücks- und Zufälle ändern das Leben des einstigen Einzelgängers, ein paar Glaubwürdigkeitslücken ziehen sich weiter durchs

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Romankritik: Lachsfischen im Jemen, von Paul Torday (2006) – 7 Sterne

Die Idee ist reizvoll – ich meine die interessante Handlungsidee und die Präsentation quasi ohne Erzähler, sondern nur durch Wiedergabe von fiktiven E-Mails, Interviews und Tagebucheinträgen. Der Autor ist offenkundig auf die britische Regierung (wohl ein Blair-Kabinett) nicht gut zu sprechen, und ein paarmal habe ich laut gelacht über die Politsatire. Diese Schwächen fielen mir

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Rezension Frank-Lloyd-Wright-Roman: Die Frauen, von T.C. Boyle (2009) – 7 Sterne

Erfolgsautor T.C. Boyle fiktionalisiert das Leben des Erfolgsarchitekten Frank Lloyd Wright (1867 – 1959) – mit seinen Frauen und Katastrophen. Zwei seiner typischen Merkmale bringt T.C. Boyle in diesem Roman von 2009 zusammen: teils fiktive Biographie eines wohlhabenden Exzentrikers, den es tatsächlich gab, gern etwas egomanisch wortreiche, detailgenaue Beschreibung, die sehr lebhafte Vorstellungen  erzeugt So

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Thailand

Rezension 3 Malaysia-Romane: The Long Day Wanes, von Anthony Burgess (1956 – 1959) – 7 Sterne

Zahlreiche Exzentriker aller Hautfarben bevölkern den 510-Seiten-Schmöker, der sich aus drei einst einzeln erschienen Romanen zusammensetzt (Time for a Tiger, 1956, dt. Jetzt ein Tiger; The Enemy in the Blanket, 1958; und Beds in the East (1959)). Nur Hauptfigur Victor Crabbe, englischer Pädagoge in Malaysia (damals noch  Malaya) kurz vor der Unabhängigkeit Ende der 50er

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Thailand

Rezension Hongkong-China-Roman: Alle Herrlichkeit auf Erden, von Han Suyin (1952, engl. A Many-Splendoured Thing) – 7 Sterne

Bittersüße, schweifende Liebesgeschichte in Hongkong 1949/50; in China kämpfen sich die Kommunisten an die Macht, Flüchtlinge strömen nach Hongkong. Die Liebesgeschichte selbst ist wunderbar, zart sinnlich, poetisch, mit intelligentem Humor der liebenswerten und unkitschig romantischen Hauptakteure. Han Suyin beschreibt offenbar ihr eigenes Leben und darum bringt sie Nebenstränge in die Geschichte, die bei etwas mehr

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Romankritik: Fabian / Gang vor die Hunde, von Erich Kästner (1931) – 7 Sterne

Viele verblüffende, unterhaltsame Dialoge und kuriose Capricen; gelegentlich meint man, der Autor klopfe sich ob seiner funkelnden, knappen Bonmots und Aperçus diskret selbst auf die Schulter, betrachte sein streng unangepasstes Personal und speziell den unorthodox liebenswerten Alter-Ego-Protagonisten mit viel Wohlwollen. Zur Handlung: Liederliche Weiber und verdrossene Spießer in Berlin. Auf den ersten vier Fünfteln passiert

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Romankritik englische Medien-Satire: Everyone’s Gone to The Moon, von Philip Norman (1995) – 7 Sterne

1996: Der blasse Louis Brennan, 22, wird Topjournalist bei der schicken Farbbeilage, nein, beim Magazin des Londoner Wochenblattes Sunday Dispatch. Große Teile des Romans beschreiben Leben, Liebe und Intrigen in der Redaktion – und in den Swinging Sixties. Fazit: Norman schreibt mit Insiderkenntnis, spannenden Intrigen, deftiger Satire, ausgeprägten Charakteren und eleganten Worten – umso verblüffender,

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Rezension Südsee-Kurzgeschichten: Rain and Other South Sea Stories, von W. Somerset Maugham – 7 Sterne

Kurzgeschichten aus der Südsee. Und W. Somerset Maugham tischt die Klischees faustdick auf: weitgereister Engländer verliebt sich in sinnlich-süße Insulanerin, sie bewohnen glücklich eine Kajüte oder ein Haus an der Lagune (natürlich währt das Glück nicht bis zum Ende der short story) über der Lagune steht eine Mondsichel, an ihrem Rand biegen sich elegante Palmen

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Rezension Trinidad-Roman: Fireflies, von Shiva Naipaul (1970) – 7 Sterne

Eine arme, indischstämmige Familie im Trinidad der 40er und 50er Jahre. Sie wurschteln sich so durch. Das Ganze beschrieben mit leisem Humor, Einfühlung und viel Lokalkolorit. Familienerinnerungen des kleinen Bruders: Shiva Naipaul, kleiner Bruder des Nobelpreisträgers V.S. Naipaul, schildert hier etwas verfremdet seine eigene Sippe. Mitunter hängt er scheinbar auf gut Glück Erinnerungen aneinander, auch

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Rezension Krimi-Roman: Zwei Fremde im Zug, von Patricia Highsmith (1950, engl. Strangers on a Train) – 7 Sterne

Warmduscher trifft auf Psychopathen und lässt sich in eine kriminelle Geschichte hineinziehen. Das Handlungsgerüst von Patricia Highsmith‘ erstem Roman (1950) wirkt allzu konstruiert, doch Zwei Fremde im Zug (engl. Strangers on a Train) fesselt und beklemmt durchgehend – teilweise eine echte Nervenstrapaze für den Leser, mit sehr deutlichen Anklängen an spätere Highsmith-Romane wie die Ripley-Reihe.

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Thailand

Rezension historische Malaysia-Geschichten: The Casuarina Tree, von W. Somerset Maugham (1926) – 7 Sterne

Dieses Buch erhielt ich erst nach Far Eastern Tales und More Far Eastern Tales  von W. Somerset Maugham. Alle Geschichten aus The Casuarina Tree kannte ich damit schon. Meine sehr ähnlichen Bewertungen der zwei Far Eastern Stories-Sammlungen gelten also auch hier. Casuarina Tree enthält je anderthalb mild interessante Seiten Vor- und Nachwort von Maugham. Die

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Rezension Sklaverei-Roman: Der Vizekönig von Ouidah, von Bruce Chatwin (1980) – 7 Sterne

Chatwin beschreibt sehr unterschiedliche Zeiten und Räume: Benin im 20. Jahrhundert (da hieß es noch Dahomey), Benin im 19. Jahrhundert, brasilianisches Hinterland im 19. Jahrhundert – und das teils nicht chronologisch. Das erratische Verhalten der Hauptakteure führt zu weiteren eigentümlichen Handlungssprüngen, man könnte fast sagen -brüchen. Der kurze Roman hat vor allem im ersten Teil

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Rezension historischer Bauernschwank: Die Chronik von Flechting, von Oskar Maria Graf (1925) – 7 Sterne

In einem Dorf am Starnberger See, so um 1850, gehen die Geschäfte gut, seit sich der König dort niedergelassen hat. Auch die Fargs, Außenseiter eigentlich, prosperieren mit Handwerk, harter Arbeit und Spekulation. Doch nichts bleibt, wie es ist. Einer belauert den anderen und will den eigenen Vorteil einfahren. Oskar Maria Graf schildert Schlaumeier, Ausg’schamte, Schaffer

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Lustiger England-Roman rezensiert: Das Intimleben des Adrian Mole, 13 3/4 Jahre alt, von Sue Townsend (1982) – 7 Sterne

Nett, lustig, leicht. Kann man einfach so runterlesen, und die Unterteilung in viele viele kleine Tagebuch-Häppchen macht es noch leichter. Mitunter sind die Witze vorhersehbar, das Konstruktionsprinzip von Sue Townsend ist gut, aber zum Schluss etwas abgehangen. Aber es wird nie selbstgefällig, wie bei deutschen Autoren, die heimlich doch nur über sich selbst schreiben. Die

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Thailand

Rezension Thai-Dorf-Geschichten: Village Vignettes: Portraits of a Thai Village, von Michael Smithies (2004) – 7 Sterne

Das sind wirklich Vignetten: Keine Geschichte zählt mehr als vier Seiten, die Mehrzahl kommt mit zwei Seiten aus. Darin portraitiert Smithies schnörkellos, in schlichtem Ton, Dörfler aus dem Nordosten Thailands, genauer aus dem südlichen Isaan (die nächste Großstadt ist Korat). Distanzierter Ton: Manches Kurzkapitel umfasst 50 Jahre einer ganzen Familie. Immer wieder geht es um

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Rezension deutscher Roman: Die Haushälterin, von Jens Petersen (2005) – 7 Sterne

Ein schüchtern pubertierender Junge und sein arbeitsloser, oft alkoholisierter Vater rivalisieren um die Haushälterin. Die kommt weniger als „Raumpflegerin“ daher, eher wie eine sehr lebendige, durchaus anziehende Studentin. Die wenigen Darsteller werden sehr genau beobachtet, die wachsende Spannung und Anspannung im Haus ist mit Händen zu greifen und machte mich fast nervös, sogar ärgerlich. Dabei

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Thailand

Singapur-Roman: Saint Jack, von Paul Theroux (1973) – 7 Sterne

Paul Theroux hat es wieder raus: Die schwüle Atmosphäre, die finsteren Gassen voller Ratten und Gangster, die Malaiien, Chinesen, Inder, Engländer im Singapur der 70er – er zeichnet dieses Bild lebhaft plastisch, mit staubtrocken-coolen Dialogen. Mittelalte Männer der unteren Mittelschicht bringen die Zeit in einem mittelprächtigen Club herum. Sie sind die Macher und Macker hier:

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Rezension USA-Indien-Roman: Das Tiefland, von Jhumpa Lahiri (2013, engl. The Lowland) – 7 Sterne

Jhumpa Lahiri schreibt psychologisch dicht, einfühlsam, und wahrt dabei immer eine einfache, fast lakonische, unaufgeregte Sprache, die ich auch im englischen Original „The Lowland“ leicht lesen konnte. Wichtige Elemente der Geschichte sind plötzliche Beziehungsabbrüche, Einsamkeit und die Nachwirkungen politischer Gewalt. Interessant wirken kurze, unaufdringliche Ausflüge in die Geschichte und in die Wissensgebiete der Buchfiguren, so

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Historischer Afrika-England-Roman rezensiert: Der Eiskrem-Krieg, von William Boyd (1982) – 7 Sterne

Gut erzählt mit vielen kleinen Details, die das räumlich und zeitlich ferne Szenario fast in Vergrößerung zeigen. Dabei präsentiert William Boyd seine präzisen Einblicke so en passant, dass er nie angeberisch faktenhubernd klingt. Ebenso knapp, aber sehr detailliert schildert Boyd auch männliche Sexualität und Kriegsgreuel, mmmhh. Boyd schreibt unterhaltsam, aber mit reichem Wortschatz und viel

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Rezension Schweiz-Roman: Die toten Männer, von Lukas Bärfuss (2002) – 7 Sterne

Der Ich-Erzähler schwärmt von einer Welt ohne Liebe und bevorzugt behelfsweise „Liebe ohne Gefühle“ wie bei seiner alten Mutter, die er sich gut in Edelstahlausführung vorstellen kann. Mit leicht abstrusen, aber genau geschilderten und auch etwas faszinierenden Gedanken will der EQ-Autist sich von allen und jedem distanzieren, verstrickt sich aber nur immer mehr mit seiner

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Satirischer Diplomaten-Roman rezensiert: Unser Mann in Afrika, von William Boyd (1981) – 7 Sterne

Zeitweise war ich mir nicht sicher: Ist der Autor so pubertär, oder nur seine Hauptfigur? Die niederen Gelüste des Morgan Leafy bekommen viele Zeilen in diesem Westafrika-Roman, unangenehm viele, und gelegentlich geht es sogar saftig ins Urologische – kein guter Lesestoff beim Frühstück, aber ein Anlass, bestimmte venerische Komplikationen einmal nachzuschlagen. Dann noch derbe, schnell

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Rezension Indien-Roman: Mister Alis Hochzeitsagentur für hoffnungslose Fälle – The Marriage Bureau for Rich People, von Farahad Zama (2008) – 7 Sterne

Behagliche Bürgergemütlichkeit in Visakhapatnam (Vizag), Andhra Pradesh, Indien: Das Rentner-Ehepaar Herr und Frau Ali eröffnet zu Hause eine Heiratsvermittlung, damit Staatsdiener a.D. Herr Ali die Gemahlin nicht immer bei der Hausarbeit stört. Mit viel Witz und etwas Schlitzohrigkeit verfügen die Alis schon bald über eine gut gefüllte Interessentenkartei. Besonders gut gehen gleich zu Beginn Mitglieder

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Roman-Kritik Ruanda-Genozid: Hundert Tage, von Lukas Bärfuss (2010) – 7 Sterne

Eine explosive Mischung aus Völkermord, körperlicher Liebe, Entwicklungspolitik, Obsession, Afrika, Schuld, innerafrikanischem Rassismus, Gräueln, Blut, Verantwortung, Tierliebe, Gewissenskonflikten, Aids: Sex & Crime maximal, und den zweiten Buchteil sollten Sensible nicht beim Essen lesen. Im Absurdistan der Entwicklungshilfe: Gleich am Anfang wird erwähnt, dass dieser Roman in die Katastrophe schlittert, dass Hauptfiguren leiden werden, aber es

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Rezension deutsche Erzählung: Schweigeminute, von Siegfried Lenz (2008) – 7 Sterne – mit Video

Siegfried Lenz erzählt hauchzart eine Sommerliebe an der Ostsee, nur ein Sommer, zwischen Schüler und junger Lehrerin, vor einigen Jahrzehnten schon. Das Ende erfährt man gleich zu Beginn und Siegfried Lenz wechselt immer wieder die Zeitebene. Lenz, bei der Niederschrift über 80, erzählt in seiner ersten Liebesgeschichte betont behutsam, achtsam, rücksichtsvoll. Mitunter wirkt er dabei

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Romankritik Westafrika-Krimi: Instruments of Darkness, von Robert Wilson (1995, Teil 1 der Bruce Medway-Reihe) – 7 Sterne

Robert Wilson ist besonders bekannt für seine Javier Falcón-Krimis aus Südeuropa, die ab 1999 erschienen und auch ins Deutsche übersetzt wurden. Zuvor schrieb Wilson allerdings vier Krimis über Bruce Medway in Westafrika, die weniger Leser haben. Diese Westafrika-Reihe beginnt mit Instruments of Darkness. Was mir an Instruments of Darkness gefiel: Hochatmosphärisch. Jeder stinkende Hinterhof, jede

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Rezension Trinidad-Roman: Wahlkampf auf karibisch – Oder: Eine Hand wäscht die andere, von V.S. Naipaul (1958, engl. The Suffrage of Elvira) – 7 Sterne

Das groteske Wahlkampfspektakel im hinterwäldlerischen Inland von Trinidad bringt Geldgier, Aberglaube, Standesdünkel und Machtpoker zum Vorschein. Das übliche Demokratieverständnis wird parodiert; so erklärt Harichand, der örtliche Druckunternehmer, ganz ernst: Demokratie ist, wenn ich an den Druckaufträgen der Parteien verdiene (ein ähnliches Motiv kehrt wieder in einem Indonesien-Roman von Ratih KumalaIndonesien-Roman von Ratih Kumala). Fast wie

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