Tag Archive for Sachbuch

Rezension Sierra Leone-Bericht: Green Oranges on Lion Mountain, von Emily Joy, fast identisch mit What for Chop Today: Her Mission was to Save Lives, von Gail Haddock bzw. (2001) – 8 Sterne

Himmelschreiend komisch, tragisch, tragikomischDieser Sierra Leone-Bericht erschien fast identisch zweimal mit zwei verschiedenen Titeln und Autorennamen: Zuerst: What for Chop Today: Her Mission Was to Save Lives, von Gail Haddock (das ist ihr richtiger Name) Und dann: Green Oranges on Lion Mountain, von Emily Joy (später erschienen unter Pseudonym, Sierra Leone wird in Lion Mountain…

Peter Scholl-Latour 1924 – 2014

Interessanter als die üblichen Nachrufe war eine Würdigung seiner Arbeit, die Rudolph Chimelli schon im März 2014 in der Süddeutschen Zeitung (SZ) veröffentlicht hatte (alle Links unten). Links zu Verrissen Scholl-Latourscher Bücher finden sich in der deutschen Wikipedia. Nachrufe bei Spiegel Online, SZ Rudolph Chimelli in der SZ über Scholl-Latour Links zu Scholl-Latour in der…

Reisebuch: Malaria Dreams: An African Adventure, von Stuart Stevens (1989) – 5 Sterne

Routiniert getextete Reiseanekdoten in sehr leichtem Englisch, die ich wie Butter runtergelesen habe. Die erste Buchhälfte handelt wohlgemerkt nur von bürokratischen Problemen in der Zentralafrikanischen Republik und in Kamerun, die Akteure sind hier noch nicht unterwegs. Amazon-Werbelinks: Ganz Afrika | Südafrika | Kenia | Marokko Der Reiseteil selbst geht nicht in die Tiefe, man hört…

Reiseführer-Rezension von 2009: The Gambia & Senegal, von Katharina Kane – 7 Sterne

Sehr nützlich, aber mit rosa BrilleKatharina Loebeck Kane schildert Senegal und Gambia wirklich genau und kennerhaft, speziell Musik- und Vogelfreunde kommen auf ihre Kosten. Ich bin auf keine einzige falsche Telefonnummer gestoßen – das schafft nicht jeder Lonely Planet. Dass die Internet- und E-Mail-Adressen aus dem Senegambia-Lonely-Planet oft nicht funktionieren, kann man Loebeck Kane nicht…

Rezension Afrikabericht: French Lessons in Africa: Travels with My Briefcase Through French Africa, von Peter Biddlecombe (1992) – 7 Sterne

Korruption und Kamelmetzger – unterhaltsamDer unterhaltsame Band endet etwa 1993, als Mobutu Sese Seko noch für Schlagzeilen sorgte. Biddlecombe berichtet rund 50 Seiten lang aus jedem Land Französisch-Afrikas. Viele Begegnungen: Dabei sind die Kapitel sehr unterschiedlich aufgebaut, folgen keinem festen Schema. Mitunter beginnt Biddlecombe mitten in einem Länderkapitel mit ausgedehnten Schwenks und Vergleichen zu anderen…

Reise-Heft: Geo Special Westafrika (2000) – 4 Sterne

Begrenzter Blick[fsg_gallery id=“10″] Wohlgemerkt, dieses Heft von 2000 behandelt nur vier Länder: Sehr ausführlich Mali und Senegal, kürzer die Kapverden (Cabo Verde), noch kürzer Gambia – das war dann „Westafrika“. Zum Erscheinungstermin des Hefts versanken andere Länder Westafrikas in Krieg und Unruhen, so etwa Sierra Leone, aber gleich alle? Also: Über Ghana, Elfenbeinküste, Burkina Faso,…

Reisebuch: Mali Blues: Ein afrikanisches Tagebuch, von Lieve Joris (2000) – 5 Sterne

Als ich Mali Blues im Frühjahr 2010 bestellte, meldete Amazon als Erscheinungsdatum 2000. Das Buch selbst beginnt aber mit der Spitzmarke „Dakar, 16. Juni 1993„. Wenn ich das gewusst hätte. Das Buch zerfällt in zwei Teile: Auch wenn es nicht so gekennzeichnet ist, zerfällt Mali Blues in zwei sehr unterschiedliche Teile, die aus je zwei…

Indien-Filmbuch: Slumgirl: Wie mein Traum von Hollywood wahr wurde (2009) – 5 Sterne

Rubina Ali ist eine Nette. Lebhaft und trägt das Herz auf der Zunge. Dreharbeiten und Veranstaltungen rund um den Film Slumdog Millionaire waren ein großes, buntes Abenteuer für die vormals völlig unerfahrene Grundschülerin aus einem Elendsviertel in Bombay. Rubina Alis Bericht ist ordentlich eingedeutscht, der Ton kindlich-naiv. Man sieht geradezu die aufgeregt leuchtenden Augen der…

Historischer Afrika-Bericht: Journey without Maps, von Graham Greene (1936, dt. Der Weg nach Afrika) – 5 Sterne

Eine bizarre Expedition, 1935 zu Fuß durch entlegene Dörfer und Wälder Sierra Leones, Guineas („France“) und Liberias. Oder eher keine Expedition, denn es galt nichts Neues zu entdecken: Es war mehr eine ausgedehnte Wanderung: Graham Greene, seine Cousine Barbara Greene (er etwa 30, sie 23, beide völlig Afrika-unerfahren) und ein paar Dutzend einheimische Träger. Die…

Kauderwelsch-Sprachführer: Reise Know-How Hindi für Bollywoodfans – 5 Sterne

Mehr Plauderei als SprechkundeAutor Daniel Krasa liefert eher ein Bollywood-Sachbuch in lieblosem Deutsch mit eingestreuten Hindi-Lektionen und wenigen, ausgesprochen schlecht reproduzierten Schwarzweißbildern (ich hatte die Ausgabe von 2007). Für die Reise eignet sich das Bändchen also definitiv nicht. Nur das Grammatik-Kapitel (rund 14 von 190 kleinformatigen Seiten) konzentriert sich ganz auf die Sprache. Dazu kommen…

Kino-Buch: My Movie Business: Mein Leben, meine Romane, meine Filme (1999), von John Irving – 3 Sterne

Un-UnterhaltsamNun ja. Das ist also von John Irving? So un-organisiert, so un-unterhaltsam? Ich hätte nicht gedacht, dass der Dozent für „Creative Writing“ so etwas wenig Strukturiertes wie „My Movie Business“ abliefert. Und nicht mal für einen deutschen Titel hat es gereicht (ich hatte wohlgemerkt die deutsche Ausgabe). Darum geht es im Buch: Die meisten Kapitel…

Rezension Kurzgeschichten: Verbrechen, von Ferdinand von Schirach (2009) – 7 Sterne

Von Schirach erzählt knapp, nüchtern, mild lakonisch, das Gegenteil von geschwätzig. Das liest sich leicht konsumierbar und klingt wohltuend anders als deutsche Prosa sonst. Eine Geschichte dauert nicht länger als 20 Minuten, dann folgt der nächste Mord. Nebenbei liefert von Schirach interessante Blicke hinter die Kulissen von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, die man sonst nur von…

Südfrankreich-Winzerin: La Belle Saison, von Patricia Atkinson (2005, 2. Buch der Reihe, Englisch) – 6 Sterne

Patricia Atkinson hat ihr Weingut in Südwestfrankreich auf sichere Beine gestellt. Jetzt genießt sie Freunde und kulinarische Freuden in der Region: Jeweils mehrseitige Beschreibungen liefert sie u.a. über: Wochenmarkttbesuch, Trüffel suchen, Besuch im Käseladen, Trüffelmarkt, Fasanenjagd mit Gilles, Gerichte mit Trüffeln, Wildschweinjagd mit Manu, Besuch beim Fassmacher und dem Sägewerk, Angeln mit Michel, Weinprobe bei…

Reisebuch Persien, Afghanistan: Der Weg nach Oxiana, von Robert Byron (1937) – 4 Sterne

Das beste Reisebuch der Dreißiger? Bruce Chatwin huldigt ihm und seinem Autor in einem wenig informativen, aber hymnischen Vorwort meiner englischen Picador-Taschenbuchausgabe. Der große Dalrymple scheint zuzustimmen. Ein Erfolg war das Buch jedoch offenbar nicht. Byron interessiert sich kaum für die Menschen unterwegs. Das sind alles Eseltreiber, Fahrer, bestenfalls Botschaftsangehörige. Die Bewohner eines Landstrichs nennt…

Italien-Bericht: Laura, Leo, Luca und ich: Wie man in einer italienischen Familie überlebt, von Stefan Maiwald – 1 Stern

Was ist dieser Maiwald nur für eine Quasselstrippe. Unbedarft hatte ich angenommen, es gehe um Italien. Stattdessen malträtiert Maiwald den Leser mit seiner Vergangenheit als Kampftrinker und Frauenverbraucher in so mediterranen Gefilden wie Braunschweig und Hamburg. Na danke. Dann listet Maiwald stolz die Zeitungen und Magazine auf, die eingingen oder verkauft wurden, nachdem er dort…

Rezension Spanisch-Buch: Spanisch Wort für Wort (Kauderwelsch-Reihe, 2012) – 8 Sterne

Ich habe bestimmt acht verschiedene Spanisch-Sprachführer (mit Schwerpunkt Spanien, nicht Südamerika) verglichen. Dieser hier gehört zu den ganz wenigen, die einen spanischen Satz nicht nur sinngemäß übersetzen, sondern auch Wort für Wort. Also zum Beispiel: Spanisch: Estoy de acuerdo. Wörtlich: (Ich-) bin von Einigung. Sinngemäß: Ich stimme dem zu. Nur so verstehe ich schnell, wie…

Andalusien-Auswanderer: Bottle-brush Tree, von Hugh Seymour Davies – 5 Sterne

In Andalusien war ich auch mal.

Er ist weit gereist und hoch gebildet. Darum findet Hugh Seymour-Davies oft verblüffende Parallelen, interessante Vergleiche und Formulierungen. Er portraitiert seine andalusischen Nachbarn und Handwerker mit nachsichtiger Überlegenheit. Allerdings liefert Seymour-Davies auch sehr langatmige Beschreibungen von Landschaften, Festen, Ernteabläufen und Gebäuden: er will es ganz genau für die Nachwelt festhalten, doch es ermüdet. Einmal schildert…