Belletristik

Rezension Schweiz-Roman: Die toten Männer, von Lukas Bärfuss (2002) – 7 Sterne

Der Ich-Erzähler schwärmt von einer Welt ohne Liebe und bevorzugt behelfsweise „Liebe ohne Gefühle“ wie bei seiner alten Mutter, die er sich gut in Edelstahlausführung vorstellen kann. Mit leicht abstrusen, aber genau geschilderten und auch etwas faszinierenden Gedanken will der EQ-Autist sich von allen und jedem distanzieren, verstrickt sich aber nur immer mehr mit seiner…

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Rezension deutsche Erzählung: Schweigeminute, von Siegfried Lenz (2008) – 7 Sterne – mit Video

Siegfried Lenz erzählt hauchzart eine Sommerliebe an der Ostsee, nur ein Sommer, zwischen Schüler und junger Lehrerin, vor einigen Jahrzehnten schon. Das Ende erfährt man gleich zu Beginn und Siegfried Lenz wechselt immer wieder die Zeitebene. Lenz, bei der Niederschrift über 80, erzählt in seiner ersten Liebesgeschichte betont behutsam, achtsam, rücksichtsvoll. Mitunter wirkt er dabei…

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Rezension Theater-Farce: Noises off, von Michael Frayn (1982, dt. Der nackte Wahnsinn) – 7 Sterne

Theaterstücke gedruckt sind per se kein reines Lesevergnügen und dieses von 1982 vielleicht noch weniger als andere. Alle Figuren erscheinen mit zwei verschiedenen Namen im Text: So heißt eine Schauspielerin der Rahmenhandlung Belinda, doch im Stück im Stück spielt sie eine Flavia. Je nachdem, ob sich die Figur innerhalb oder außerhalb des Stücks im Stück…

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Roman-Kritik Chinesen in England: Sour Sweet, von Timothy Mo (1982) – 7 Sterne

Gefühlt 65 Prozent des Buchs von 1982 widmet Mo einer Hongkong-chinesischen Kleinfamilie, die sich mit einer Imbissbude eine Existenz im ärmeren Teil Londons aufbaut – unterhaltsam, einfühlsam und mit trockenem Humor, dazu verblüffende Einblicke und Begegnungen. Es klingt, als sei Mo selbst dabei gewesen und hätte doch die nötige Distanz, die Entwicklung allgemeinverständlich und Roman-tauglich…

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Rezension zynischer Kriegsroman: Catch-22, von Joseph Heller (1961) -7 Sterne

Zynischer Roman über eine US-Fliegerstation in Italien gegen Ende des zweiten Weltkriegs (dt. und engl. Titel Catch-22). Die Absurdität des Kriegs wird in vielen Facetten durchgespielt – meist nicht im Kampf, sondern im Fliegerhorst oder bei Ausflügen nach Rom. Der Ton ist trocken, nonchalant, sarkastisch, zynisch und unterhaltsam intellektuell. Brillanter Stil: Selten war ein Roman…

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Lustiger Roman rezensiert: Adrian Mole und die Achse des Bösen, von Sue Townsend (2006) – 7 Sterne

Und schwups hat man hundert Seiten gelesen, so leicht geht das runter, wenn auch anfänglich weniger lustig. Ab der zweiten Hälfte wird es bitterer, aber gleichzeitig auch humorvoller. Es ist ein Roman auf einer sehr geraden Zeitachse mit einem Kapitel pro Tag; es könnte auch ein normaler Roman sein: das Tagebuchschema spielt, anders als in…

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Rezension Miami-Roman: Back to Blood, von Tom Wolfe (2012) – 7 Sterne – mit allen wichtigen dt. & engl. Presse-Links, Hintergründen & Video

Seinen massiven Miami-Roman bevölkert Erfolgsromancier und -journalist Tom Wolfe mit einem ganzen Bestiarium bizarrer Figuren. In den Hauptrollen: ein junger Kuba-stämmiger Polizist, seine junge Latina-Ex, zwischenzeitlich mit einem ebenfalls wichtigen Psychiater für Porno-abhängige Milliardäre liiert, ein paar russische und amerikanische Milliardäre, schwarze Crackdealer, ein junger weißer Journalist mit Yale-Vergangenheit (wie einst Wolfe), der schwarze Polizeichef…

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Rezension Kautschuk-Roman: Cahuchu, Strom der Tränen, von Vicky Baum (1943) – 7 Sterne

Jede Episode zum Thema Kautschuk und Industrialisierung hat 50 bis 80 Seiten, die meisten Episoden sind kaum verbunden und spielen – chronologisch angeordnet – in unterschiedlichen Jahrhunderten und Kontinenten, unter anderem in Brasilien, Indonesien, USA, Deutschland und im Krieg in Nordafrika. Die Episoden erzählen von Indios, Unternehmern, Pflanzern, Forschern und Soldaten. Eine Figur, die in…

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Rezension Kurzgeschichten: Verbrechen, von Ferdinand von Schirach (2009) – 7 Sterne

Von Schirach erzählt knapp, nüchtern, mild lakonisch, das Gegenteil von geschwätzig. Das liest sich leicht konsumierbar und klingt wohltuend anders als deutsche Prosa sonst. Eine Geschichte dauert nicht länger als 20 Minuten, dann folgt der nächste Mord. Nebenbei liefert von Schirach interessante Blicke hinter die Kulissen von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung, die man sonst nur von…

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