Tag Archive for Zeitung

Nach 15 Jahren Süddeutscher Zeitung: Was ich vermissen werde – und was nicht

15 Jahre lang kam die Süddeutsche Zeitung zunächst jeden Samstag, dann jeden Freitag und Samstag. Nun (Mitte 2016) habe ich die SZ abbestellt, das Wochenend-Abo gekündigt. Das werde ich vermissen: Hermann Unterstögers launig-versöhnliches „Sprachlabor“ zu kniffligen Deutschproblemen samstags und gegenüber auf der Seite die „SZ-Werkstatt“ (die jedoch offener sein könnte) Heribert Prantls Kommentare; nicht wegen…

Rundfunkgebühren: Bitte auch für gute Zeitungen. Und bitte nicht für öffentlich-rechtliche „Comedy“

Wir sind zwangsverpflichtet, Rundfunkgebühren zu zahlen, und was bekommen wir dafür? Käse und Comedy (abschreckendes Beispiel). Tollen Content liefern dagegen Zeitungen wie Süddeutsche, Zeit, Spiegel – noch. Irgendwann werden sie untergehen. Es tut ja schon weh, wenn man das Aufbäumen der Süddeutschen miterlebt: Sie verkauft jetzt E-Buch-Sammlungen, die Samstagsausgabe wurde viel wochenzeitungiger, züngelt Richtung aufgeklärter…

Besprechung Journalisten-Roman: Die Unperfekten, von Tom Rachman (2011, engl. The Imperfectionists) – 8 Sterne

Der Erfolgsroman schildert einen Reigen amerikanischer Journalisten in Rom, mitunter in Paris, Genf oder Kairo. Überwiegend spielt das Buch von 2005 bis 2010. Jedes Kapitel stellt einen anderen Akteur in den Mittelpunkt; kurze Rückblenden schildern die Entwicklung der Zeitung von 1953 bis in die erzählte Gegenwart. Fazit: Geistreich, kurzweilig, humorvoll und voller Redaktionsalltag – Die…

Roman-Kritik: Towards the End of the Morning – Gegen Ende des Morgens, 1967, von Michael Frayn – 7 Sterne

John Dyson ist unbedeutender Redakteur bei einer Londoner Tageszeitung, langweilt sich dort oft, fühlt sich aber zu Größerem berufen – da wird er zu einer Talkrunde im Fernsehen eingeladen. Sein Ego schwillt, sein Redefluss auch. Autor Michael Frayn karikiert die Eitelkeiten und Banalitäten im Redaktions- und Büroalltag, die Kleinkämpfe und Rangeleien bei der Arbeit und…

Romankritik englische Medien-Satire: Everyone’s Gone to The Moon, von Philip Norman (1995) – 7 Sterne

1996: Der blasse Louis Brennan, 22, wird Topjournalist bei der schicken Farbbeilage, nein, beim Magazin des Londoner Wochenblattes Sunday Dispatch. Große Teile des Romans beschreiben Leben, Liebe und Intrigen in der Redaktion – und in den Swinging Sixties. Fazit: Norman schreibt mit Insiderkenntnis, spannenden Intrigen, deftiger Satire, ausgeprägten Charakteren und eleganten Worten – umso verblüffender,…

Rezension Medien-Bollywood: Page 3 (2005, mit Konkona Sen Sharma) – mit Video – 7 Sterne

Konkona Sen Sharma als Gutmensch und Journalistin trifft in Bombay 2005 auf Promi-Parties, Pädophilen-Parties, Modenschauen, Bisexuelle, Drogies. Ein durch und durch zynischer Film. Wer Zynismus mag, wird gut unterhalten. Gutmensch unter Zynikern und eitlen Hasen: Allerdings passt Gutmensch Madhavi (Konkona Sen Sharma) ohnehin nicht ganz in die Rolle einer Society-Reporterin: Fast von Anfang an begehrt…

Rezension TV-Bericht: Journalismus von morgen – Die virtuelle Feder (Arte 2012) – 7 Sterne

Die Doku zeigt hochinteressante Einblicke in arbeitende Zeitungsredaktionen: Unter anderem Bild und Welt in Berlin, Le Monde in Paris und das mächtige Blatt Patrika im indischen Rajasthan, außerdem Lokalblätter in Frankreich und an der US-Ostküste. Dazu kommen die Meister der digitalen Contentvermarktung und Erfolgsmessung, unter anderem die Macher des Programms Chartbeat in New York und…

Deutscher Roman: Vorn, von Andreas Bernard (2010) – 3 Sterne

Blutleeres Buch in blutleerem Deutsch, zeitweise weinerlich-selbstmitleidig, um hippe junge Medienmenschen in München. Es gibt fast keine Dialoge, die wenigen wörtlichen Sätze klingen genauso leblos wie der allgemeine Erzählton. Nichts erscheint „locker und beschwingt“ – kein Roman, eher ein Text. Selbst die Liebesdramen wirken wie aus zwei Kilometer Entfernung betrachtet – wichtiger sind die Namen…