Doku-Kritik: Remember My Name (2019, über David Crosby, mit Cameron Crowe) – 5 Sterne – mit Video

Eine typische Musiker-Doku: Der Star, hier David Crosby, wird angebetet; Kritik wäre unfein, ja Majestätsbeleidigung.

Der renommierte Filmemacher und Musikjournalist Cameron Crowe (auch beteiligt am fast Doku-artigen Rockspielfilm Almost Famous) ist hier nicht Regisseur, sondern Produzent und unsichtbarer Interviewer (Regie A.J. Eaton). Crowe ist offenbar auch seit Jahrzehnten mit Crosby befreundet oder zumindest bekannt. Na klar.

Die Crosby-Doku walzt die Trauer über eine früh gestorbene Jugendfreundin viel zu weit aus. Crosby darf sich an seine Zeit mit Joni Mitchell erinnern, aber die Anbetungswürdige selbst erscheint nicht vor der Kamera. Crosby klagt, dass keiner seiner berühmten Musikkollegen heute auch nur mit ihm spreche, geschweige denn musiziere, und liefert ein paar diffuse Erklärungen; die vermeintlichen Crosby-Verschmäher sagen aber kaum etwas dazu, warum sie nach gemeinsamen Jahrzehnten auf Abstand gingen, mit Ausnahme von ein paar vagen Worten Graham Nashs. Einschätzungen von Marktbeobachtern und Musikkennern fehlen ganz.

Keine Frage, Crosby ist eine stattliche Figur, altersweise, altersgebeugt, aber immer noch auf der Bühne. Er wirkt vor der Kamera gut – und sehr amerikanisch –, samt jüngerer, liebevoller Frau, und einem Buschel Hunde & Pferde. Seine großzügige Ranch beeindruckt nicht weniger als der schlohweiße Schnauzbart. Ruhig und vertrauenflößend stark schnürt sein schwarzer SUV durch die südkalifornische Hügelkulisse.

Der Film liefert viel Atmosphäre, viel Huldigung, wenig Übersicht und kaum Einordnung.

Assoziationen:

  • Die Doku Echo in the Canyon über Musiker im kalifornischen Laurel Canyon, mit David Crosby u.a. Musikern.
  • Der Spielfilm Laurel Canyon.
  • Nur die Peter-Maffay-Doku der ARD ist noch hagiografischer.

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