Romankritik: Katz und Maus, von Günter Grass (1961) – 7 Sterne – mit 1 Video


Günter Grass schreibt teils enorm lange, unübersichtliche Sätze. Auf die Hauptfigur Mahlke bezieht er sich mal in der dritten, mal in der zweiten Person. Gelegentlich fand ich die Grammatik anfechtbar, auch einzelne Textstellen (so grübelt der Ich-Erzähler, ob Mahlke in der Oster- oder Westerzeile wohnte, doch der Ich-Erzähler wohnte selbst in der Westerzeile, besuchte das Mahlke-Haus in der Osterzeile, da müsste er die Lage kennen). Manchmal erzählt Grass die Hauptsache undeutlich, sie muss aus ihren Folgen oder Nebenaspekten erschlossen werden.

Wegen dieses Springens zwischen „Du“ und „er“ und der unübersichtlichen Erzählweise dachte ich manchmal an verschachtelte kubistische Bilder. Wegen dieser Erzählweise konnte ich auch nicht allen Aspekten der Handlung folgen. Manche Anspielungen auf Historisches verstand ich nicht (und sie wurden auch nicht in der Klett-Lektürehilfe erklärt). Auch die von der Hauptfigur auf den Ich-Erzähler ausgehende Faszination verstand ich nicht. Die aufdringlichen Anspielungen auf die Blechtrommel, die kurz zuvor erfolgreich erschienen war, bekam ich jedoch gut mit.

Mitunter schreibt Grass auch tolles Deutsch, vor allem parodistische wörtliche Rede, und einzelne Beschreibungen.

Das kontroverse Erfolgsbuch wurde 1967 kontrovers verfilmt (Regie Hansjürgen Pohlandt, mit zwei Willy-Brandt-Söhnen, darunter nicht der spätere Schauspieler und Belletrist Matthias Brandt, außerdem mit Wolfgang Neuss und Ingrid van Bergen); zur Geschichte des Films schrieb Enno Stahl das Buch Für die Katz und wider die Maus: Pohlands Film nach Grass.

Freie Assoziationen:

  • Die Kempowski-Bücher Tadelloeser & Wolff (1971) sowie Uns geht’s ja noch gold (1972): Sie beschreiben auch Jugendliche im Krieg oder gleich nach dem Krieg, die teils mehr mit Privatkram als mit dem Großenganzen hadern; Ton und Inhalt unterscheiden sich deutlich
  • Der kurze Roman Der große Gatsby: Beide Bücher haben einen Ich-Erzähler als Nebenfigur; die Hauptfigur heißt der große Gatsby bzw. der Große Mahlke; beide Bücher sind in etwa gleich lang und die Figuren haben einen vage ähnlich großen räumlichen Bewegungsradius.

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