Rezension zynischer Kriegsroman: Catch-22, von Joseph Heller (1961) -7 Sterne

Zynischer Roman über eine US-Fliegerstation in Italien gegen Ende des zweiten Weltkriegs (dt. und engl. Titel Catch-22). Die Absurdität des Kriegs wird in vielen Facetten durchgespielt – meist nicht im Kampf, sondern im Fliegerhorst oder bei Ausflügen nach Rom. Der Ton ist trocken, nonchalant, sarkastisch, zynisch und unterhaltsam intellektuell.

Brillanter Stil:

Selten war ein Roman so dicht gepackt mit Aperçus, Leuchtfeuer und souveränen, weit gestreuten Querbezügen. Auf jeder Seite fiel mir dreimal die Kinnlade herunter.

Insgesamt sehr vergnüglich und stilistisch meisterlich, ohne je unangenehm aufzutrumpfen. Doch vielleicht geriet Catch-22 etwas lang (497 Seiten in meiner englischen Ausgabe): Heller strapaziert das Prinzip, sich widersprechende Aussagen in einen einzigen kuriosen Satz zu packen, auf Dauer zu sehr; ähnlich wie das Stilmittel, Empörendes oder Widersinniges trocken als normal zu präsentieren – auch wenn es immer wieder den Atem raubt.

Übertreibungen:

Störend zudem die Diskussion zwischen jungem US-Soldaten und altem Italiener über Krieg und Nationen als solche – hier wird Heller zu Prediger-haft, selbst wenn er seine Meinung wieder in Absurditäten packt. Und gelegentlich erscheint Hauptdarsteller Yossarian etwas zu rührend aufrichtig und herzensgut gegenüber der allgemeinen Weltstumpfheit.

Meine englische Ausgabe enthielt viele Wörter, die ich nicht kannte, z.B. homiletic, unctuous, pugnacious, swathy, petulant. Dies war ein Grund, warum ich die Lektüre relativ leicht unterbrechen konnte. Dazu kommt natürlich, dass die Handlung eher tröpfelt, in Episoden zerfällt und nicht chronologisch erzählt wird.

Der Roman wurde auch unterhaltsam verfilmt.

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