Westafrika-Roman: The African, von William Conton (1960) – 3 Sterne

Autor Conton war Akademiker, Institutsleiter, Lehrer und Gelehrter, und so wusste er: jeder muss ihm zuhören, auch wenn er langweilt. Also müht sich der Verfasser nicht um Leserfreundlichkeit, auch nicht in diesem „Roman“.

Ödes Geschwafel:

Vor allem der erste Buchteil wirkt weitschweifig, überladen mit Verallgemeinerungen, Besserwissereien und wohlfeilen Phrasen. Dieser Abschnitt klingt wie eine flüchtig hingeschriebene Erinnerung ohne Publikationsabsicht.

Der größere Buchteil spielt in einem leicht fiktionalisierten Sierra Leone, doch das unterhaltsame Pidgin der Region liefert Conton nur in ein oder zwei Sätzen („de engine don die“). Überhaupt gibt es fast keine Dialoge.

Er setzt die falschen Schwerpunkte:

Die politischen Ideen sind Conton eindeutig wichtiger als ein unterhaltsamer Roman. Konflikte werden kaum differenziert, um nur ja Spannung und Interesse zu vermeiden.

Die zwei Ehefrauen kommen nur am Rand vor und tauchen im letzten Viertel gar nicht mehr auf. Weil sich die Situation des Ich-Erzählers im zweiten Buchteil rasant entwickelt, bin ich dennoch bis zum Ende dabei geblieben.

Diese Autoren schreiben besser über Afrika:

Der Teil über die Dorfjugend erinnerte mich momentweise an Camara Layes The Dark Child/L’Entfant Noir, aber Laye ist viel besser. Afrikanisches Dorfleben in Contons Geburtsland Gambia beschreibt sehr eindrucksvoll auch Mark Hudson in Die Trommeln von Dulaba, engl. Our Grandmothers‘ Drums.

Meine Conton-Ausgabe erschien in Heinemanns African Writers Series, unter Beratung von Chinua Achebe. Was hat er sich dabei gedacht? Achebe schreibt so viel besser als Conton. Andere beeindruckende moderne Autoren aus Nigeria sind Adaobi Tricia Nwaubani und Sefi Atta, beide gibt es auch auf Deutsch.


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