Westafrika-Krimi-Roman: The Big Killing, von Robert Wilson (1996, Teil 2 der Bruce-Medway-Reihe) – 4 Sterne

Brutalstmöglich brutal

Eine gute Idee, den liberianischen Krieg hier einzubauen: Das Gemetzel erlaubt Wilson, noch mehr scheußliche Gewalt und Morallosigkeit in seinen Roman zu packen. Geschlachtet und gestorben wird auf jeder zweiten Seite. Auf der jeweils gegenüberliegenden Seite trinkt sich Hauptfigur Bruce Medway einen an.

Sinnlose Gefahr bringt Dramatik:

Der Mann ist zu gutherzig um wahr zu sein und begibt sich oft sehenden Auges sinnlos in Gefahr, nur um die Geschichte spannend zu halten: so übernimmt Medway zu Beginn des Buchs einen höchst problematischen Auftrag. Später legt er sich in einem Zimmer schlafen, in dem ein Killer auftauchen wird.

Das Buch spielt großteils an der Elfenbeinküste, mit kleinen Abstechern in die Nachbarländer Liberia und Ghana. Abgesehen vom schwülen Wetter und ein paar schlammigen Straßen wird die Region nicht sonderlich lebendig. Die meisten Hauptfiguren sind dubiose Weiße oder Araber; die Afrikaner erscheinen oft als schrille Käuze.

Die Handlung vereint Stammesfehden, Waffenhandel, Diamantenhandel, sexuellen Missbrauch, Pornografie und Landwirtschaft und ist äußerst verschlungen – ich konnte nicht immer folgen. Die Dialoge bleiben blass und pointenlos.

Die Bruce Medway-Reihe:

Dies ist der zweite von vier Bänden in der Bruce Medway-Serie, er folgt auf Instruments of Darkness (meine Besprechung dazu). Diesen ersten Teil muss man aber nicht unbedingt kennen, um The Big Killing zu erfassen (es gibt ein paar halbherzige Rückbezüge).

Einige Unterschiede zum ersten Medway-Band:

  • The Big Killing weidet sich stärker an Gewalt.
  • The Big Killing hat weniger exzentrische Charaktere, die auch nicht ganz so ausführlich beschrieben werden. Auch das Lokalkolorit ist in Instruments of Darkness stärker.
  • Die Dialoge unterhalten weniger.
  • Die Liebesgeschichte – und Frauen insgesamt – stehen noch weiter im Hintergrund.
  • The Big Killing spielt meist in der Elfenbeinküste; Instruments of Darkness dagegen in Ghana, Togo und Benin mit einem Abstecher nach Nigeria.

Wilson schreibt auf seiner Internetseite, The Big Killing sei sein liebstes Buch aus der Medway-Reihe. Es sei das Afrikanischste, und er hätte es gerne Heart of Darkness genannt. Ich bin überrascht. Aber der vorliegende Buchtitel passt besser.

Der dritte Teil Blood Is Dirt beginnt wie eine x-beliebige Krimiklamotte: zwei Privatdetektive sitzen beschäftigungslos in ihrem kleinen Büro, ein rätselhafter Klient taucht auf, nebenbei beschreibt der Autor süffisant das Schlachten einer Ziege – und ich habe dann nicht mehr weiter gelesen.

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