Westafrika-Kindheit: The Dark Child bzw. L’enfant noir, von Camara Laye (1953) – 8 Sterne

Haarsträubender Aberglaube, gefährliche Riten – Laye tischt knüppeldick auf. Gleichzeitig taucht er seine Jugend im westafrikanischen Guinea der 50er Jahre in ein güldenes Licht (auf Deutsch als „Einer aus Kurussa“ erschienen).

Trotz all der irrationalen Gebräuche und Denkweisen lächelt man verklärt mit dem Autor:

Die Menschen sind sich zumeist wohlgesonnen, helfen sich bei der Ernte. Die Familie hält strikt zusammen, fast immer gibt es etwas zu feiern.

Der Bericht ist talentiert naiv-schön geschrieben und hier in ein altmodisches Englisch übersetzt, das gut passt (das Translation Journal lobt Kirkups Übersetzung in einer detaillierten Analyse). Der größere Buchteil spielt in der Kleinstadt und auf dem Land. Gegen Ende zieht Laye in die Großstadt Conakry, die Stimmung ändert sich deutlich. Die letzten Seiten mit einer wesentlichen Trennung sind besonders gefühlvoll.

Roman oder Biografie?

Ich habe das Buch als nostalgische Kindheitserinnerung eines Exilanten und nicht als Roman verstanden. Es gibt keinen durchgehenden Plot. Wer sich nicht speziell für Westafrika interessiert, findet vielleicht weniger Gefallen am Buch.

Eventuell hat Camara Laye das Buch nicht allein geschrieben. Layes „Dramouss“ gilt als Fortsetzung von „Enfant noir“, bekommt aber schlechtere Kritiken. Layes The Radiance of the King habe ich abgebrochen.


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