Bridget Jones – Verrückt nach ihm (Roman 2013, engl. Mad about the Boy) – 6 Sterne – mit Pressestimmen

Bridget Jones ist mittlerweile 51, seit fünf Jahren verwitwet, mit zwei Kindern fünf und sieben Jahre alt. In diesem Bestseller berichtet sie hochgradig selbstironisch von ihrer Rückkehr auf den Dating-Markt.

Autorin Helen Fielding schreibt sehr witzig, mit starken Dialogen, SMS- und Twitter-Texten. Dazu kommen amüsante Listen, Zusammenfassungen und schreibtechnische Ideen. Hektik, Unsicherheit und Stimmungswechsel der oft überforderten alleinerziehenden Protagonistin erhellen aus vielen kurzen, mitunter nur einzelne Minuten auseinanderliegenden Tagebuchnotizen, die oft in verknappter Telegrammsprache erscheinen.

Weniger als Stil und Dialoge überzeugt die Handlung. So will Fielding viel Witz aus dem Single-Mom-Dasein ziehen, schildert zu oft chaotische Schulwege, häusliches Durcheinander, Straßenverkehr und Parkplatznot und mehrfach anrüchige Unfälle mit Kindern und Tieren. Sogar über ihren Junglover schreibt die Ich-Erzählerin:

…we were building a little world together: the farts, the vomit, jokes about food…

Dazu kommen weitere Dick-und-Doof-artige Pannen, die ich fast nicht glauben konnte. Ungefähr fünfmal wird es kurz triefend melodramatisch oder kitschig.

Schwer zu verkraften auch: Bridget Jones rennt den Kerlen fast wie ein Schoßhündchen hinterher, schmachtet maskuline Macher-Männer ergeben an und glaubt ernsthaft alles, was schrille Freunde und Dutzende Lebenshilfe-Bücher ihr raten. Sie kontempliert unentwegt ihr Aussehen und verhält sich ein paar Mal absurd dumm (u.a. simst sie privat in wichtigen Konferenzen und obwohl sie unbedingt abnehmen will, verschlingt sie ständig fettiges Zeug).

Assoziationen:

  • Ein anderer lustiger englischer Tagebuchschreiber aus weiblicher Feder ist Adrian Mole.
  • Einige Paarszenen aus London erinnerten vage an David Nicholls (der bei Filmskripten schon mit Helen Fielding zusammenarbeitete).
  • Das verzweifelte Grübeln über Männer und eigenes Aussehen ließ mich auch an die Frauen von Sex and the City denken (tatsächlich entstand die Bridget-Jones-Serie aus einer wöchentlichen Zeitungskolumne Helen Fieldings, die der fiktiven Kolumne von Carrie Bradshaw in SatC wohl nicht unähnlich ist).

Vergleich mit Nachfolge-Band:

In einigen Punkten ähnelt der Roman Am Rande des Wahnsinns (1999) deutlich dem Nachfolger Bridget Jones, Verrückt nach ihm (2013, engl. Mad About the Boy): Die Tagebuchstruktur, die Listen, die selbstverspottende und dann wieder selbstmitleidige Single-Tour, die Hektik, die vielen Pannen. Die Tagebuchstruktur ist im späteren Buch jedoch etwas unterhaltsamer, einfallsreicher und stärker ausgeprägt als in Am Rande des Wahnsinns; überhaupt scheint der spätere Band ein wenig besser geschrieben.

Beide Romane wirken ähnlich lustig. In Am Rande des Wahnsinns agiert und denkt Bridget Jones in ihrem Männerwahn noch etwas dämlich-dümmlicher (nicht lustiger) als später in Verrückt nach ihm. Gleichwohl hat Verrückt nach ihm etwas mehr Kitsch.

Inhaltlich gibt es ein paar Unterschiede: In Verrückt nach ihm ist die Hauptfigur alleinerziehende Mutter; Kinder und Kinderbetreuung spielen also erstmals eine wichtige Rolle. In Am Rande des Wahnsinns erscheinen dagegen nur gelegentlich die Kinder der Freundin Magda. Das frühere Buch hat dafür mehr Szenen aus Jones‘ Arbeitsleben und – ungewöhnlich für die Bridget-Jones-Serie – einen Thailandurlaub samt Fast-Katastrophe. Außerdem stürzt sich Bridget in Verrückt nach ihm leidenschaftlich auf Twitter und Online-Dating; dagegen taucht das Internet in Am Rande des Wahnsinns nur selten auf.

Andere Motive finden sich fast unverändert in beiden Romanen, so Bridgets undifferenzierte Vorliebe für die Labour-Partei, ihr Lebenshilfebüchertick oder ihr Freundeskreis mit Tom, Jude und Magda (nur Lästermaul Sharon/Shazzer fehlt im späteren Buch). Auch Bridgets Teilzeit-frivole Mutter und deren Nachbarn erscheinen in beiden Bänden.

Deutsche Pressestimmen zu Verrückt nach ihm:

Brigitte:

Es gibt gute Gründe, als moderne Frau mit einigermaßen festen Überzeugungen einen Bogen um Figuren wie Bridget Jones zu machen: ihr zwanghaftes Kalorienzählen, verbunden mit der stets mitschwingenden Gleichung dünn = glücklich. Die Tatsache, dass sie offenbar nur mit einem Mann an ihrer Seite die wahre Erfüllung finden kann… so wunderbar ehrlich, unverkrampft und nah dran am Leben, dass man sie einfach lieben muss… Wer ein Faible für Großbritannien im Allgemeinen und romantische Komödien aus Großbritannien im Besonderen hat, für den ist dieses Buch ein Geschenk… 512 Seiten feinstem Unterhaltungsstoff

Abendzeitung:

Der größte Teil des Buches ist in knackigen, einfachen Tagebucheinträgen zusammengefasst, vorangestellt jeweils eine Tages-Statistik, der Kalorienverbrauch, Twitter-Follower, SMS von Toyboys, Läusen im Haar oder geschriebene Drehbuch-Seiten. So lassen sich auch die etwa 500 Seiten schnell lesen. Auch wenn eingefleischte Bridget-Fans ihre Heldin vielleicht nicht wieder erkennen – gute Unterhaltung ist das Buch auch so allemal.

Englischsprachige Pressestimmen:

New York Times (1):

“Mad About the Boy,” is not only sharp and humorous, despite its heroine’s aged circumstances, but also snappily written, observationally astute and at times genuinely moving. Fielding has somehow pulled off the neat trick of holding to her initial premise — single woman looks for romance — while allowing her heroine to grow up into someone funnier and more interesting than she was before… Most of the book is written in the easy, breezy shorthand Fielding perfected in “Bridget Jones’s Diary,” with its dearth of pronouns and articles… This is romantic comedy — chick-lit, really — but its big heart, incisive observations, nice sentences, vivid characters and zippy pace make it a book you could happily spend the night with

New York Times (2):

The only conceivable reason to read about all this is that old habits die hard… Bridget’s story, in this latest and perhaps last installment, is beginning to sound like historical fiction… this sad, untethered book

Guardian:

At times this tone (Gah! Hurrah! V v good, etc) makes her sound annoyingly like a giddy teen, as it always did… offering plenty of scope for tear-jerking moments with the children… Bridget chronicles all this in her own inimitable voice; she is supposed to be ridiculous and often infuriating. But she is also very human, with all her insecurities, and if you don’t shed a few tears in the course of this book, you must have a heart of ice

Los Angeles Times:

Bridget Jones is once again pursued by a bevy of strong-jawed, beefy-armed men who woo her with witty texts and tweets

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