V.S. Naipaul & Familie: Die frühen, humorvollen Trinidad-Romane in der Übersicht

V.S. Naipauls vier erste Romane spielen unter indischen Zuwanderern auf Trinidad, sind alle humorvoll und sehr lesenswert. Geschrieben hat er sie ab Mitte der Fünfziger in England, in dieser Reihenfolge:

  1. Miguel Street
  2. Der mystische Masseur
  3. Wahlkampf auf karibisch
  4. Ein Haus für Herrn Biswas

Das zuerst geschriebene Buch erschien erst nachträglich:

„Der mystische Masseur“ erschien allerdings schon 1957, vor „Miguel Street“ 1959: Der Verlag wollte zunächst einen richtigen Roman herausbringen und erst danach die Episoden der „Miguel Street“. Naipaul schrieb den „Masseur“ offenbar nur, um auch mit „Miguel Street“ herauszukommen.

Alle Bücher schildern viele schlichte, aber eindrucksvolle Charaktere, die viel drastisches Pidgin-Englisch sprechen. Nur im „Masseur“ gibt es ein paar kürzere Ausflüge in Bildungs- und spirituelle Gefilde, ansonsten dreht sich das Geschehen um Zuckerrohrfelder, Hausbau oder Provinzwahlen. Ach ja, hier und da haben Figuren schriftstellerische Ambitionen, aber man denkt kaum an  Narzissmus des Verfassers.

Übersetzer-Probleme mit dem Pidgin-Englisch des Originals:

Das Pidgin-Englisch in allen Büchern kann man so oder so nicht sinnvoll übersetzen. Weil mir das nicht klar war, habe ich „Ein Haus für Mr. Biswas“ dennoch auf Deutsch gelesen – und war sehr zufrieden mit der Übersetzung von Karin Graf.

Graf hat auch den „Mystischen Masseur“ eingedeutscht, doch hier gefiel mir die Sprache auf Anhieb viel weniger. Der verdeutschte Inselslang weckt Unbehagen, in „Biswas“ hat sie statt Slang noch Normaldeutsch geschrieben. Darum würde ich den „Masseur“ nicht in der deutschen Übersetzung empfehlen.

Und auch das gehört dazu:

Ein paar karibische und lustige Kurzgeschichten gibt es auch im englischen Naipaul-Sammelband „The Nightwatchman’s Occurrence Book“; der enthält zudem Naipauls amüsanten London-Roman „Mr. Stone and the Knights Companion“ und weitere exzellente, ebenfalls subtil humorvolle Kurzgeschichten, so das brillante Titelstück. Naipauls Bericht einer siebenmonatigen Karibik-Reise 1960 – The Middle Passage, dt. Auf der Sklavenroute – fällt dagegen sehr stoisch aus.

Fast wie ein etwas schwächerer V.S. Naipaul wirkt der Trinidad-Roman seines kleinen Bruders Shiva Naipaul, „Fireflies“; Shiva Naipauls Trinidad-Roman „The Chip-Chip Gatherers“ erscheint dagegen deutlich düsterer. Ebenfalls keine Zeitverschwendung: Die Geschichten von Seepersad Naipaul, Vater von Shiva und V.S. Naipaul, Adventures of Gurudeva.

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