US-Spielfilm: To Die For (1995, mit Nicole Kidman, Regie Gus Van Sant; mit Trailer & 3 Videos) – 6 Sterne

Nicole Kidman agiert wunderbar als besessen zielstrebige, gezielt liebenswerte, eiskalt planvolle und, ganz nebenbei, gut aussehende Fernsehdiva in spe mit immer neuen, knappen Kostümen in Zitronenfaltergelb, Teerosenrosa und frischem Mintgrün.

Kidmans Betoncharme fegt Widerstände beiseite. Dabei spielt sie – wie alle anderen – nie voll komödiantisch, sondern überzieht nur hauchfein.

Das Problem: Kidman agiert ja wirklich toll.

Warum lässt „To Die for“ dann so kalt?

Zum einen: Den dramatischen Höhepunkt der Geschichte kennen wir schon aus dem englischen Titel und aus den ersten Filmminuten. Das Ende interessiert nicht mehr.

Bei diesem Film ist also die Reise das Ziel: Wie verwirklicht Medienjunkie Kidman ihren Plan, und:

Wie setzt Indie-Regisseur Gus Van Sant das um?

Da fällt zuerst die Montage-Technik auf: „To Die for“ besteht aus hunderten Interviewschnipseln mit allen Kollegen und Verwandten der Hauptpersonen; das Geschehen wird aus verschiedensten Perspektiven und Zeitebenen vorhergesagt, beleuchtet, gedeutet, dann auch direkt gezeigt.

Immer wieder spricht Kidman zudem ganz ohne Interviewer direkt in die Kamera. Erst ganz zum Schluss versteht man, dass sie hier ihre eigene – tragische – Geschichte für eine Fernsehkarriere zynisch affektiert nacherzählt.

Diese Konstruktion weckt Interesse, fesselt aber nicht. Sie passt eher ins Fernsehen als auf die ganz große Leinwand. Die Bilder selbst liefern, abgesehen von der attraktiven Kidman, ebenfalls keine Wow-Erlebnisse (Regisseur van Sant veröffentlichte auch ein Fotobuch).

Zwischenresümee:

Ausgang bekannt, filmisches Konzept eher zwiespältig. Dazu kommt dann: „To Die for“ präsentiert drei schmerzlich hohle, bekiffte Unterschichtteenager, von Kidman zur Umsetzung ihrer Pläne benutzt. Mit ihren bis in unangenehm Privatestes hinein überzeugend gespielten Negativrollen erzeugen die Kids geradezu physisches Unbehagen (einer von Ihnen, Joaquin Phoenix, gab später Johnny Cash in „Walk the Line“).

Matt Dillon darf als 08/15-Gatte keinerlei Profil zeigen. Eher schon überzeugt Illeanna Douglas als nüchterne, menschliche Kidman-Schwägerin, die von Beginn an Übles ahnte. Aber auch sie weckt keine großen Sympathien, verweigert Identifikation.

Es gibt keine Wärme, keine Liebe, Kidmans Position als Wetterfee beim Lokalfernsehen liefert keine Fallhöhe. Eine beißende Satire über Medien und Medienbesessenheit in Nordamerika macht „To Die for“ nicht faszinierend, speziell nicht in Europa.

Drehbuchautor Buck Henry tritt selbst als Lehrer auf, auch Joyce Maynard, Verfasserin des zugrunde liegenden Romans, zeigt sich kurz. Der Regisseur David Cronenberg erscheint zum Schluss als Mann am See.

Ich habe mir die englische Fassung von einer Reise mitgebracht und mit englischen Untertiteln gesehen, um mehr zu verstehen. Die deutschen Stimmen kenne ich nur aus dem Trailer im Internet; sie wirken lächerlich übertrieben.

„To Die For“ ist letztlich unrealistisch und lässt kalt, selbst wenn Vergleichbares in den USA tatsächlich passierte. Die souverän lächelnde, beängstigend unaufhaltsame, dezidiert blonde Nicole Kidman macht To Die For aber sehenswert.



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