Rezension US-indische Kurzgeschichten: Interpreter of Maladies, von Jhumpa Lahiri (1999, dt. Titel Melancholie der Ankunft) – 8 Sterne

Die schreibt ruhig, lakonisch, einfühlsam, nüchtern, souverän, ohne Gimmicks. Jede Geschichte entwickelt einen Sog, so dass man die Lektüre kaum unterbrechen möchte. Ein paarmal war ich den Tränen nah, obwohl Jhumpa Lahiri nie betont rührselig wird.

Wo die Geschichten spielen:

Etwa drei Geschichten spielen komplett in Indien, unter einfachen Leuten in Bengalen. Die anderen Stücke ähneln sich etwas zu sehr: Sie handeln meist von Bengalen an der US-Ostküste, erfolgreichen Akademikern, sehr rationalen Menschen, gutes Essen spielt eine wichtige Rolle; auch die Bibliothekarlaufbahn ihres Vaters inspirierte Lahiri.

Mitunter webt die Autorin zwei disparate Themen in eine Geschichte, die dann nicht ideal harmonieren. Manche Erzählungen enden unspektakulär, um nicht zu sagen unrund. Vielleicht orientierte Lahiri sich hier vor allem an wirklichen Geschehnissen und achtete weniger auf die Erzählwirkung.

In der Regel mag ich keine Kurzgeschichten. Lahiris Roman Der Namensvetter/The Namesake hatte mir aber so gut gefallen, dass ich mir auch die mehrfach preisgekrönten Kurzgeschichten Interpreter auf Maladies auf Englisch bestellt habe (englischer Titel Interpreter of Maladies, dt. Titel Melancholie der Ankunft).

Und die Maladies-Geschichten ähneln sich nicht nur untereinander, sie erinnern auch deutlich an The Namesake. Die letzte Maladies-Kurzgeschichte wirkt fast wie eine Vorstudie zum Roman, der dann einige Jahre später erschien; dennoch haben mir die short stories sehr gut gefallen.


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