Uruguay-Spielfilm: Gigante (2009) – mit Trailer – 6 Sterne

In Gigante (2009) wird gestohlen, geprügelt, randaliert, spioniert. Dennoch hat man das Gefühl, dass nichts passiert: Ein dicker Nachtwächter beobachtet eine schlanke Putzfrau durch Überwachungskameras und Nachstellung – einen ganzen Film lang (der freilich nur 84 Minuten dauert). Dieses Langsame hat mir gefallen: Viele Szenen wirken zweckfrei, bringen ein bisschen Atmosphäre, sind wieder vorbei.

Charmefrei im Supermarkt:

Niemand hier versprüht ein bisschen Charme oder gar Glamour – die unscheinbaren Darsteller, die Hinterräume des Supermarkts, die Wohnungen und die Straßen von Montevideo wirken banal bis schäbig. Sogar der Stadtstrand ist hässlich, wie ein Akteur selbst kommentiert. Nur die Kamera hat ein bisschen Stil und veredelt öde Supermarktgänge oder Vorortpisten mit eleganten Schwenks und Farben.

Man ist zweitweise sehr nah dran am dicken Nachtwächter, riecht die muffige Luft in der Umkleide und den Fraß in der Kantine. Man sieht die Putzfrau per Überwachungsmonitor und hört den Nachtwächter dabei atmen und Knöpfe drücken.

Durchwachsener Gesamteindruck:

Die Putz- und Geschäftsabläufe in dem Supermarkt wirken unrealistisch, ebenso wie der Hang des Nachtwächters zu Kreuzworträtseln und Büchern.

Wer gern Schauspieler durch Supermarkt-Sicherheitskameras beobachtet, kann auch Love, Sex aur Dhoka von Dibakar Banerjee einlegen; dieser Hindi-Film (nicht im Bollywoodstil) ist weit aggressiver als der mehrfach preisgekrönte Gigante. In seiner grauen Trostlosigkeit hat mich Gigante auch an den chilenischen Film Gloria und an Kleine Wunder in Athen aus Griechenland erinnert.


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