Trinidad-Spielfilm: The Mystic Masseur (2001) – mit Trailer – 4 Sterne

„Der mystische Masseur“ spielt in einer armen Provinz im karibischen Hinterland in den 1950ern, doch die Gesichter sind zu glatt (sogar bei Om Puri), die Oldtimer zu blankgeputzt, die Kulissen allzu künstlich. Das verkorkste Pidgin-Englisch klingt nur aufgesetzt, richtige Dörfer sieht man gar nicht.

Indische Indie-Regisseure wie Mira Nair, Nagesh Kukunoor oder Shyam Benegal hätte ich mir beim „mystischen Masseur“ gewünscht, oder vielleicht Jim Jarmusch. Doch Merchant-Ivory zeigen nur hübsch klischierte Bilder von den exotischen Untertanen ihrer Majestät in der guten alten Kolonialzeit – eingerahmt von gepflegten Schwenks über Oxfords Dächer und Buchregale.

Noch mehr Schwächen:

Die Handlung wirkt zusammengestückelt, die Entwicklung kaum nachvollziehbar. Auch wenn die Romanvorlage Der mystische Masseur von V.S. Naipaul deutlich gekürzt wurde, findet man im Film noch viele Originalmotive – zu viele:

Die zahlreichen Zitate aus Naipauls Roman interessieren nur den, der das Buch soeben gelesen hat; ansonsten verwirren sie, weil man anders als im Buch kaum Entwicklungen und Begleitumstände kennt. Der Streifen findet zwischen Roman-Zitaten und forciert schönen Bildern keinen Rhythmus, rumpelt uninspiriert von Szene zu Szene.

Beim Buch habe ich oft gelacht, beim Film vielleicht zweimal. Die Figuren im Film sind weniger kauzig-unterhaltsam als im Roman und die lakonische Erzählstimme fehlt ganz. Neben Trinidad gibt eine Rahmenhandlung mit Schauplatz Oxford, die wenig beiträgt.

Das Buch ist weitaus besser als der Film. Ich bin immerhin froh, dass die Große Rülpserin als solche im Film weniger auffällt als im Buch.

Meine englischsprachige DVD hatte keinerlei Extras und auch keine Untertitel.


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