Test Leseständer/Buchstützen

Ich suchte Buchstützen, die ein 800-Seiten Hardcover sicher aufgeschlagen halten – bei Seite 388 ebenso wie bei Seite 8 und 788. Dabei will ich immer wieder bequem und mühelos umblättern. Ich will also kein Kochbuch eine halbe Stunde auf eine Doppelseite festlegen. Der genaue Buchwinkel interessiert mich weniger als das sichere Fixieren der schweren Drucksache und sicherer Stand.

Wedo 2119903 Leseständer Book

Dieser Ständer mit seinen „Book“-Plastikbuchstaben ist ausnehmend hässlich und infantil, ob in rotem, schwarzem oder blauem schwindsüchtigem Strandspielzeug-Plastik. Und ich trinke auch keinen Kaffee aus Tassen, auf denen „Coffee“ steht. Das Problem nur: Der Wedo Book macht einen besseren Job als andere Testkanditen. Zwei Gründe dafür:

  • Die Aufstellfläche fürs Buch vorn unten ist tiefer als bei anderen Kandidaten und zudem geriffelt, so lassen sich auch schwere Schmöker relativ sicher abstellen.
  • Zum Fixieren werden zwei einzelne Arme nach vorn gefahren, nicht eine durchgehende Spange. Zwar sitzen die Arme auf einer gemeinsamen Achse, sind aber doch individuell anpassungsfähig – sie fixieren das Buch bei Seite 8, 388 und 788 halbwegs gleichermaßen, im Gegensatz zu einer durchgehenden Spange. Sie haben knapp genug Andruck.

Der Gleitmechanismus zum Einstellen des Rückenwinkels ist lästig fummelig und kann beim Aufstellen nach Ortswechsel oder Verstauen ganz versagen – dann faltet sich die Lesestütze selbst zusammen. Die zwei Arme vorn drücken die Seiten derzeit kraftvoll genug an, dass sie sich nicht befreien können; gleichzeitig fällt aber das Weiterblättern leicht. Falls die Andruckkraft der Arme irgendwann nachlässt, würde es mich nicht wundern. Die zwei Arme sind wohl ganz leicht gefedert, so dass man sie nicht komplett flachlegen kann – aber das will man ohnehin nicht, und beim Andrücken widerspenstiger Seiten hilft die Federung nicht. Die zwei Plastikkappen auf den Enden der Metallarme gehen leicht ab – Ersatzteilnummer?

Wedo 211407 Leseständer Bambus

Die Abstellfläche ist nicht tief genug für dicke Schmöker. Bei Seite 388 werden Folianten noch vage gehalten, auf den Seiten 8 oder 788 eher nicht. Der Schmöker sitzt auf jeden Fall wackelig. Vorne drücken nicht zwei einzelne Arme an, sondern ein durchgehender Querbügel. Der macht nur Sinn, wenn das Buch auf beiden Seiten in etwa gleichstark ist – zum Beispiel auf Seite 388 von 800. Bei Seite 8 oder 788 bewältigt der Querbügel seine Aufgabe kaum, zudem er hier zu leicht nachgibt, so dass sich das Buch selbst umblättert und/oder nach vorn kippt. Ein durchgehender Querbügel erschwert zudem im Vergleich zu zwei einzelnen Armen das Umblättern.

Im Übrigen war mein Exemplar mies verarbeitet: Vorn quoll Holzklebstoff raus, der stützende Metallbügel hinten war verbogen und passte – wie man ihn auch drehte – nie so ganz richtig in die drei Schlitze für unterschiedliche Winkel. Zugegeben, die Holz-Metall-Konstruktion wirkt optisch etwas ansprechender als das Lego-Plastik des Wedo Book.

Es wirkt halt wieder wie so ein Chinaschmarrn (ich sagte nicht „ist“). Ich habe auch Handyhalter für Fahrrad, Auto und einen Buchhalter für die Wanne aus China – alles billig, alles wackelig, von Umsatzversteuerung ganz zu schweigen. Wie gern würde ich solche Ware von Herstellern wie Leitz, Mercedes oder nordhessischen Traditionsmanufakturen für 80 Euro/Stück bei Manufactum kaufen. Aber das gibt es nicht. Es gibt nur billiges Chinageraffl. Dieses Bambusding hat nicht mal Woolworthqualität.

Übrigens schien mir der Wedo Bambus als Tablet-Ständer brauchbar: Ich habe dafür den Querbügel nach unten innen geklappt, das Tablet steht also leicht erhöht auf dem Bügel (wie abgebildet), Tablet-Bedienelemente ganz unten sind dadurch leichter erreichbar. Jedenfalls eignet sich der Wedo Bambus fürs Tablet besser als meine fipsige als solche gekaufte Tablet-Stütze (Chinaschzeugs natürlich).

Herlitz Leseständer

Erinnert deutlich an Wedo Leseständer Book mit seiner Technik, den Neigungswinkel einzustellen – bei Herlitz etwas besser gelöst. Doch die Buchabstellfläche vorn ist nicht geriffelt; da zeigt sich der Wedo praktikabler. Vor allem: Vorn halten nicht zwei Einzelarme, sondern ein durchgehender Bügel des Widerspenstigen Seiten im Zaum – oder auch nicht. Ein durchgehender Bügel ist weniger praktisch, und bei meinem Testmodell kam zudem kein kraftvoller Andruck zustande.

Readaeer Leseständer Bookrest

Dieses Exemplar ist wohl für Kochbücher gedacht oder für andere Werke, die länger bei einer Doppelseite aufgeschlagen bleiben. Die gefederten Klammern drücken die Buchseiten enorm kräftig an und das Weiterblättern macht keinen Spaß. Man hat fast Angst, dass einem die Klammern mal um die Ohren fliegen.

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