Produktkritik: Kleine Kameratasche Tenba DNA 8 „graphite“ – 7 Sterne

Die kleine Kameratasche Tenba DNA 8 (Farbe „graphite“) habe ich auf einer 30tägigen Reise durch ein heißes Land getestet. Tasche und Tester waren fast immer draußen unterwegs; es war meist bedeckt, immer wieder hat es geregnet. Ich habe die Tasche weder bewusst strapaziert noch sonderlich schonend behandelt.

Gesamteindrücke (Details unten):

  • Einer der zwei Knöpfe, auf die man die Magnetclips steckt, fiel nach zwei Wochen ab und verschwand. Die Tasche wurde später innerhalb eines Tages ersetzt.
  • Die Farbe der Tasche änderte sich leicht und unvorteilhaft innerhalb der 30 Tage (s. Fotos). Dreckspritzer konnte ich kaum spurenlos beseitigen.
  • Einige der interessanten Detaillösungen lernte ich erst nach und nach schätzen (s.u.).
  • Einheimische lobten mehrfach meine „schöne“ Tasche und wollten sie in einer Provinz sogar behalten. Die Tasche sieht also zu begehrenswert aus. Ich selbst finde das Obermaterial auch zu betont hübsch.
  • Mir erschien die Taste als zu steif und groß. Ich habe den Kameraeinsatz herausgenommen und durch andere, weniger starke Polster ersetzt.

Knopf fiel ab:

Plötzlich war der Knopf weg (s. Fotos), und ich konnte einen der zwei Magnetclips nicht mehr aufstecken. Er hing herunter und verfing sich gar in Kleidung, Ausrüstung oder Fahrgerät, wenn man ihn nicht bewusst unter der Frontklappe versteckte. Per Klettverschluss ließ sich die Tasche immer noch ordentlich schließen, war allerdings weniger gesichert gegen Langfinger. Nach Rückkehr von der Reise schickte ich meinem Händler eine Fehlermeldung samt Foto (unten) und erhielt innerhalb eines Tags eine neue Tasche; die alte sollte ich portofrei zurückschicken. Aber das war erst nach Rückkehr von der Reise. Vor Ort musste ich die fehlerhafte Tasche noch zwei Wochen nutzen.

Farbe:

Die Tasche (Farbe „graphite“) bekam einigen Regen und Nieselregen ab. Den Regenschutz habe ich nur gelegentlich aufgesetzt, das Innere wurde gleichwohl nie nass. Die Tasche bekam auch einigen rötlichen Staub von trockenen Lateritstraßen ab. Nach einem Fahrradtrip ohne Schmutzfänger hatte die Tasche einige Dreckspritzer. Die habe ich zunächst vorsichtig trocken entfernt, dann habe ich örtlich (nicht insgesamt) mit einem feuchten Handtuch nachgewischt. Spuren der Dreckspritzer blieben danach erkennbar. Nach vier Wochen im heißen Land hatte sich die Taschenfarbe sichtbar geändert (s. Foto), die Tasche wirkte unvorteilhaft gealtert. Ich habe nicht probiert, die Tasche mit Seife oder in der Waschmaschine zu reinigen.

Zu groß und steif:

Mit dem inneren Kameraeinsatz schien mir die Tasche zu breit und zu steif. Ich habe den Kameraeinsatz ganz entfernt und den Taschenboden mit den Tenba-Trennelementen gepolstert. Die Front der Kameratasche hat eine Innentasche, in die ich die zugeschnittene Polsterung einer kaputten allgemeinen Tasche schieben konnte. Damit war die Taschenfront also auch gepolstert (und für die besagte Innentasche hatte ich eh keine Verwendung). Die am Körper anliegende Taschenrückseite bleibt auch ohne Kameraeinsatz gepolstert, da hier das dicke, fest vernähte Tabletfach ist. Mit weiteren Trennelementen aus anderen Kamerataschen habe ich die Tenba dann unterteilt: Wichtigeres oben, Kleinkram unten. Meine Kamera saß damit nicht so fest und ordentlich wie von Tenba vorgesehen. Aber die Tasche wirkte deutlich bequemer, lässiger und weniger pompös.

Weitere Details:

Oberer Reißverschluss: Der ist sehr praktisch, zumal mit eher schlanken Kameras wie einer Pen. Zunächst vergaß ich schlicht, diesen Reißverschluss zu nutzen, weil er so ungewöhnlich ist. Aber steckt die Tenba-Tasche in einer größeren Tasche oder in einem Fahrradlenker-Korb, ist der Zugriff über den oberen Reißverschlus besonders praktisch.

Polsterung Trageriemen: Die Polsterung des Trageriemens ist fest aufgenäht und hat genau die für mich richtige Größe. Mir gefällt das so, frei verschiebbare Polsterungen finde ich unbequem und oft zu groß. Über die zwei Längenverstellungen des Riemens kann man die Polsterung genau in die richtige Position bringen; die Länge lässt sich bei Bedarf sehr einfach verstellen (z.B. zum Fahrradfahren mit umgehängter Tasche).

Fixierung Trageriemen: Der Tragegurt ist nicht fest an die Tasche angenäht oder -genietet, sondern über zwei zudem in sich drehende Karabinerhaken fixiert. Gut so: Damit lässt sich die Tasche leicht an einen Caféstuhl anleinen (bei einem fest fixierten Gurt ginge das nur deutlich umständlicher per Schlinge). Ist der Gurt verdreht, muss man nicht erst einen Haken abnehmen; es reicht, den Haken zu drehen.

Flache äußere Innentaschen: Die flachen äußeren Innentaschen unter der Frontklappe passen gut für Filter, Handy und (je nach Dicke) Portemonnaie. Ungeschützt dort verstaute Filter bekommen evtl. Reibung ab.

Äußere Netztaschen: Diese Taschen habe ich ordentlich strapaziert. Nach vier Wochen wirkten sie leicht, aber nicht sehr auffällig gedehnt. Verfärbt hatten sie sich nicht, anders als die Tasche selbst.

Taschenboden: Eine Tasche mit Stellfüßen wäre mir lieber. Immerhin hat die Tenba DNA 8 einen robusten Gummiboden, der bei Landpartien willkommen war. Ich fand es nicht leicht, diese Unterseite nach einem Einsatz in der Natur wieder richtig sauber zu bekommen.

Klettverschluss: Ja, der ist bei normalem Gebrauch wirklich laut. Aber Tenba verwendet hier laut Eigenwerbung  „military-spec quiet velcro“. Zieht man das Material instruktionsgemäß zuerst nach *unten*, klingt es wirklich deutlich leiser. Allerdings habe ich diese Extra-Bewegung nach unten oft vergessen.

Magnetclips: Diese Clips lassen sich denkbar flott nutzen und wirken raffiniert. Weniger raffiniert nur, dass ein Knopf abfiel (s.o.). Je nach Umgebung habe ich die Clips manchmal offengelassen. Dann hängen sie jedoch herunter und können sich mit Kleidung, Ausrüstung oder Fahrgerät verfangen; außerdem sieht es unschön aus.

Regenschutz: Um innen mehr Platz zu schaffen, habe ich den Regenschutz in eine äußere Netztasche gesteckt. Auf nassen Motorradfahrten schien der Regenschutz gut zu wirken. Man sollte aber vorab üben, wie man die Hülle wie vorgesehen fast vollständig über die Tasche zieht – das erfordert Eingewöhnung. Ein scheinbar beeindruckter Einheimischer nutzte den Regenschutz einmal als Kopfbedeckung. Bei Nieselregen oder kurzen Regenabschnitten habe ich den Regenschutz gar nicht verwendet und den Verzicht nicht bereut.

Nylon-Innenfutter: Es ist blassgelb und nimmt schnell Schmutz an, z.B. wenn man nach einer Fahrradreparatur dreckige Finger hat. Wirkte physisch nach vier Wochen wie neu.

Äußere Reißverschlusstaschen vorn und hinten: Beide habe ich gern verwendet. In der hinteren, breiten RV-Tasche hatte ich Reiseführer-Ausrisse, Sprechbuch, Broschüren und Karten. – Die vordere RV-Tasche ist zu klein für Geldbörse oder das komplette Handy, eignet sich aber gut für Schlüssel. Man kann das Handy halb hineinstecken und es dann als Kamera, Lampe oder Radio benutzen (das habe ich manchmal gemacht). – Die großen Fingerringe an allen drei äußeren Reißverschlüssen wirkten einladend, ich habe sie auch bei warmem Wetter gern genutzt.

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