Spionage-Komödie: OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006) – mit Trailer – 6 Sterne

In Cairo 1955 verschwindet ein wichtiger Verbindungsmann des französischen Geheimdiensts. Topspion OSS 117 (Jean Dujardin) düst nach Ägypten, um seinen Verbleib aufzuklären und nebenbei den Mittleren Osten noch vor der heraufziehenden Suezkrise zu befrieden.

Schon bald hat OSS 117 mit Hühnerzucht, scharfen Orientalinnen und intriganten Imamen zu tun.

Nonchalanter Schwachsinn:

Die Handlung spielt keine Rolle: Der Spion, der sich liebte ist nonchalanter Schwachsinn, eine James-Bond-Parodie mit gallischer Lässigkeit und deftigen Tabubrüchen: Der Islam wird hier kräftig auf die Schippe genommen, OSS verprügelt sogar einen Muezzin, der seine Nachtruhe gestört hatte.

Aber auch Nazis und Homosexuelle bekommen bizarre Auftritte und Zeilen. Und die Hauptfigur outet sich, bei aller Galanterie, nicht gerade als Frauenversteher.

Dujardin glänzt durch leicht verschmockte Eleganz (New York Times: „a dashing agent in Egypt“), markante Physiognomie und – auch in der guten deutschen Synchro durch Oliver Kalkofe – durch ungeniert irres Lachen.

Dabei nutzt der Film Stilmittel älterer James-Bond– und Hitchcock-Produktionen, zum Beispiel simulierte Autofahrten mit Rückprojektion oder Nachtszenen, die tagsüber mit Blaufilter entstehen. Im Hintergrund läuft zeitweise attraktiver Bigbandjazz à la Bond.

Parodie und Komik:

Der deutsche Titel Der Spion, der sich liebte hat nichts mit der Filmhandlung zu tun, sondern parodiert lediglich den James-Bond-Titel Der Spion, der mich liebte. Viel besser passen hier der englische Titel Cairo, Nest of Spies bzw. der französische Originaltitel Le Caire nid d’espions.

Momentweise erinnert Dujardins Rolle an Louis de Funès: Einmal entdeckt Dujardin, dass die Hühner in seiner Zuchtfabrik nur bei eingeschaltetem Licht gackern; wird der Schalter umgelegt, sind sie sofort still. Sofort schaltet Dujardin zigmal hin und her und erfreut sich am an- und abschwellenden Hühnergesang. Da dachte ich daran, wie Louis de Funès in einem Film das Plopp einer Pappröhre entdeckt, wenn der Deckel abgenommen wird – prompt wiederholt er den Vorgang fasziniert immer wieder.

Es gibt Besseres:

Kritiker verglichen den trockenen, aber deftigen OSS-117-Humor mit Filmen der Zucker-Brüder, etwas das Verrückte Flugzeug oder die Nackte Kanone-Reihe.

Freilich: Besser als OSS 117 – Der Spion, der sich liebte (2006) ist der Nachfolger: OSS 117 – Er ist sich selbst genug (2009). Denn die 2006er-Folge hat langatmige Dialogpassagen, das Ambiente ist nicht sonderlich exotisch, es gibt wenig Action und bestimmte Entwicklungen wiederholen sich.

Roger Ebert meinte darum zu Der Spion, der sich liebte:

„Only 99 minutes long, it nevertheless seems to go on more than necessary. There is a limit to how long such a manic pitch can be maintained.“

Und Wortvogel monierte:

„Aber die großen Pointen läßt der Film (vielleicht absichtlich) außen vor. So schmunzelt man vor sich hin, während die Schenkel ungeklopft bleiben.“

Dennoch war Der Spion, der sich liebte, in Frankreich ein Erfolg. Darum wohl wurde der Nachfolger – der in Rio spielt – offenbar mit mehr Geld, mehr Ideen und noch mehr Respektlosigkeit gedreht.



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