Filmkritik Weiße Frau in Ägypten: Cairo Time (2009, mit Patricia Clarkson) – mit Trailer – 7 Sterne

Verblüffend: Eine junge Frau – Drehbuchautorin und Regisseurin Ruba Nadda – schreibt eine Hauptrolle, und zwar eine subtile, für eine 50jährige. Sicher nicht alltäglich.

Was mir gefiel:

  • Cairo Time (2009) ist langsam und verzichtet auf große Gesten. Auch die Musik ist zurückgenommen. Gerade weil nicht viel passiert, wirkt Cairo Time sehr realistisch.
  • Speziell Hauptakteurin Patricia Clarkson beeindruckt unaufdringlich mit ihrer Melancholie und ihren Zweifeln.
  • Ein Film ohne Jugendwahn.
  • Obwohl kaum etwas passiert, entwickelt sich die Beziehung zwischen den Hauptfiguren unablässig weiter, die Spannung steigt.
  • Für einen Kinofilm insgesamt reif, erwachsen und wenig infantil; dabei nicht sauertöpfisch, moralisch und selten belehrend.
  • Erstens kommt es anders und zweitens…

Weniger begeisterte mich:

  • Der Film klappert die Pflichtstationen in Kairo mit Postkartenbildern ab: Pyramiden, Nil, Basar, Kolonialhotel, turbulente Straßen, fromme Männer, aufdringliche Männer.
  • Manche Dialoge und Szenen wirken allzu didaktisch, es gibt Armut, Kinderarbeit, die Frage der Einmischung in anderer Leute Probleme.
  • Man hat selten den Eindruck, mittendrin in Kairo zu sein. Öfter wirkt die Kulisse wie eine Rückprojektion.
  • Dass sich die Hauptfigur spontan in einen Bus nach Gaza setzt, scheint sehr unglaubwürdig.
  • Der Film wurde 2005 geschrieben, aber erst 2009 produziert. Man würde meinen, dass Handys, SMS und Internet mehr Kommunikation zwischen den räumlich getrennten Eheleuten ermöglichen als gezeigt; die Trennung wurde hier künstlich hochgespielt.

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