Filmkritik Tunesier in Südfrankreich: Couscous mit Fisch (2007) – mit Trailer – 7 Sterne

Die meiste Zeit passiert: nichts. Stattdessen erleben wir ausgedehnte, impulsive Palaver im Familienkreis – vor allem Tunesier, einige Franzosen, viele Charakterköpfe; die Handkamera schwirrt ständig unruhig von Sprecher zu Sprecher, darin etwas an Monsoon Wedding erinnernd. Es gibt auch längere Kochszenen, einen erbitterten Monolog und einen schlichten Bauchtanz. Nur eben sehr wenig: Handlung. Und das über 2:35 Stunden.

Sehr schön jedoch die Nähe, der scheinbar absolute Realismus, das gänzlich unglamouröse, improvisiert wirkende Alltagsklima mit ein paar zu vielen Wortwiederholungen in den Dialogen. Die Kakophonie der ausgedehnten Familie wurde erstaunlich gut ins Deutsche synchronisiert (Regie und Buch Abdellatif Kechiche, dt. Titel Couscous mit Fisch, frz. Titel Couscous).

Hält die Kamera einmal Ruhe, zeigt sie oft schöne Bilder. In diesem Film sind die Männer schweigsam und vergeigen’s. Die Frauen schwadronieren und arbeiten hart. Die professionelle Kritik war begeistert.

Atmosphärisch erinnert Couscous mit Fisch etwas an Fasten auf Italienisch, das auch einen assimilierten Nordafrikaner in Südfrankreich zeigt. Couscous ist aber besser.


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